Schule im Zirkuswagen Circus Krone ist eine Stadt in der Stadt Lingen

Von Wilfried Roggendorf


Lingen. Ob Restaurant, Schule, Handwerksbetriebe oder ein Elektrizitätswerk: Hinter den Kulissen des Circus Krone auf dem Lingener Festplatz an der Emslandarena ist für wenige Tage eine kleine Stadt in der Stadt entstanden.

Die sechsjährige Stella und ihr zwei Jahre älterer Bruder Simon sind ganz aufgeregt: Sie haben bei einem Preisausschreiben gewonnen und dürfen gemeinsam mit Martin Lacey jr. die Löwen des Circus Krone füttern. „Rund 20.000 Euro monatlich geben wir alleine für das Raubtierfutter aus“, erklärt Stacey. Geliefert würde es in stets gleichbleibender Qualität tiefgefroren von einer Metzgerei aus Süddeutschland.

Nachtwache bei Nashornbulle Tsavo

Vor der Löwenfütterung haben sich Simon und Sina, begleitet von Zirkus-Pressesprecher Andreas Kielbassa, den Zoo des Unternehmens angesehen. Die während einer Vorführung in Osnabrück von ihren Artgenossinnen bei einer Rangelei in eine Zuschauerloge geschubste Elefantenkuh Mala steht friedlich in einem Gehege mit den Tieren, mit denen sie vor ein paar Tagen noch Streit hatte. Auch Nashornbulle Tsavo blickt zufrieden. „Jede Nacht schläft eine Stallwache bei Tsavo“, sagt Kielbassa. Der Grund: Das mächtige Horn des Breitmaulnashorns besitze einen Schwarzmarktwert von 700.000 Euro. Weiter geht es durch das Stallzelt der Krone-Pferde. Jede Box, Krone reist nur mit Hengsten, sei doppelt so groß wie gesetzlich vorgeschrieben, betont Kielbassa.

200 Mitarbeiter aus zwölf Nationen

Hinter dem Zelt der Pferde parkt der Wagen der Krone-Werksfeuerwehr. „Alt, aber voll funktionsfähig“, sagt Kielbassa. Die Mitglieder der zirkuseigenen Feuerwehr würden sich regelmäßig aus- und weiterbilden. Am Rand des Platzes befindet sich eine Sattlerei, daneben je ein Wagen für die Damen- und Herrenschneiderei. „Wir haben auch einen Wagen mit 20 Waschmaschinen und 20 Trocknern“, sagt Kielbassa. Für den Waschsalon des Circus Krone gebe es feste Belegpläne. „Einen Tag das Ballett, am nächsten die Artisten und so weiter“, erklärt Kielbassa. Sonst gäbe es unter den rund 200 Mitarbeitern aus zwölf Nationen schnell Probleme. Zirkussprache sei bei diesem „funktionierend Multi-Kulti“ überwiegend Deutsch, zudem Englisch.

Küche und Elektrizitätswerk

Während sich all dies rund um das große Zirkuszelt mit 4300 Plätzen abspielt, sind die Wohnwagen auf einem Nebenplatz hinter den Emslandhallen abgestellt. Dort steht auch eines der Elektrizitätswerke von Krone. Je 235 PS leisten die beiden Dieselmotoren in dem Zirkuswagen, der auch den benachbarten Küchenwagen mit Strom versorgt. „Drei Mahlzeiten täglich werden hier für unsere Mitarbeiter zubereitet“, erläutert Kielbassa. Besonders deftiges Essen gäbe es an Auf- und Abbautagen, wenn kräftezehrende Handarbeit angesagt ist. „Dann heißt es für Bürohengste wie mich, am Buffet nur eine halbe Portion nehmen, damit für die anderen ein Stück Fleisch mehr übrig bleibt“, meint der Pressesprecher lachend. Während der Wintermonate, wenn Krone sein festes Quartier in München bezieht, sei die Küche zeitweise weiterhin im mobilen Einsatz: „Sie versorgt dann die Teilnehmer des Zirkusfestivals in Monte Carlo.“

Schulfrei wegen Geburtstag der Lehrerin

Direkt gegenüber eines Werkstattwagens, in dem so ziemlich alles repariert wird, was bei einem Zirkus kaputt gehen kann, befindet sich ein besonderer Wohnwagen: Darin lebt und arbeitet Christina Kretschmann. Sie ist die Lehrerin der Zirkusschule. Im Moment unterrichtet sie vier Schüler nach bayrischen Lehrplänen in Grund- und Hauptschulklassen – nur am Premierentag nicht. „Das liegt aber nicht an der Premiere“, erklärt Kielbassa. Die Schüler hätten frei, weil Frau Lehrerin am Vorabend in ihren Geburtstag gefeiert habe. Die jetzt 63-jährige Kretschmann wird den Zirkus zum Ende der Reisesaison verlassen. Bis dahin möchte sie noch erreichen, dass Alexis Lacey-Krone, der Sohn der Zirkusdirektorin, die Grundschule erfolgreich beendet.

Zirkus braucht nur Wasser und Zuschauer

Beim Verlasssen der Krone-City rollt die mobile Tankstelle, ein Tanklastwagen, mit mehreren tausend Litern Diesel auf den Platz. „Wir sind eigentlich fast vollkommen autark“, betont Pressesprecher Kielbassa. Der Zirkus brauche lediglich zwei Dinge von außerhalb: „Wasser und Zuschauer“.


Demonstration von Peta

Die Tierrechtsorganisation Peta hat angekündigt, am Samstag, 14. Juli, von 14.45 bis 20 Uhr und am Sonntag, 15. Juli, von 13.15 bis 18.30 Uhr in der Nähe des Zirkuseingangs zu demonstrieren. „Mit Schildern und Flyern werden die Tierfreunde die Passanten über das Leid der Tiere in Zirkusbetrieben informieren“, erklärt Peta. Der Tierschutzverein Lingen schließt sich der Demonstration an.