Kein Anstieg der Fallzahlen Hitze macht Patienten und Boni-Mitarbeitern in Lingen zu schaffen

Von Wilfried Roggendorf

Über die Folgen der Hitze für Patienten und Mitarbeiter des Lingener Bonifatius-Hospitals informierten (von links) Johannes Hebbelmann (stellvertretende Pflegeleitung Zentrale Notaufnahme), Geschäftsführer Martin Diek, Pflegedirektor Ludwig Kerschbaum und Prof. Dr. Rainer Hoffmann (Chefarzt Kardiologie und Angiologie). Foto: Wilfried RoggendorfÜber die Folgen der Hitze für Patienten und Mitarbeiter des Lingener Bonifatius-Hospitals informierten (von links) Johannes Hebbelmann (stellvertretende Pflegeleitung Zentrale Notaufnahme), Geschäftsführer Martin Diek, Pflegedirektor Ludwig Kerschbaum und Prof. Dr. Rainer Hoffmann (Chefarzt Kardiologie und Angiologie). Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Unter der Hitze leiden auch die Patienten und Mitarbeiter des Lingener Bonifatius-Hospitals. Ein hitzebedingter Anstieg der Patientenzahlen ist jedoch nicht zu beobachten.

„Wir haben keine durchgehende Klimatisierung im Bonifatius-Hospital, auch wenn wir in besonderen Bereichen, beispielsweise der Intensivstation, Klimageräte aufgestellt haben“, erläutert Geschäftsführer Martin Diek. Somit hätten Patienten und Mitarbeiter mit der Hitze die gleichen Probleme wie der Rest der Bevölkerung auch.

Maßnahmen gegen die Hitze

Prof. Dr. Rainer Hoffmann, Chefarzt der Kardiologie und Angiologie, beschreibt, wie sich das Boni bemüht, die Temperaturen auf den Stationen niedrig zu halten: „Wir lüften morgens gut durch und schließen dann Fenster und Jalousien.“ Ventilatoren würden durch den Luftzug zumindest das subjektive Wohlbefinden steigern. „Dazu luftige Kleidung tragen und viel Trinken“, gehöre ebenfalls zu den Maßnahmen gegen die Hitze.

Großes Lob für die Mitarbeiter

Ein großes Lob spricht Pflegedirektor Ludwig Kerschbaum den Mitarbeitern des Bonis aus. „Sie leiden doppelt: mit sich selbst und den Patienten. Aber die Mitarbeiter halten durch“, sagt Kerschbaum. Es habe noch keine hitzebedingten Krankheitsausfälle gegeben. Ein großes Problem seien die Patientenzimmer, in denen aus medizinischen Gründen die Fenster nicht ganz geöffnet werden dürften. „Da können wir nur die Türen aufmachen und mit Ventilatoren für etwas kühlere Luft sorgen“, erklärt der Pflegedirektor. Er weist auf die auf allen Stationen vorhandenen automatischen Trinkwasseranlagen hin. „Da können sich Patienten und Mitarbeiter versorgen.“ Bettlägerigen Patienten würden Wasserflaschen gebracht.

Bilanzierungspläne zum Flüssigkeitshaushalt

In Einzelfällen wird der Flüssigkeitshaushalt von Patienten nach den Worten Hoffmanns auch mit Bilanzierungsplänen überwacht: „Darin protokollieren wir, wie viel der Patient trinkt und wie viel er ausscheidet.“ Bei Kollapspatienten werde zudem anfangs auch mit Infusionen Flüssigkeit zugeführt. Es bestehe sonst die Gefahr, dass andere Organe Schaden nehmen könnten.

Mehr Infusionen

Mehr Infusionen kommen derzeit auch in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) des Bonis zum Einsatz, wie der stellvertretende Pflegeleiter der ZNA, Johannes Hebbelmann, erklärt. „Aber die Anzahl der Patienten ist wegen der Hitze nicht signifikant gestiegen“, versichert Hebbelmann. Oberärztin Anna Amelunxen arbeitet ebenfalls in der ZNA. Sie ärgert sich über die vielen Patienten, die mit Insektenstichen dorthin kommen. „Wenn keine allergischen Reaktionen vorliegen, gehören Insektenstiche nicht hierhin“, erklärt Amelunxen. „Kühlen, gegebenenfalls ein Schmerzmittel und Ruhe“, rät die Oberärztin Betroffenen.

Medikamentendosis senken

„Die Hitze gefährdet besonders Menschen, die blutdrucksenkende Mittel einnehmen“, sagt Hoffmann. Bei den hohen Temperaturen weiten sich die Adern, was zu einem starken Abfall des Blutdruckes führe, begründet der Chefarzt dies. Wenn die Leute dann noch zu wenig trinken würden, könne es zum Kreislaufkollaps kommen. Hoffmann hat für Betroffene einen Rat: „Sie können gegebenenfalls, aber unbedingt nur in Absprache mit ihrem Hausarzt, die Dosierung der blutdrucksenkenden Medikamente reduzieren.“

Lage im Griff

Kerschbaum betont, dass das Boni „die Lage im Griff hat“, auch wenn die Hitze eine Auswirkung auf den Betrieb habe: „Eine nicht unbedingt sofort notwendige fünfstündige Operation setzt im Moment keiner an.“


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