Sextett bietet gesangliche Vielfalt Musik ist für Auftakt aus Handrup ein Geschenk

Von Peter Löning

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Frack und Zylinder gehören inzwischen zum Markenzeichen der Gruppe Auftakt. Foto: Peter LöningFrack und Zylinder gehören inzwischen zum Markenzeichen der Gruppe Auftakt. Foto: Peter Löning

Handrup. Es begann gleich musikalisch bei dem Treffen im Gymnasium Leoninum in Handrup mit dem dort ansässigen Vokalensemble Auftakt. Auf dem Flur begegneten die sechs Herren nämlich einem Kollegen, der Geburtstag hatte und natürlich wurde für ihn sofort ein Ständchen gesungen – ausgefeilt und mehrstimmig versteht sich.

Danach ging es durch ehrwürdig dunkle Flure, verziert mit Ablichtungen vergangener Abiturjahrgänge, in das Büro des Schulleiters, wo in angenehmer Runde einige Hintergründe zu „Auftakt“ zu erfahren waren.

„Alles begann 2007, als Franz-Josef Hanneken hier seine Stelle als Schulleiter antrat“, eröffnet Johannes Leifeld, laut ihrer Web-Site der „Stürmer und Dränger“ sowie Bassist der Gruppe. Hannekens Ansinnen sei es ursprünglich gewesen, sich dem gregorianischen Choral zu widmen. Der prägte dann auch die erste Zeit des neu entstandenen Chores, wechselnd besetzt zunächst mit Kollegen, Eltern und zeitweise auch Schülern und einem Ordensbruder. Die heutige Besetzung besteht seit etwa drei Jahren, als Falk Schönefeld als „Benjamin-Bass“ zur Gruppe stieß.

Auch populäre Musik

Bald kam die Idee auf, das Repertoire um mehrstimmigen, zunächst wiederum geistlichen Gesang zu erweitern. Ab da sei es kein weiter Weg gewesen, sich auch der weltlichen und der populären Musik zu öffnen.

Mit ihrem Programm „Von Rosen, Tulpen und Narzissen“ gab es 2011 das erste offizielle Konzert. Eines der Lieder war den Comedian Harmonists entlehnt, wie auch die Kleiderordnung: Frack und Zylinder. Sie sind längst ein Markenzeichen für Auftakt. Mehr noch lässt die Besetzung mit sechs Männerstimmen plus Klavier die Parallelen nicht übersehen. Zudem ziert ein kleiner, grüner Kaktus das Tasteninstrument. „Dieses bekannte Lied der Comedian Harmonists war immer schon unsere Erkennungsmelodie.“

Zweigleisig fahren

Neben den Comedian Harmonists findet man auch Lieder von Johannes Brahms oder Reinhard May, von Wise Guys und Elvis. Nach wie vor aber singen die sechs bei verschiedenen Andachten und Gottesdiensten. Sie fahren bewusst zweigleisig.

Spannend klingt die Vorgehensweise des Sextetts beim Entstehungsprozess ihrer Konzertprogramme, der damit beginnt, dass jeder aus der Runde vorträgt, was ihn momentan bewegt. Mit demokratischem Anspruch beginnen die Herren dann, ihr neues Thema zu entwickeln. Da treffen dann Operettenmelodien auf deutsche Schlager oder Evergreens. „Jeder hat so seins. Und wo jeder etwas beiträgt, gibt es so manche Entdeckung“, stellt Franz-Josef Hanneken der ‚tenorös-melodiöse Schulleiter‘ fest. Reichlich mit Texten und auch Bildern gespickt, sowie mit großartiger, eigenwilliger Moderation verkittet, entsteht so ein schlüssiges Ganzes.

Rollenverteilung

„Ich genieße es, vorher alles Mögliche nachzulesen, auch wenn es vielleicht später keine Rolle mehr spielt“, erklärt Hanneken seinen Weg zur Moderation. Er nennt es schmunzelnd „Inkubationszeit“. Der größte Teil der Lieder wird von Benno Huer (Meister des guten Tons“) speziell für das Sextett so arrangiert, dass es sowohl stimmlich als auch in der gewünschten Rollenverteilung passt und dass es vor allem gut klingt.

In der Gruppe herrscht große Offenheit und Akzeptanz“, betont Hanneken, „Wir nehmen uns in dieser Runde aber auch nicht zu ernst“, weiß Antonius Kuiter, Bariton, Landwirt und einer der Gründungsmitglieder des Ensembles zu sagen. Man treffe sich auch außerhalb der Proben auf freundschaftlicher Basis.

Timing ist wichtig

Aufgrund ihrer gesammelten Erfahrungen zeichnet eine gewisse Entwicklung ihren Weg: Das Timing ist ihnen wichtig, Abläufe und Übergänge, genauso wie eine gute Mischung aus Texten zwischen den Stücken. Sketche sind immer dabei, auch ein bisschen Klamauk. Mit einer gut abgestimmten Mischung aus Lied, Text, Sketch und Bühnenbild und der alles verbindenden Moderation erreichen die Vokalisten ein breit gefächertes Publikum. Dieses Format habe sich bewährt, wobei das Entwickeln der Sketche oft der schwierigste Teil der Arbeit sei. „Von vielleicht zehn Ideen bleibt manchmal nur eine übrig“, bemerkt Claudius Reinke, der gerade im aktuellen Programm eine wunderbare ‚Nicole‘ verkörpert hat mit „Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund“. „Ein Sketch muss lustig sein, aber auch zu uns passen.“

Verwandlungsprozess

In dem Gespräch unterstrichen die Sänger einen großen Dank an ihren langjährigen technischen Begleiter, Matthias Escher, ein ehemaliger Schüler, der stets mit an Bord ist und bei den Auftritten oft das Unmögliche möglich macht. Und was hat es ansonsten mit dem Frack und dem Zylinder noch auf sich? Die Sänger empfinden das Hineinschlüpfen in dieses elegante Outfit vor Konzerten als einen Verwandlungsprozess, der auf der Bühne behilflich sei, beispielsweise etwaiges Lampenfieber zu bekämpfen. „Das ist ein Ritual, es gehört einfach dazu, “ gestehen die Sänger.

Erlös spenden

„Musik ist Geschenk“, verkündet die Internetseite ‚auftakt-handrup.de‘ und weiter: „Zum Glück müssen wir keinen finanziellen Gewinn erzielen.“ So spendet das Ensemble den Erlös aus seinen Konzerten regelmäßig an verschiedene Projekte mit „bezug zum Aufführungsort und zu den Leuten dort“. Für die Zukunft kann es für die Herren gerne so weitergehen, das wünschen sie sich. Und das Publikum darf sich schon jetzt auf die nächsten Auftritte freuen.


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