Hilfsangebote in Lingen Mit der Angst nach einem Einbruch muss niemand alleine stehen

Von Thomas Pertz


Lingen. Opfer von Einbrüchen im Emsland und in der Grafschaft Bentheim müssen mit ihren Fragen und Ängsten nicht alleine stehen. In einer zweiten Auflage startet am 15. August die Veranstaltungsreihe „Zuhause un(d) sicher“. Partner sind der SKM Lingen, die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim, die Opferhilfeorganisation Weißer Ring und die JVA Lingen.

Insgesamt 510 Wohnungseinbrüche hat die Polizeiinspektion im letzten Jahr für die Region Emsland/Grafschaft Bentheim registriert. Gegenüber 2016 (642) und dem Jahr 2015 (722) sind die Zahlen rückläufig. Wer Opfer eines Einbruchs wurde, für den war aber schon dieser eine Fall einer zu viel.

Unabhängig davon, ob der Täter gefasst wurde oder nicht: Die emotionale Betroffenheit der Opfer spielt nach Angaben von Nils Freckmann, Sozialarbeiter beim SKM, auch mit zunehmender zeitlicher Distanz zur Tat mitunter immer noch eine erhebliche und schmerzhafte Rolle. Dass ein unbekannter Eindringling die Intimsphäre auf brutale Art und Weise verletzt hat, hinterlässt Wunden, die nach außen hin nicht sichtbar sind.

Nils Freckmann, Hiltrud Frese, Opferschutzbeauftragte bei der Polizei, Erich Bethke, Außenstellenleiter des Weißen Rings im Emsland und in der Grafschaft Bentheim und Robert Welling, Abteilungsleiter in der JVA Lingen haben deshalb 2017 das Projekt „Zuhause un(d) sicher“ auf die Beine gestellt. In diesem August startet das Angebot erneut.

Es bietet die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Bei weiteren Treffen geht es um technische Prävention, den Ablauf des gerichtlichen Verfahrens, um Formen der außergerichtlichen Konfliktschlichtung und auch um ein Gespräch mit einem Einbrecher – nicht „der“ Einbrecher, der in eines Häuser der Betroffenen eingedrungen ist. Aber es handelt sich schon um jemanden mit einer vergleichbaren Tat an einem anderen Ort. Welling berichtete von der eindrucksvollen Begegnung beider Seiten im vergangenen Jahr. Das Ausmaß dessen, was er durch seine Tat nicht nur an materiellem Schaden verursacht habe, sei dem Einbrecher bei dem Treffen mit den Einbruchsopfern deutlich geworden, sagte der Vollzugsbeamte.

Ein Ergebnis der Arbeit der Kooperationspartner ist eine gemeinsam mit der Polizeiinspektion entwickelte Visitenkarte. Auf dieser ist nicht nur die Telefonnummer von Hiltrud Frese vermerkt, sondern auch das breit gefächerte Informationsangebot für Betroffene von Wohnungseinbrüchen. Die Idee hinter der Visitenkarte: Es gibt fachliche Ersthelfer, die Opfer von Einbrüchen begleiten - wenn es sein muss, auch über einen längeren Zeitraum.

Die Teilnehmer aus der ersten Veranstaltungsrunde im vergangenen Jahr kannten sich untereinander nicht. „Es ging aber sehr schnell ans Eingemachte“, beschrieb Frese die große Bereitschaft zum Austausch über die persönlich erlittenen Erlebnisse. „Sie waren voll davon und wollten dies auch loswerden“, schilderte die Polizeibeamtin den Verlauf dieses ersten Abends. Angst zu spüren nach einer Einbruchstat, sei eine normale Reaktion, sagte Bethke. „Damit muss aber niemand allein stehen“, verwies er auf die Möglichkeiten der professionellen Unterstützung.

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Termine der Veranstaltungsreihe „zuhause un(d) sicher“:

15. August, 19 Uhr: Auftaktveranstaltung im Freiwilligenzentrum an der Lindenstraße

5. September, 19 Uhr: Technische Prävention/Polizei Lingen

20. September, 19 Uhr: Das Strafverfahren/Amtsgericht Lingen

17. Oktober: Traumabewältigung/Freiwilligenzentrum Lingen

8. November, 19 Uhr. Außergerichtliche Konfliktschlichtung (Täter-Opfer-Ausgleich), Freiwilligenzentrum

23. November, 14 Uhr: Vorstellung der Arbeit des Justizvollzuges/JVA Lingen

26. November, 17 Uhr: Gespräch mit einem Inhaftierten in der JVA Lingen.

Die Reihe richtet sich an interessierte Erwachsene. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig.

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