Zurückgetretene nehmen Stellung Mitarbeit bei SPD Lingen nur ohne Vorsitzenden Kröger

Von Mike Röser

Zum Bruch gekommen ist es innerhalb des Vorstandes des Lingener SPD-Ortsvereins: Jürgen Barenkamp ist mit drei anderen Vorständlern zurückgetreten. Sie wollen nicht mehr unter Andreas Kröger mitarbeiten. Foto: Thomas Pertz / Montage: WittwerZum Bruch gekommen ist es innerhalb des Vorstandes des Lingener SPD-Ortsvereins: Jürgen Barenkamp ist mit drei anderen Vorständlern zurückgetreten. Sie wollen nicht mehr unter Andreas Kröger mitarbeiten. Foto: Thomas Pertz / Montage: Wittwer

mir Lingen. Es rumort weiter im Ortsverein Lingen der SPD. Nachdem Vorsitzender Andreas Kröger am 11. Juli 2018 die Rücktritte von vier Vorstandsmitgliedern nach wenigen Monaten öffentlich gemacht hat, melden sich diese nun zu Wort: Sie bleiben Parteimitglieder, wollen auch weiterhin mitarbeiten – allerdings nicht unter dem Vorsitzenden Kröger.

Zurückgetreten waren der 2. Vorsitzende Jürgen Barenkamp, Kassierer Karl-Heinrich Hengevoß sowie die Beisitzer Siegfried Gebbeken und Silvia Köttering. Diese vier nahmen nun gegenüber unserer Redaktion schriftlich Stellung zu ihren Rücktritten und zu den Aussagen von Kröger.

Verkleinerung des Vorstands abgelehnt

Die Zurückgetretenen legen in ihrer Stellungnahme Wert darauf, dass es sich bei der Mitgliederversammlung am 28. Juni in der Gaststätte Klaas-Schaper nicht um eine außerordentliche, sondern um eine ordentliche Mitgliederversammlung gehandelt habe, wie sie zweimal im Jahr stattfinden müsse. In dieser sei der 1. Vorsitzende, Kröger, aus der Versammlung heraus aufgefordert worden – „aufgrund der derzeitigen besonderen Umstände und Ereignisse im Ortsverein“ – spätestens Anfang Oktober 2018 in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die noch vakanten Vorstandsposten zu besetzen. Der Vorschlag Krögers, den bislang aus neun Mitgliedern bestehenden Vorstand zu verkleinern, sei bereits in der mitgliederoffenen Vorstandssitzung am 5. Juni von den noch verbleibenden Vorstandsmitgliedern Christina Thiele, Niels Schockemöhle und Pascal Mounchid abgelehnt worden, heißt es in der Stellungnahme der Zurückgetretenen.

Unterschiedliche Auffassungen von Partei- und Vorstandsarbeit

Nachdem sich schon aus dem vorherigen Vorstand gleich sieben von neun Mitglieder nicht mehr zur Wahl stellen wollten, habe der SPD-Ortsvereinsvorstand ab Februar aus den bisherigen Mitgliedern Kröger und Thiele (Schriftführerin) bestanden, sowie aus sieben Neulingen. Letztere seien fest entschlossen gewesen, eine ordentliche Parteiarbeit zu leisten. Doch, so wörtlich: „Leider musste auch in diesem neuen Vorstand aufgrund sehr unterschiedlicher Auffassungen von Partei- und Vorstandsarbeit, beziehungsweise Vorstandsführung, schon nach vier Monaten nach neuen Vorstandsmitgliedern gesucht werden.“ Alle freiwillig Ausgeschiedenen hätten ihren Rücktritt „schriftlich mit eindeutigen und unzweifelhaften Stellungnahmen“ begründet. Öffentlich machen wollen die Zurückgetretenen diese jedoch nicht: „Die vielen Gründe für diese sehr unglücklichen Umstände sollten dringend und vorrangig parteiintern geklärt werden.“

Kassierer will nur bis April im Amt bleiben

Darüber hinaus hat der jüngst neu gewählte Kassierer, der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Bernhard Bendick, laut Stellungnahme der Zurückgetretenen bereits bei seiner Wahl angekündigt, dass er dieses Amt nur bis April 2019 ausüben werde. Das bedeute, es müsse neben den im Oktober neu zu besetzenden Posten des stellvertretenden Vorsitzenden und zweier Beisitzer auch noch ein neuer Kassierer im ersten Halbjahr 2019 gefunden werden.

Kröger wird inaktives Verhalten vorgeworfen

Auch wenn die Zurückgetretenen die Probleme parteiintern gelöst wissen wollen, benennen sie in ihrer Stellungnahme eindeutig, woher ein Teil ihres Grolls rührt. So sei das „inaktive Verhalten des Vorsitzenden Kröger“ im und um den Oberbürgermeister-Wahlkampf im Frühjahr „nicht zu entschuldigen“. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: „Nur dem besonnenen Handeln des 1. stellvertretenden Vorsitzenden Jürgen Barenkamp und der Solidarität einiger Genossinnen und Genossen aus den drei Ortsvereinen Lingen, Baccum und Brögbern ist es zu verdanken, dass unser OB auch die im Vorfeld angekündigte Unterstützung zur Wiederwahl in seinem Amt erfahren durfte.“ Die Sozialdemokraten hatten den wiedergewählten Amtsinhaber Dieter Krone (parteilos) im Wahlkampf ihre Unterstützung zugesagt.

Keine Mitarbeit mehr unter Kröger

Die zurückgetretenen Vorstandsmitglieder fordern zudem, dass die Vorstandssitzungen wieder regelmäßig und parteioffen stattfinden sollen, so wie es in früheren Jahren die Regel gewesen sei. Nur so könnten eine transparente und vertrauensvolle Arbeit hoffentlich bald wieder stattfinden. Dabei mitzuwirken, dazu seien alle Zurückgetretenen „zu einem späteren Zeitpunkt“ weiterhin bereit; „allerdings nicht unter dem derzeitigen 1. Vorsitzenden“. Das höchste Gremium im Ortsverein ist die Mitgliederversammlung, heißt es abschließend in der Stellungnahme.

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