Mauerblümchen-Dasein auf Bauhof Wohin mit Lingen-Mosaik von Friedel Kunst?

Von Caroline Theiling-Brauhardt


Lingen. Gerettet und doch vergessen? 2013 wurde die ehemalige Hauptschule am Wall in Lingen abgerissen. Ein Wandmosaik, eingelassen in einer Mauer des Gebäudes, wurde damals gerettet. Fünf Jahre später fristet dieses Kunstwerk von Friedel Kunst – von Efeu umrangt – ein Mauerblümchen-Dasein auf dem Bauhof.

Das Mosaik besteht aus rund 125 Einzelteilen und ist siebenfarbig. Es ist etwa 2,40 Meter breit und rund 64 Zentimeter hoch, bunt und zeigt die Silhouette der Stadt Lingen vor rund fünf Jahrzehnten mit den Kirchtürmen, dem Rathaus und dem Stadtgraben. Das Besondere an dem Wandbild: Es wurde vom Lingener Künstler-Urgestein Friedel Kunst, der vor 16 Jahren verstorben ist, geschaffen.

Werk von Friedel Kunst

„Sollte Friedel Kunst dieses Wandmosaik geschaffen haben, werden wir als Stadt Lingen natürlich alles daran setzen, dieses Mosaik auch zu erhalten“, hatte Helmut Höke im Jahr 2013, damals noch Fachbereichsleiter Wirtschaftsförderung und Liegenschaften und heute Bürgermeister von Geeste, gesagt, als es um den Erhalt des Werkes ging. Schließlich wurde das rund 500 Kilo schwere Mauerstück im Herbst 2013 herausgestemmt und zum Bauhof transportiert, wo es noch heute lagert. Die Redaktion entdeckte es kürzlich, inzwischen teilweise von Efeu bewachsen.

Seinerzeit hatte sich auch der Lingener Friseur Uli Fürstenberg, der selbst einmal am Wall die Schulbank gedrückt hatte, für den Erhalt des Kunstwerkes eingesetzt. Unterstützt wurde er damals von der Facebook-Gruppe „Du weißt Du kommst aus Lingen Ems wenn ...“

Schade, wenn der Bagger kommt

„Ich finde es immer furchtbar schade, wenn die Abrissbagger kommen und alles so lieblos in Schutt und Asche legen“, betonte Fürstenberg in einem Gespräch mit der Redaktion. Mit jedem alten Haus, das abgerissen werde, verliere die Stadt auch ein Stück weit ihre Identität. „Wir müssen uns immer daran erinnern können, wo wir herkommen und wie wir einmal gelebt haben – nur dann gibt es eine sinnvolle Weiterentwicklung“, ist er überzeugt. „Da von der Stadt nichts mehr zu hören war und ich 2014 meinen zweiten Laden aufgemacht habe, ist die Initiative damals leider etwas eingeschlafen“, bedauert der Friseur, der aber gleichzeitig betont, dass er sich freut, dass nun endlich wieder „Bewegung in die Sache kommt“.

Standort Friedensschule?

„Recherchen bei verschiedenen Quellen haben ergeben, dass dieses Mosaik tatsächlich vom Lingener Künstler Friedel Kunst gestaltet wurde“, sagte Oberbürgermeister Dieter Krone auf Anfrage der Redaktion. „Als Beispiel zeitgenössischer Kunst in Lingen wollen wir als Stadt das Mosaik auch künftig erhalten.“ Als neuer Standort für das Kunstwerk kommt laut Krone die städtische Friedensschule in Frage. Bei den dortigen Umbaumaßnahmen werde geprüft, wie das Mosaik als Gestaltungselement miteinbezogen werden könne.

Hingucker am Bahnhof ?

„Ich könnte mir auch vorstellen, es zu einem echten Hingucker zu machen, vielleicht zum 1050-jährigen Bestehen der Stadt im Jahr 2025“, lautet eine weitere Idee von Rudolf Kruse, Leiter des Fachdienstes Kultur. Das müsse dann aber ein prominenterer Ort als die Friedensschule sein.

CDU-Stadtratsmitglied Karl-Heinz Schwarz schlug im März dieses Jahres via Facebook vor: „Wäre es nicht passend, dieses Mosaik, das dem Lingener Künstler Friedel Kunst zugeschrieben wird, später im Eingangstor zur Stadt, im erneuerten Bahnhof also, zur Schau zu stellen?“ Der Meinung konnte sich auch Fürstenberg anschließen. „Der Bahnhof wäre perfekt“, meinte der 55-Jährige, der sich durch seine Initiative ein bisschen wie der Retter des Mosaiks fühlt. Andere Mitglieder der Gruppe haben das Emslandmuseum oder die Emslandarena vorgeschlagen. Einig war man sich bei den Kommentaren, dass es nicht so versteckt werden solle wie die Machurius-Figur.


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