Projekt an der VHS Flüchtlinge erreichen mit Deutschen Hauptschulabschluss in Lingen


Lingen. Das von der Volkshochschule (VHS) Lingen umgesetzte Modellprojekt „Hauptschulabschluss für Geflüchtete“ im Rahmen des Zweiten Bildungsweges erweist sich als großer Erfolg. Elf Flüchtlinge haben im Juni 2018 nach zehnmonatigem Unterricht ihre Prüfung bestanden. Eine neue Maßnahme soll im September folgen.

Darauf haben die Projektverantwortliche Margret Heuking-Seeger und ihre Kollegin Sabine Quednau in einem Gespräch mit der Redaktion verwiesen. Neben den elf Flüchtlingen, die vorwiegend aus Syrien nach Deutschland gekommen waren, bestanden auch fünf Deutsche den Lehrgang. „Es war eine Traumklasse“, betonte Quednau und fügte hinzu: „Die Teilnehmer waren hoch motiviert und fieberten der Abschlussprüfung regelrecht entgegen.“ Nach den Worten von Heuking-Seeger entwickelte sich zwischen allen Dozenten und den Teilnehmern ein sehr gutes Verhältnis.

Sprachkenntnisse Voraussetzung

Der Unterricht begann im September 2017 mit 18 Teilnehmern. Das Jobcenter des Landkreises Emsland und der SKM Lingen rekrutierten die Teilnehmer benannte die Teilnehmer. Ein Deutscher musste aus gesundheitlichen Gründen den Lehrgang abbrechen. Ein Flüchtling bestand die Abschlussprüfung nicht. Voraussetzung für die Teilnahme war, dass die Flüchtlinge über Sprachkenntnisse zumindest auf B 1-Niveau verfügten.

„Berührungsängste sollen abgebaut werden“

Das Modellprojekt sah vor, dass in diesem Lehrgang 70 Prozent der Teilnehmer Flüchtlinge und 30 Prozent Deutsche sein sollten. Die Projektverantwortliche: „Die meisten Flüchtlinge begegnen in ihrem Alltag in Deutschland, abgesehen von offiziellen Stellen, nur sehr wenigen Deutschen, mit denen sie regelmäßig sprechen.“ Umgeben von Landsleuten werde das Gelernte aus den Sprachkursen oft wieder vergessen, weil schlichtweg die Praxis fehle. Dem sollte durch diese Art des Konzeptes entgegengewirkt werden. Zudem würden durch den gemeinsamen Unterricht auch die Berührungsängste der deutschen Mitschüler vor der fremden Kultur abgebaut. „Dies alles fördert eine schnellere und einfachere Integration, von der beide Seiten profitieren“, hob Heuking-Seeger hervor.

Zwei Frauen aus Syrien streben jetzt Realschulabschluss an

Jede Woche standen 38 Stunden auf dem Stundenplan. Wichtiger Bestandteil des Projekts war die Berufsorientierung. So informierten sich die Teilnehmer beim Wasserwerk in Varloh und beim Klärwerk in Lingen. Die beiden Pädagoginnen freuten sich besonders darüber, dass von den 16 Absolventen (neun Frauen und sieben Männer) drei Flüchtlinge und ein Deutscher den

Qualifizierten Hauptschulabschluss erwarben. „Zwei Frauen aus Syrien streben jetzt bei uns den Realschulabschluss an“, sagte Heuking-Seeger.

Debatte im Landtag verfolgt

Nachhaltig beeindruckt zeigten sich die Teilnehmer nach den Worten der Pädagoginnen vom Besuch des niedersächsischen Landtags am 19. Juni. Interessiert verfolgte die Gruppe die Debatte über die Einführung des Reformationstages als neuen gesetzlichen Feiertag am 31. Oktober. „Die Flüchtlinge fanden den Besuch auch deshalb so spannend, weil sie aus ihren Heimatländern solche demokratischen Vorgänge nicht kennen“, bemerkte Heuking-Seeger. Während der Visite traf die Gruppe auch mit dem Lingener CDU-Landtagsabgeordneten Christian Fühner und dem niedersächsischen Finanzminister Reinhold Hilbers aus Lohne (CDU) zusammen. Dieser freute sich, seinen alten Klassenlehrer Christian Kügler wiederzusehen, der jetzt als Dozent in diesem Projekt tätig war.

Antrag auf erneuten Kursus gestellt

Inzwischen hat Heuking-Seeger bei der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung in Hannover ein erneutes Konzept für einen weiteren Lehrgang mit 15 Plätzen für Flüchtlinge und Deutsche im Rahmen der zusätzlichen Maßnahmen des Zweiten Bildungsweges eingereicht. Die Agentur ist dem Wissenschaftsministerium unterstellt. Eine Bewilligung für die Maßnahme, die im September beginnen soll, liegt aber noch nicht vor.


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