Nahversorger fehlte über Monate So sieht es im neuen Markant-Markt in Holthausen-Biene aus

Von Julia Mausch

Marco Gerdes (rechts) ist der neue Betreiber des Markant-Marktes. Manuel Wintering gehört das Gebäude, in dem sich der Supermarkt befindet, und hat dort eine Bäckerei-Filale integriert. Foto: Julia MauschMarco Gerdes (rechts) ist der neue Betreiber des Markant-Marktes. Manuel Wintering gehört das Gebäude, in dem sich der Supermarkt befindet, und hat dort eine Bäckerei-Filale integriert. Foto: Julia Mausch

Lingen. Erst musste der Markant-Markt schließen, dann der benachbarte Raiffeisen-Markt. Plötzlich hatte Holthausen-Biene keinen Nahversorger mehr. Damit ist nun Schluss. Marco Gerdes ist der neue Betreiber des Markant-Marktes, der am 9. August eröffnen wird.

Über Monate stand nicht fest, wie es weiterging: 17 Jahre lang hatte die Bünting-Gruppe das Gebäude der Familie Wintering in Bienes Ortsmitte an den Einzelhändler Björn Dohle vermietet, der dort einen Markant-Markt betrieb. Doch seit März waren die Türen geschlossen, ein Nachfolger für Dohle, der das Geschäft nicht weiter betreiben wollte, fehlte. (Weiterlesen: Markant geschlossen: Wintering und Ortsrat sauer)

Neue Kassensysteme, neue Farbe

Ende Mai die Wende. Marco Gerdes, der bereits in Dörpen einen Markant-Markt betreibt, erklärte sich bereit, die rund 700 Quadratmeter große Fläche in Biene zu übernehmen. Die vergangenen drei Monate bestanden für den 42-Jährigen aus Pendelei. Zwei Geschäfte zu führen, die rund 50 Kilometer voneinander entfernt liegen – keine leichte Sache. Doch Gerdes steht auf Herausforderungen.

Bis kommende Woche sollen alle Regale eingeräumt und die letzten Aufräumarbeiten erledigt sein. Foto: Julia Mausch

Innerhalb von drei Monaten hat er neue Kassensysteme, Regale und Kühlanlagen angeschafft, denn der Markt war in die Jahre gekommen. Mithilfe von Handwerkern wurde der Markt umgestellt, die Regale stehen nur noch quer, „um die Übersichtlichkeit für die potenziellen Kunden zu gewährleisten“, sagt Gerdes.

Wer sich dann doch verirren sollte, braucht nur kurz an die Wand schauen. Dort stehen die Produktgruppen in überdimensionaler Schrift. Alternativ hilft es auch, kurzerhand die Mitarbeiter zu fragen.

25 Mitarbeiter im Markt

Laut Gerdes werden ab dem 9. August vorerst 15 Mitarbeiter beschäftigt, die für die Kunden sechs Tage die Woche von 7 bis 20 Uhr da sind. Sieben weitere kommen im September hinzu. Geplant ist künftig am Standort ein 25-köpfiges Team. Ein Großteil der Mitarbeiter war zuvor schon im Markant-Markt beschäftigt, als dieser noch von Björn Dohle betrieben wurde. Ein Großteil stammt aus Holthausen-Biene selbst, das war Gerdes von Anfang an wichtig. „Je regionaler wir aufgestellt sind, desto angenehmer ist es“, sagt er.

Innerhalb von drei Monaten hat Marco Gerdes neue Kassensysteme, Regale und Kühlanlagen angeschafft. Foto: Julia Mausch

Dass viele Markant-Arbeitnehmer aus Holthausen-Biene kommen, freut den Ortsrat. Jedoch noch mehr, dass es in dem Ortsteil wieder einen Nahversorger gibt, sagt Reinhold Diekamp, stellvertretender Ortsbürgermeister. Die insgesamt 3500 Bürger und vor allem Einzelhändler hätten in den vergangenen Monaten – auch durch Umsatzeinbußen – erfahren, welche Auswirkungen es hat, wenn der Haupttreffpunkt und somit das Laufpublikum fehle. „Ein Lebensmittelmarkt vor Ort ist ein wichtiger Faktor für Lebensqualität“, sagt Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone.

Bäckerei soll umgebaut werden

Dem kann Manuel Wintering wohl zustimmen. Der Inhaber der gleichnamigen Bäckerei hatte noch im vergangenen Jahr vor, die Bäckerei-Filiale – die ebenfalls in dem Gebäude des Markant-Marktes beheimatet ist – aufwendig zu modernisieren. Nachdem der Supermarkt geschlossen worden ist, lagen auch seine Umbaupläne auf Eis. 300.000 Euro in das Café zu investieren, machte seiner Aussage nach damals keinen Sinn, weil er seit der Schließung des Marktes in seinem Café im Ort Umsatzeinbußen von rund 30 Prozent verzeichnete. Nun kann es aber wieder bergauf gehen, die Umbaupläne konkretisieren sich derzeit immer weiter. 2019 soll der Umbau beginnen.

Kunden, die sich im Markt verirren sollten, brauchen nur kurz an die Wandschauen. Dort stehen die Produktgruppen in überdimensionaler Schrift. Foto: Julia Mausch

Eine Grundversorgung ist nun ab kommender Woche, 9. August, gegeben. Doch: Laut Dieter Krone ist es nun auch an den Bürgern gelegen, den Supermarkt langfristig vor Ort am Laufen zu halten. Diese Hoffnung hat auch Marco Gerdes: „Ich möchte den Markt zu einer Alternative zu anderen Nahversorgern machen – und nicht nur eine Notlösung, falls mal das Päckchen Zucker fehlt.“


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