Viele Korrosionsschäden Handlungsbedarf an B-70-Brücke in Lingen-Holthausen

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Lingen. Der jüngsten Analyse der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) zufolge befinden sich die Brücken an Autobahnen und Bundesstraßen im Emsland in einem überwiegend guten Zustand. Mit der Note 3,3 – „nicht ausreichend“ – ist allerdings die Brücke über dem Dortmund-Ems-Kanal in Holthausen-Biene bewertet worden. Es herrscht Handlungsbedarf.

Andre Feldschnieders zeigt auf eine rostige Stelle. Die Witterung hat in den vergangenen 40 Jahren ihre Spuren an der rund 80 Meter langen Stahlbrücke an der B70 hinterlassen. Neben mangelhaften Schweißnähten sind es vor allem Korrosionsschäden, die sich an der Brücke über dem Dortmund-Ems-Kanal finden. Mit einer Bewertung von 3,3 ist sie, neben der ehemaligen Hasebrücke in Haselünne, an deren Stelle nun ein Neubau in Betrieb genommen wurde, die Brücke mit den meisten Mängeln im Emsland. In Deutschland werden Brücken alle drei Jahre auf Mängel und ihre Standsicherheit überprüft. Sie werden mithilfe eines Notensystems bewertet. Die Bewertungen reichen von 1,0 (sehr gut) bis 4,0 (ungenügend).

„Rechnet man alle Schäden zusammen, ergibt sich für die Brücke eine Restnutzungsdauer von 20 Jahren“, erklärt der Ingenieur, der bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Lingen für Brücken zuständig ist.

Andre Feldschnieders ist Ingenieur und Leiter für den Bereich Brücken bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Lingen. Er sieht Handlungsbedarf an der B-70-Brücke in Holthausen-Biene. Foto: Jessica Lehbrink

Falsche Prognose

Die B-70-Brücke wird seinen Worten zufolge in den nächsten Jahren immer stärker beansprucht. Die Erklärung: Sie stammt aus dem Jahr 1979 und ist zusammen mit der Bundesstraße erbaut worden. Der Standard entspricht allerdings noch dem Jahr 1952. „Damals ist eine Prognose erstellt worden, wie stark die Brücke befahren werden würde. Diese Prognose war allerdings falsch“, sagt Feldschnieders. Rund 9000 Kraftfahrzeuge – davon 1000 Fahrzeuge des Schwerverkehrs – passieren täglich die Kanalüberführung. „Es ist das Zehnfache an Verkehr im Vergleich zu 1952“, hebt der Ingenieur hervor.

Mitspracherecht der Bürger

Auch wenn die Brücke – ohne Bedenken – noch 20 weitere Jahre befahren werden könnte, sieht Feldschnieders Handlungsbedarf. Vor allem die Lager und Übergangskonstruktion, also die Stelle, die Straße und Brücke miteinander verbindet, weist deutliche Spuren der Korrosion auf. Zur Zeit wird Feldschnieders Aussage zufolge darüber beraten und untersucht, „ob sich die Instandhaltung lohnt oder eine neue Brücke gebaut wird“.

Sollte es zu einem Neubau kommen, gebe es verschiedene Varianten. Beispielsweise könne die Brücke auch versetzt werden. Dies hängt laut Feldschnieders damit zusammen, dass in Deutschland seitens der Bürger ein Mitspracherecht herrscht. Gemeint sind damit Anwohner und, im Falle der Lingener Kanalbrücke, das Wasserschifffahrtsamt sowie das Unternehmen BP. „Bei einem Neubau gehen die Planungen also in alle Richtungen.“ Was folge, sei ein Planfeststellungsverfahren.

Längere Nutzungsdauer bei neuer Brücke

Eine neue Brücke mit heutigen Standards hätte eine Nutzungsdauer von 80 bis 100 Jahren, meint der Experte. Über welchen Zeitraum sich solch eine Planung ziehen würde und wann mit dem Bau einer neuen Brücke begonnen werden könnte, kann Feldschnieders derzeit nicht sagen. Bei einer Sanierung sei eine Sperrung über einen Zeitraum von vier Monaten denkbar. Doch auch dies sei nur geschätzt.


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