Aus Gustav wurde Gusti Ganter für die Gans vom Lingener Mühlenbach gesucht

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Lingen. Lautes Geschnatter ist am Bootshaus der Lingener Rudergesellschaft (LRG) zu hören. „Gusti Gans“ verkündet lauthals, dass sie sich freut, seinen Versorger Jörg Iwersen zu sehen.

„Komm raus“, lockt der 55-Jährige den weißen Vogel von der inzwischen trockenen Wiese neben dem LRG-Gebäude. Gemächlich schiebt sich die Gans an der größten Stelle unter dem Metalltor durch. So hoch fliegen kann sie nicht. Dankbar schnappt sie nach dem Brot, das er ihr entgegenhält.

Unterstand von der LRG

„Gusti ist gerade in der Mauser. Deshalb ist sie zurzeit etwas eigenwillig“, berichtet Iwersen, der sich seit Herbst 2012 zunächst sporadisch, später dann regelmäßig um das Wohlergehen des weißen Vogels kümmert und zeigt auf zahlreiche Federn, die auf der Wiese neben dem Bootshaus liegen. Zunächst hatte er den Namen „Gustav Gans vom Mühlenbach“. „Doch eines Tages entdeckte ich einige Eier, die Gustav gelegt hatte“, erinnert sich Iwersen an einen Fund nahe des Mühlenbachs. „Nur dadurch wussten er und seine Freundin, dass es sich bei der Gans um ein Weibchen handelt.“ Und so wurde Gustav zur Gusti. So steht es auch auf dem Dach eines kleinen Unterstands auf dem Gelände der LRG, den Mitglieder der LRG extra gebaut haben.

Schon damals hatte der Vogel eine eigene Facebook-Seite, auf der regelmäßig etwas aus seiner Umgebung gepostet wurde. „Als es damit immer weniger wurde, habe ich eine neue Seite für ihn angelegt,“ berichtet Iwersen, während er Gusti wieder einige Stücken Brot zusteckt, die das Tier vorsichtig aus der Hand frisst.

Schon 30 Eier gelegt

„Auch in diesem Jahr hat sie schon 30 Eier gelegt“, berichtet Iwersen weiter. Doch da sie keinen Partner hat, seien die Eier nicht befruchtet und könnten nicht ausgebrütet werden. „Nach einigen Tagen muss ich die Eier immer wegwerfen“, bedauert Iwersen, der sich wünschen würde, dass Gusti einen Partner bekäme. Sie sei zwar nicht wirklich einsam am Ufer des Kanals, weil sich dort viele andere Vögel aufhalten. Doch Gänse bilden nur eine Unterfamilie der Entenvögel und die beiden Arten sind untereinander nicht fruchtbar. Im vergangenen Jahr hatte Gusti insgesamt sogar 64 Eier gelegt, so viele wie nie zuvor. Auch diese mussten allesamt entsorgt werden.

Hoffen auf Tipps

Iwersen hatte schon Kontakt zu Besitzern anderer Gänse aufgenommen, um Gusti auch einmal „Mutterfreuden“ bescheren zu können. Doch aus den unterschiedlichsten Gründen hat das nie geklappt. „Falls jemand eine Idee hat, wie Gusti mit einem Ganter zusammenzubringen ist, würde ich mich total freuen“, hofft Iwersen auf hilfreiche Tipps, die man ihm am besten auf der Facebook-Seite übermitteln kann.

Weihnachtsgans?

Insgesamt hat Iwersen den Eindruck, dass viele Menschen, die sich nahe der Meckerbrücke am Kanal aufhalten, Gusti kennen und mögen. Nur manchmal ärgert sich der Ingenieur, wenn Passanten Chips, Schokolade oder gar Steine auf das Gelände werfen.

Einige kommen sogar extra, um sie zu besuchen. So auch Petra Burger, die sich insbesondere in der Anfangszeit viel um sie gekümmert hat, als Gusti sich noch mehr am Mühlenbach in der Nähe des Alten Friedhofs aufhielt, wo die Gärtnerin damals gearbeitet hatte. Sie und Iwersen schätzen das Alter der Gans auf etwa sieben bis acht Jahre. „Die sollte damals bestimmt mal eine Weihnachtsgans werden und ist ausgebüxt“, vermutet Iwersen.


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