Gegen Wildtierhaltung Peta demonstriert in Lingen vor dem Circus Krone

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Lingen. Über 50 Menschen haben am Samstag, 14. Juli 2018, vor und nach den Vorstellungen des Circus Krone in Lingen gegen das Mitführen und Dressieren von Wildtieren in dem Unternehmen demonstriert.

Was Tierschutz und Tierrechte betrifft, gehen die Meinungen von Frank Keller, Tierschutzbeauftragter des Circus Krone, und Jennifer Simon, Leiterin des „Peta Zwei Streetteams“ aus Münster, weit auseinander. Dies wurde am Samstag in Gesprächen unserer Redaktion mit beiden deutlich.

Strenge gesetzliche Regelungen

„Es gibt kein anderes Land, in dem die Haltung von Tieren im Zirkus gesetzlich so streng geregelt ist wie in Deutschland“, sagt Keller. Er verweist nicht nur auf die erfahrenen Tierlehrer und drei zirkuseigenen Tierärzte, sondern vor allem auf die Veterinärbehörden. (Weiterlesen: Gelungene Premiere des Circus Krone in Lingen)

Veterinäre des Landkreises Emsland haben nichts zu beanstanden

„Wir sind der meist kontrollierte Tierhalter der Welt“, versichert Keller. Jede Woche fänden an jedem neuen Gastspielort Kontrollen durch die Behörden statt, die genauestens im Zirkuszentralregister dokumentiert würden. „Darauf haben alle Veterinärämter Zugriff“, erklärt Keller. Auch das emsländische Veterinäramt hat sich bei Krone umgesehen: „Der Zirkus Krone wurde gestern von den Amtstierärzten des Landkreises Emsland kontrolliert. Es gab keine Beanstandungen. Der am Vorfall in Osnabrück beteiligte Elefant wird wegen einer akuten Blessur nicht auftreten können – hier hat der Zirkus eine tierärztliche Behandlung veranlasst“, hat der Landkreis am Freitag auf Nachfrage unserer Redaktion mitgeteilt. (Weiterlesen: Ungeklärte Rangordnung Ursache für Elefantensturz in Osnabrück?)

Zirkus weist Vorwürfe zurück

Vorwürfe von Tierrechtlern, die Tiere des Circus Krone wiesen Verhaltensstörungen auf, würden in zu kleinen Stallungen und Gehegen gehalten und viele Stunden eingepfercht oder angebunden, weist Keller zurück. „Zwei unserer Löwen sind mit 17 und 20 Jahren deutlich älter, als sie es in freier Wildbahn würden“, sagt Keller. Dies und der Umstand, dass die Tiere sich fortpflanzen würden, bewiesen, dass es ihnen gut gehe. Die Raubkatzen des Zirkus lebten in der 16. bis 21. Generation in menschlicher Obhut. (Weiterlesen: Circus Krone gastiert in Lingen – Demos angekündigt)

Krone übertrifft gesetzliche Anforderungen

Die Boxen in den Pferdestallungen seien doppelt so groß wie gesetzlich vorgeschrieben. Und die Elefanten des Unternehmens würden lediglich während der Fütterung – sonst komme es zu Futterneid – und dem Waschen vor den Vorstellungen mit Bändern angebunden. Auch der Behauptung, Nashornbulle Tsavo und die Elefanten könnten sich nicht suhlen, widerspricht Keller. „In ihren Gehegen gibt es große Sandhaufen, die mehrmals täglich so angefeuchtet werden, dass die Tiere sich dort suhlen können“, sagt der Tierschutzbeauftragte des Circus Krone.

Anonyme Drohungen gegen Circus Krone

Für Keller gibt es einen großen Unterschied zwischen Tierschutz und Tierrecht: „Tierrechtler sind gegen die Haltung von Tieren allgemein. Wir sind, auch mit unseren Zuchtprogrammen, die größten Tierschützer.“ Keller stört sich an den überwiegend anonymen Schreiben die der Zirkus erhalte: „Darin wird beispielsweise angedroht, den Zirkus anzuzünden oder gefordert, die Mitarbeiter zu vergasen.“ Nach dem Vorfall in Osnabrück, bei dem Elefantenkuh Mala von einer Artgenossin gerempelt wurde und in den Zuschauerbereich gestürzt war, habe Krone ein Schreiben mit dem Inhalt erhalten, es wäre besser gewesen, die Elefantenkuh wäre auf Zirkusdirektorin Jana Mandana Lacey-Krone gestürzt. „Dann könnte man ihr Gehirn in eine Konservendose stecken und die nach Tschernobyl schicken.“ Solche Aussagen würden nicht nur ihm, sondern allen Mitarbeitern des Circus Krone unter die Haut gehen.

Plakate zerstören und Publikum bedrohen geht zu weit

Keller findet es in Ordnung, wenn Peta demonstriert. „Aber Plakate zu zerstören und unser Publikum zu bedrohen, geht zu weit.“ Dies seien Straftaten, sagt Keller. In diesem Punkt ist er sich mit Jennifer Simon sogar einig. „Wir wollen aufklären, nicht Zirkusbesucher oder Mitarbeiter beleidigen oder diskriminieren“, versichert die Peta-Unterstützerin. Sie würde niemanden etwas Schlimmes wünschen. „Von so etwas wie dem Brief an die Zirkusdirektorin distanzieren wir uns.“

Friedliche Demonstration

„Unser Ziel ist eine friedliche Demonstration“, erklärt Simon und stellt dies auch unter Beweis: Als kurz nacheinander zwei Zirkusbesucher die Demonstranten verbal attackieren, greift Simon ein, fordert ihre Mitstreiter auf, sich nicht provozieren zu lassen, und weist die Zirkusbesucher ruhig auf die Demonstrationsfreiheit für die bei der Stadt Lingen angemeldete Veranstaltung vor der Emslandarena hin.

Demonstrantin: Artgerechte Haltung in reisendem Betrieb nicht möglich

Eine Sprecherin der Demonstranten erklärt per Megafon, bei Krone würden die Elefanten bis zu 20 Stunden am Tag angebunden. Die Dickhäuter, die Raubkatzen und die Pferde wiesen Verhaltensstörungen auf und die artgerechte Haltung dieser Tiere sei in einem reisenden Betrieb nicht möglich.

Simon: Tierrecht und Tierschutz gehen Hand in Hand

Für Simon gehen Tierrecht und Tierschutz Hand in Hand: „Wer Tiere schützen will, muss für ihre Rechte eintreten.“ Die 25-Jährige möchte auch nicht, dass jede Art der Tierhaltung abgeschafft wird. Die Jurastudentin ist Reiterin und besitzt ein eigenes Pferd. „Ich bezahle viel Geld dafür, dass mein Pferd in einem Aktivstall in einer riesigen Anlage mit Artgenossen so artgerecht wie möglich gehalten wird“, erklärt sie.

Weitere Demo am Sonntag geplant

Simon verweist auf den Cirque du Soleil oder den Circus Flic Flac, die Tiershows aus ihrem Programm gestrichen hätten. Dies wünscht sie sich auch vom Circus Krone. Und darum werden Simon und ihre Mitstreiter auch am Sonntag von 13.15 bis 18.30 Uhr in Lingen an der Emslandarena demonstrieren.


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