Kinder spielen für Kinder Lingener Hans-Walter Borrmann leitet Wintertheater in Ahmsen

Von Eva-Maria Riedel


Lingen. In den Sommermonaten und besonders dann, wenn das Wetter so hervorragend ist, wie wir es momentan erleben, stehen in unserer Region auch die Freilichtbühnen im Mittelpunkt der kulturellen Ereignisse und das gilt auch für die Freilichtbühne Ahmsen und den Lingener Hans-Walter Borrmann, der sich ihr mit Leib und Seele verschrieben hat.

Haupt-und Realschullehrer sowie Diakon im Zivilberuf war der 70-Jährige, und wen wundert es da, dass er sehr kontaktfreudig und den Brettern, die die Welt bedeuten, stets zugewandt war und ist. Für sein außergewöhnliches Engagement „20 Jahre ehrenamtlich Wintertheater“ erhielt Hans-Walter Borrmann von der Johann Bünting-Stiftung in Leer, in der Kategorie „Alt für Jung“ einen Preis. Vorgeschlagen hatte ihn ein ehemaliger Mitspieler, worüber sich der Geehrte sehr freute. Und so begann alles: Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Freilichtbühne Ahmsen wurde über so manches philosophiert. Und es war Josef Meyer, der Vorsitzender der Freilichtbühne Ahmsen, der die entscheidende Frage stellte, was man denn mit den Wintermonaten anfangen könnte. Das Wort „Wintertheater“ fiel. „Und das machst du“, ermunterte Meyer ihn.

Kinder spielen für Kinder

Borrmann ließ das Thema nicht mehr los. Ein Wintertheater nur mit Kindern, das konnte er sich gut vorstellen. Und dank seiner langjährigen Erfahrungen auf der Freilichtbühne Ahmsen stellte er eine Kinderspielschar zusammen, anfänglich mit acht Mitspielern. Nachdem er von der inzwischen verstorbenen Elke Eilsberger – sie war damals Ausstatterin und Theaterspielerin – kindgerechte Stücke erhielt, ging es mit den Proben los, die viel Zeit in Anspruch nahmen bzw. nehmen und erfreulicherweise von den Eltern auch heute noch mitgetragen werden. Montags, mittwochs und freitags sind Proben angesagt, werden mit den Kindern die Szenen vorbereitet, die Texte geübt. Wenn dann alles sitzt, findet traditionell am Samstag vor dem 3. Advent in Ahmsen die Premiere statt. „Mein Ziel ist es, dass Kinder für Kinder spielen“, sagt Borrmann. Sechs bis sieben Aufführungen pro Saison – beginnend am Sonntag nach Weihnachten – stellt das Wintertheater auf die Beine. „An den verschiedensten Orten und Einrichtungen haben wir an Wochenenden gastiert, so unter anderem auch in der Lingener Kirchengemeinde St. Josef Laxten, beim damaligen Familienverband Lingen, im Jungeninternat in Thuine und so weiter.“ Der stärkste Monat mit Aufführungen sei bis dato immer der Januar. „Dann treten wir nicht nur an Samstagen auf, sondern auch sonntags“, erzählt Borrmann. Dafür sei dann aber im Februar Schluss mit den Aufführungen.

Die Scheu verlieren

Mittlerweile schwanke die Zahl der Theater spielenden Kinder zeitweise zwischen acht bis 33 Personen. „Wer mit Kindern ein Theaterstück aufführen will, muss sie vorsichtig an alles heranführen“, gibt der Theatermann zu bedenken. „Sie seien wie ungeschliffene Diamanten, müssten erst lernen, sich gezielt zu bewegen, die Scheu vor dem Sprechen zu verlieren. „Um das Selbstvertrauen der Kinder zu fördern, muss ein Atem- und Sprechtraining absolviert werden, damit sich die Jungen und Mädchen freier fühlen“, weiß Borrmann. „Ich lege außerdem ganz großen Wert auf die Gemeinschaft. Jeder hat jeden zu akzeptieren und jeder hilft jedem.“ Dank seiner langjährigen Erfahrungen habe er ein Gefühl dafür bekommen, welches Kind für welche Rolle geeignet sei. „Mitunter geschehen Wunder, da spielt ein Kind eine Rolle, die man ihm zwar vorsichtig angeboten hat, von der man allerdings weiß, dass sie eine echte Herausforderung sein wird. Und der junge Protagonist wächst über sich hinaus und ist am Ende stolz auf seine Leistung.“ Besser könne das Selbstvertrauen nicht aufgebaut und neue Freunde gewonnen werden, freut sich Borrmann

Wandgestalter

Natürlich sei das alles eine Frage der Zeit, kurze Phasen, in denen sich die Jungen und Mädchen dem Wintertheater widmen können.

Aber ein beständiges Team gebe es schon, sagt Borrmann stolz. „Das sind unsere fünf Jugendlichen im Alter von 16 bis 23 Jahren. Die Wandgestalter, so nennen wir die jungen Leute. Sie sind es, die uns bei den technischen Vorbereitungen helfen, ohne die heutzutage nichts mehr geht. Außerdem packen sie zu, wenn es um unsere transportablen, zum Teil selbst gebauten Bühnenbilder geht“, erzählt Hans-Walter Borrmann zufrieden und legt seine Urkunde nebst Medaille fein säuberlich auf die Seite.


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