Fabelhaftes Matinee-Konzert Stegmann-Zwillinge publikumsnah im Lingener Kulturforum

Von Peter Löning

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Lingen. Mit einem fabelhaften Matinee-Konzert meldete sich am vergangenen Sonntag das „Zwillingsduo Stegmann“ auf der Bühne zurück. Endlich, mag da der eine oder andere begeisterte Hörer in dem voll besetzten Kulturforum St.-Michael gedacht haben, denn es war in der letzten Zeit still gewesen um die beiden vorzüglichen Pianistinnen aus Lingen.

Karolin Stegmann und Friederike Gebhardt schlugen seiner Zeit eine Lehramtsausbildung ein – eine wohl weise Entscheidung angesichts des immer härter werdenden Musikgeschäfts – und diese beendeten sie jetzt mit dem Abschluss ihres Referendariats. Nun sind sie also fertig, was ihnen den Freiraum gibt, sich wieder dem Konzertieren zu widmen. Die Matinee in Lingen war dabei der Auftakt einer Reihe von Konzerten in der nächsten Zeit.

Leichthändiges zu Beginn

Das Programm der so vollendet verschmolzen musizierenden Zwillingsschwestern bot vergleichsweise Leichthändiges zu Beginn mit kleinen klangvollen und amüsanten Walzern aus Op. 39 von Johannes Brahms, wie am Ende mit einem beschwingt tanzendem „Libertango“ aus der Feder Astor Piazzollas in einer ebenso interessanten wie fantasievollen Bearbeitung von Pablo Ziegler.

Hoch anspruchsvolles Programm

Im Kern aber präsentierten die Musikerinnen ein nicht nur spieltechnisch hoch anspruchsvolles Programm, auch den Hörern wurde durchaus einiges abverlangt. Claude Debussy ergreifend innigem „Prélude“ aus seiner frühen Kantate „L’Enfant Prodigue“ aus 1884 stellten die beiden ein absolutes Spätwerk des Komponisten gegenüber. „En blanc et noir“ schrieb Debussy im Gedenken an seinen Freund Jacques Charlot, der im Ersten Weltkrieg ums Leben kam. Schmerz und Trauer sind hier zu hören, auch die Kälte und das Grauen des Krieges schwingt bedrückend eindrücklich mit. „Das Scherzando wird Sie am Ende ein wenig ratlos zurücklassen“ bekennen die beiden jungen Frauen in ihrer sympathischen wie hilfreichen Moderation. Es ist dies ein großartiges Werk in exzellenter Interpretation.

Strahlendes Meisterwerk

Vom ersten ging es direkt weiter in den Zweiten Weltkrieg, als Witold Lutosławski, zwangsläufig als Musiker in Warschauer Cafés tätig, 1941 mit den „Variationen über ein Thema von Paganini“ ein epochales Werk schuf, das in hoch virtuoser Manier sein Thema hier inniglich umspinnt, da wiederum zerlegt, zerreißt und bis nahe zur Unkenntlichkeit verändert. Ein strahlendes Meisterwerk, das immer auch ein Quantum Verzweiflung mitschwingen lässt.

Mehrere Zugaben

„Eines unserer absoluten Lieblingsstücke“, bekennen die Künstlerinnen, sei Sergei Rachmaninows erste Suite op. 5 aus 1893. In maßlos fesselnder Bildhaftigkeit ging es durch die vier Sätze, die die Zwillinge erst ganz am Ende ihres Studiums erarbeiten durften. Traumhafte Melodien und bewegender musikalischer Ausdruck lassen hier größten Genuss verspüren. Bravo!

Ein herrliches Konzert des Klavierduos Stegmann, das mehr als eine Zugabe brauchte.


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