Zusammenschluss in Lingen Hilfe für Musiker: Was hat es mit dem Verein EMILI auf sich?

Von Julia Mausch

Haben die emsländische Musikerinitiative Lingen, kurz EMILI, gegründet (von links): Carsten Pfeiffer, Klaus Beckmann und Hardy Kloßek. Foto: Julia MauschHaben die emsländische Musikerinitiative Lingen, kurz EMILI, gegründet (von links): Carsten Pfeiffer, Klaus Beckmann und Hardy Kloßek. Foto: Julia Mausch

Lingen. Eine Band braucht nicht viel: Instrumente, einen Probenraum und die Möglichkeit, die Songs vor Publikum zu präsentieren. Klingt einfach, ist es aber nicht, wenn eine Band noch unbekannt ist. Eine Hilfe bietet der neugegründete Verein EMILI – die emsländische Musikerinitiative Lingen.

Ob in einem umgebauten Schweinestall, einer verlassenen Wohnung oder einem undichten Kellerraum – wenn Bands einen Raum zum Proben brauchen, gilt bei Musikern des öfteren die Redensart „Augen zu und durch“. Musiker seien zu laut, spielten zu unliebsamen Zeiten und das Klischee von feierwütigen Rockmusikern könnten sie womöglich auch noch erfüllen. Die Liste der Vorurteile ist lang. Kurzum: Als Mieter sind sie nicht gerne gesehen.

Verein gibt es seit Feburar 2018

Davon können Carsten Pfeiffer, Klaus Beckmann und Hardy Kloßek ein Lied singen. Die drei Männer sind Musiker. Zwar spielen sie in verschiedenen Bands – die Erfahrungen, die sie in den vergangenen Jahren gemacht haben, sind jedoch ähnlich. Angefangen von der Suche nach einem Proberaum oder dem Kampf, einen Auftritt zu ergattern. „Gerade junge Musiker haben es da besonders schwer“, sagt Carsten Pfeiffer. Der Lingener ist Vorsitzender und Gründungsmitglied der emsländischen Musikerinitiative Lingen, kurz EMILI. Den Verein gibt es seit Februar dieses Jahres und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Musiker und Bands in der Region zu vernetzen. (Weiterlesen: Vier Jungs aus Lohne treten auf Wacken Open Air 2018 auf)

EMILI ist keine Musikschule

Genauer gesagt, zusammenzubringen, getreu dem Vereinsmotto „Gemeinsam ist geiler“. Und das am besten in einem Gebäude. Ein Mietvertrag ist zwar noch nicht unterschrieben, doch ein geeignetes Objekt haben die Vereinsmitglieder bereits in Aussicht. In Mundersum im Industriegebiet befindet sich ein Objekt, an dem die Musiker interessiert sind. 260 Quadratmeter groß, sechs Räume, die dann, wenn der Plan aufgeht, ab Anfang 2019 von Bands genutzt werden können. Voraussetzung ist eine Mitgliedschaft im Verein EMILI.

Das Gebäude soll ein Kontaktzentrum für Musiker werden – oder die, die es mal werden möchten. Als eine Musikschule sieht sich EMILI aber nicht, betont der Lingener Hardy Kloßek, der im Verein für die Pressearbeit zuständig ist. Die Nachwuchsarbeit wird eher aus einer kleinen Hilfestellung, wie dem Ausprobieren von Instrumenten, bestehen, anstatt richtigem Unterricht.

Kein Zutritt für Bands aus der rechten Szene

Musikalische Förderung hat sich EMILI ebenfalls im Bereich der Inklusion und Flüchtlingsarbeit auf die Fahnen geschrieben. „Der Verein ist offen für jeden, schließlich ist Musik unsere Sprache“, sagt Carsten Pfeiffer. Doch es gibt eine Ausnahme. Bands aus der rechtsextremen Szene bleibe der Zutritt verwehrt. Erfahre der Vorstand, dass Musiker Songs mit rechtem Gedankengut in den Probenräumen spielten, folge der Vereinsausschluss. Und somit auch die Möglichkeit, die Angebote von EMILI zu nutzen.

Die Angebote, die EMILI in Planung hat, sind breit gefächert. Neben dem gemeinsamen Proben in einem Gebäude, soll es Workshops und Seminare geben. Eine Musikerbörse soll künftig ebenso organisiert werden, wie Musikfestivals. Geplant sind Benefizkonzerte, wie beispielsweise am 1. September auf dem Gelände des Tierheims Lingen. Nicht nur die alten Hasen im Musikgeschäft sollen bei den Konzerten auf der Bühne stehen, sondern auch der Nachwuchs. „Junge Bands können so Bühnenerfahrung sammeln“, sagt Klaus Beckmann. Der Papenburger ist zweiter Vorsitzender des Vereins. Passend dazu will der Verein das Gespräch mit Gastronomen suchen. Thema: Gage. Laut Beckmann würden Gastronomen im häufiger auf DJs zurückgreifen, um Geld zu sparen. Handgemachte Musik würde dann nicht gebucht, das solle sich ändern.

Stadt Lingen hat Interesse bekundet


Damit der Verein ab 2019 das Objekt beziehen und die geplanten Angebote in die Tat umsetzen kann, heißt es, noch bekannter und größer zu werden. Von einst 13 Mitgliedern im Februar ist der Verein auf mittlerweile 30 Mitglieder angewachsen. Darunter die Indie-Rockband Razz aus Schöninghsdorf, die derzeit auf Festivals deutschlandweit und sogar in England auftritt, oder die Lohner Band Acoustic Steel, die in wenigen Wochen beim Wacken Open Air dabei ist. (Weiterlesen: Band aus dem Emsland lockte über 500 Fans an) Pfeiffer und Co. sind derzeit auf Sponsorensuche. Zuspruch erhalten sie laut Hardy Kloßek aus der Lingener Wirtschaft. Ein positives Signal habe EMILI auch von der Stadt Lingen erfahren. Interesse sei in einem Gespräch Anfang des Jahres bekundet worden, den Verein zu unterstützen. Nun hoffe der Vorstand, dass die Zusammenarbeit noch enger werde, sagt Hardy Kloßek.