Ausstellung im Emslandmuseum „Kunst vom Speicher“ – Bilder als Dokumente der Geschichte

Von Johannes Franke


Lingen. Die Sonderausstellung „Kunst vom Speicher“ zum Thema „Bilder als Dokumente der Geschichte“ ist im Emslandmuseum Lingen eröffnet worden. Die Sammlung präsentiert verschiedene Werke emsländischer Künstler aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Auf ganz unterschiedliche Weise haben sich Maler und Grafiker mit dem Wandel von Natur und Landschaft, Städten und Dörfern im Emsland auseinandergesetzt haben. Neben bekannten Künstlern aus der Region wurden am Sonntag auch bislang weitgehend unbekannte Kunstschaffende vorgestellt.

Willi Brundiers, Erster Vorsitzender des Emslandmuseums, betonte dabei den „beachtlichen künstlerischen Rang sowie den hohen dokumentarischen Wert.“ Die Kunst aus dem Museumsdepot werde somit zum Zeitzeugen der rasanten Entwicklung in Lingen und dem Emsland in den letzten Jahrzehnten.

Hinwendung zu Natur und Landschaft

Großflächige Landschaftsgemälde des Frerener Malers August Flinker hängen im Museum. Vor allem die Waldlandschaften spiegeln eine starke Hinwendung zur Natur und Landschaft im Zeitalter der Hochindustrialisierung und bilden als romantische Verklärung eine „Art Gegenbild zur industriellen Lebenswelt.“

Trude Rosner-Kasowski kam 1945 als Flüchtling ins Emsland, sah die Landschaft mir ihren Augen. „Ihre düsteren Moorlandschaften zeigen die depressive Stimmung vieler Ostdeutscher im unwirklichen Land Muffrika“, so Brundiers. Auch die Grafikerin Helga Baltabol entdeckte hier völlig neue Motive wie die flachen Emslandschaften. Lokalgeschichte spiegeln ihre Aquarelle vom Lingener Viehmarkt wider.

Lokale Ereignisse

Weitere „Flüchtlingskünstler“ waren Otto Reer und Georg Friedemann. Sie nahmen im Unterschied zu Einheimischen Dinge wahr, „die manchmal gar nicht so gesehen oder geschätzt wurden“, wie malerische Bauernkaten und Heidedörfer, versteckte Gassen und Winkel in der Lingener Innenstadt. Die Landschaftsbilder von Karl-Eberhard Neuhaus beruhen auf Luftbildern, die er künstlerisch ausgestaltete. Expressionistisch verfremdete, leuchtend farbige Bilder, Landschaften und Städteansichten des Thuiner Mediziners Gerhard Frischen hängen heute in zahlreichen Wohnungen.

„Wimmelbilder“

Beim Rundgang zur Eröffnung gingen Brundiers und Museumsleiter Andreas Eyinck besonders auf den Lingener Kunsthandwerker- und Pädagogen Ferdi Pawlowski und seine Werke ein. Die Bildserien „Mit dem Auto durch das Emsland“, „Wimmelbilder“ sowie Impressionen zur Serie „Hier entsteht ein Atomkraftwerk“, spiegeln realistisch und dokumentarisch Zeitgeschichte wider. Für die Leihgaben bedankten sich die beiden Herren bei Hilde Pawlowski und den zwei Töchtern.


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