ACE-Verkehrszählung in Lingen „Blickkontakt ist besonders wichtig im Straßenverkehr“

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Lingen. Rund die Hälfte der Autofahrer vergessen beim Abbiegen den Schulterblick und ein gutes Drittel der Radfahrer nutzt den Fußgängerüberweg. Dies ist das Ergebnis einer einstündigen Verkehrszählung vom Auto Club Europa (ACE) an der Kreuzung Josef- und Lengericher Straße in Lingen.

Für ein besseres Miteinander von Rad- und Autofahrern im Straßenverkehr setzt sich der ACE in der diesjährigen bundesweiten Verkehrssicherheitsaktion unter dem Motto „Fahr mit Herz“ ein. Wie der Vorsitzende des ACE-Kreises Osnabrück-Emsland, Werner Brink, und sein Stellvertreter Andreas Kröger in einem Gespräch mit unserer Redaktion erklärten, wurden an einem Wochentag an der Kreuzung der Josef- und der Lengericher Straße Zählungen durchgeführt und Verhaltensauffälligkeiten sowohl von Rad- als auch von Autofahrern statistisch erfasst.

Mehr Unfälle zwischen Zweirad- und Autofahrern

Hintergrund sind laut einer Mitteilung des ACE die „bundesweit steigenden Unfallzahlen in Bezug auf Kollisionen zwischen Zweirad- und Autofahrern“. So sind laut dem ACE 2016 insgesamt gut 81.000 und damit vier Prozent mehr Radfahrer als im Jahr zuvor verunglückt, 393 Radfahrer starben dabei (plus 2,6 Prozent). Die Ursachen für die Rad-Unfälle gingen laut dem ACE zumeist auf die Nutzung der falschen Straßenseite, Vorfahrtsmissachtungen, Abbiegefehler, Alkoholgenuss und nicht angepasste Geschwindigkeit zurück.

Denken Pkw-Fahrer an den Schulterblick, wird geblinkt, während der Fahrt ein Smartphone benutzt, bei Rotlicht gefahren oder die Vorfahrt missachtet? Und geben Rad- und Pedelecfahrer bei Richtungswechseln Handzeichen, nutzen sie Fußgängerüberwege oder während der Fahrt ein Smartphone und wie viele Radler tragen einen Helm? Dies waren Dinge, auf die daher die beiden ACE-Vertreter während ihres Einsatzes besonders geachtet haben.

Autofahrer oft ohne Schulterblick

In einer Stunde zählten sie an einem Junimorgen an dieser Stelle 81 Rad- und 74 abbiegende Autofahrer. 35 der 74 Autofahrer setzten laut ihrer Auswertung beim Abbiegen allerdings keinen Schulterblick ein, zwei blinkten auch nicht und ein Fahrer missachtete die Vorfahrt. Über eine rote Ampel fuhr aber niemand und auch mit einem Smartphone beschäftigte sich keiner der Autofahrer.

Der Schulterblick ist nach Aussage des ACE-Kreisvorsitzenden Brink aber für ein möglichst unfallfreies Fahren „gerade besonders wichtig.“ Blickkontakt zu suchen könne viele Unfälle vermeiden, ergänzte sein Stellvertreter Kröger bei einem Ortstermin.

73 Prozent der Radfahrer ohne Helm

Und bei den Radfahrern? „52 der von uns gezählten 81 Radfahrer waren ohne Fehler unterwegs. 30 nutzten allerdings den Fußgängerüberweg, 26 zeigten ihre Richtungsänderung nicht an und zwei Radler beschäftigten sich mit ihrem Smartphone“, erklärte Brink. Zudem waren 61 der 81 Radler ohne Helm unterwegs. Die Straße statt des Radwegs nutzte hingegen keiner der Radfahrer und bei Rot überquerte auch niemand die Straße.

In den Vorjahren hatte der ACE das Augenmerk schon auf Gurtmuffel und durch Handys oder Kopfhörer abgelenkte Radfahrer gelegt. Die diesjährige ACE-Verkehrssicherheitsaktion wird noch bis Ende der Sommerferien fortgeführt. „Anschließend wird eine bundesweite Auswertung vorgelegt“, erklärte Brink, der Ende des Jahres nach zwölfjähriger Tätigkeit sein Amt als ACE-Kreisvorsitzender aufgeben wird. Am 17. Oktober soll auf der turnusmäßigen Mitgliederversammlung in Nordhorn sein Nachfolger gewählt werden.


Der Auto Club Europa (ACE) gehört mit rund 630.000 Mitgliedern neben dem Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC; 20,18 Millionen Mitglieder) und dem Automobilclub von Deutschland (AvD) mit rund 200000 Mitgliedern zu den größten Automobilclubs in Deutschland.

Der Club wurde 1965 von Gewerkschaften gegründet. Die Öffnung des Vereins für Personen ohne gewerkschaftliche Bindung erfolgte 1995, die Anzahl der versicherten Personen stieg daraufhin auf heute rund 1,3 Millionen.

Der Club gliedert sich in sechs Regionalverbände und etwa 113 Kreisclubs. Dazu gibt es ein bundesweites Netz an Vertrauensanwälten und rund 1000 Partnerfirmen, bei denen Mitglieder Leistungen sowie Pannen- und Unfallhilfe erhalten können. Koordiniert werden die Einsätze von einer eigenen Notrufzentrale in Stuttgart.

Einmal im Jahr organisiert der ACE zudem eine bundesweite Verkehrssicherheitskampagne.

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