Dortmund-Ems-Kanal und Ems Brückenspringen im Emsland: Spaß, der tödlich enden kann

Von Julia Mausch

Bei gutem Wetter werden der Dortmund-Ems-Kanal und die Ems zum Freibad. Wer dazu noch Action braucht, springt von der Brücke ins Wasser. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpaBei gutem Wetter werden der Dortmund-Ems-Kanal und die Ems zum Freibad. Wer dazu noch Action braucht, springt von der Brücke ins Wasser. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Lingen. Bei dem derzeit guten Wetter werden der Dortmund-Ems-Kanal und die Ems zum Freibad. Wer dazu noch Action braucht, springt von der Brücke ins Wasser. Doch ist das überhaupt erlaubt?

Er wollte einfach nur Spaß haben, nun ist er tot. Ende Juli ist ein 25-jähriger Mann in Münster gestorben, nachdem er von einer Brücke in den Dortmund-Ems-Kanal gesprungen und nicht mehr aufgetaucht war. (Weiterlesen: 25-Jähriger stirbt in Münster nach Sprung von Kanalbrücke)

Räder und Einkaufswagen auf dem Grund

Immer wieder werden in den vergangenen Wochen Jugendliche beobachtet, die über die Geländer von Brücken klettern und in den Dortmund-Ems-Kanal springen – auch in Lingen. Gefährlich und nicht erlaubt, sagt ein Sprecher der Wasserschutzpolizei in Meppen. Fahrräder, Einkaufswagen, Baustellenleuchten, Mülltonnen, Tresore – einiges liegt im Wasser, das dort nicht hingehört und die Springer verletzen können. Da das Wasser nicht glasklar, sondern eher trüb ist, könnten Schwimmer auf einen Stapel von Fahrrädern springen und sich schwer verletzen. Noch das harmlosere Szenario.

Räder und Co. werden nicht gesehen, und auch nicht, „wie tief der Kanal ist“, beschreibt die Wasserschutzpolizei das Problem. (Weiterlesen: Warf Jugendlicher bis zu 200 Fahrräder in Lingener Kanal?)

Lianen an Emsbrücke in Meppen

Acht Polizisten sind täglich auf dem Wasser in der Region im Einsatz. Sie patrouillieren auf der Ems und dem Dortmund-Ems-Kanal. Sie wissen, wo Jugendliche gerne ins Wasser springen. Neben der sogenannten Lingener Meckerbrücke wird mittlerweile auch die neue Emsbrücke in Meppen als Sprungbrett benutzt. (Weiterlesen: Warum die Meckerbrücke in Lingen ihren Namen trägt)

In Meppen haben Unbekannte Seile an der Brücke angebracht, um sie als eine Art Liane zu benutzen und sich später damit fallen zu lassen, sagt der Sprecher der Wasserschutzpolizei, der ebenso wie die Stadt Meppen vor Aktionen dieser Art warnt. „Aufgrund von Treibsand ist mit wechselnden Wassertiefen zu rechnen“, heißt es seitens der Stadtverwaltung.

Eine Vielzahl an Rädern wurden 2016 im Kanal nahe der Meckerbrücke gefunden. Foto: Julia Mausch

Schwimmen in der Ems ist erlaubt

Gezielt nach Springern zu suchen – dazu fehlen bei der Wasserschutzpolizei die Kapazitäten. Stattdessen führt oft das eine zum anderen: Vorbeifahrende Schiffe, die die Springer bemerken, melden sich bei der Polizei. Gleiches machen Badegäste, die sich im Uferbereich der Ems oder des Kanals aufhalten, dort schwimmen. Entgegen der weitverbreiteten Annahme ist das nämlich nicht verboten, sagt der Sprecher. Doch Vorsicht ist geboten, aufgrund starker Unterströmung. Und es gibt Regeln, an die sich gehalten werden muss: „Nicht 100 Meter vor und hinter einer Brücke, eines Wehres, einem Hafeneingang, einer Schleuse oder Liege- sowie Anlegestelle für Schiffe und Boote schwimmen“, heißt es seitens der Wasserschutzpolizei. Wo ein Schwimmverbotsschild ist, darf laut Binnenschifffahrtsordnung ebenfalls nicht geschwommen werden, also beispielsweise am Neuen Hafen in Lingen.

Strafen bis 200 Euro

Wer sich nicht daran hält, riskiert ein Bußgeld. Und das kann teuer werden: Strafen von 35 bis 200 Euro können verhängt werden. Häufig bleibt es aber bei Ermahnungen, sagt der Sprecher der Wasserschutzpolizei. „Viele Schwimmer sind einsichtig.“ Sind sie es nicht, lassen sich die Polizisten auch mal die Personalien der betreffenden Personen geben, bei Jugendlichen werden dann die Eltern informiert. Schwimmer unterschätzen oftmals die Gefahr, zeigt auch der Fall in Münster Ende Juni. Mit den Kollegen in Nordrhein-Westfalen steht die Wasserschutzpolizei im ständigen Austausch. Schiffschwimmer sind dort ein Problem: Die Polizei bezeichnet so Jugendliche und Erwachsene, die unbemerkt auf Schiffe klettern und runterspringen.

Lebensgefahr: Schiff

Das ist lebensgefährlich. Denn Schiffe mit spitzem Bug verdrängen das Wasser zur Seite. So entsteht eine Welle, die den Schwimmer abtreiben lässt und an die steinige Uferböschung drücken kann. Zusätzlich entsteht durch die Vorwärtsbewegung des Schiffes und die Arbeit der Schiffsschraube ein starker Sog. Wer sich dann in Höhe des Schiffes befindet, kann leicht in Richtung Schiffsschraube gezogen werden. Im Emsland springen Waghalsige verbotenerweise von Brücken und anderen Bauwerken, aber nicht von Schiffen. „Probleme wie in Münster haben wir hier zum Glück nicht“, sagt der Polizeisprecher.


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