Landwirte als Natur- und Artenschützer Projekt in Lingen: Wildpflanzen als Energieträger in Biogasanlagen

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Lingen Die Biomasseproduktion zur Energieerzeugung enger mit dem Natur- und Artenschutz zu verknüpfen, das ist erklärtes Ziel des Projekts „Energie aus Wildpflanzen“, das die Jägerschaft Lingen im Emsland in enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und dem „Netzwerk Lebensraum Flur“ umsetzt und noch auf viele weitere „Mitmacher“ aus den Reihen der Landwirte hofft.

Auf einer rund fünf Hektar großen Ackerfläche des Landwirts Josef Schröer aus Lingen-Mundersum blüht es farbenfroh und es summt lebendig: Die mehrjährigen Stauden aus einer regionalen Saatmischung locken Bienen, Schmetterlinge und Insekten an und sie bieten Bodenbrütern und anderem Niederwild Deckung und Nahrung. Etwa Ende Juli wird die landwirtschaftlich genutzte und auch gedüngte Fläche abgeerntet und die Wildpflanzen werden für die Biogas-Erzeugung einsiliert. Ein dann folgender zweiter immergüner Aufwuchs ermöglicht den Wildtieren auch im Winter eine Rückzugs- und Äsungsfläche. So gelingt es den Akteuren des Projekts „Energie aus Wildpflanzen“, für Landwirte als Anbauer einer reichlich blühenden ökologischen Vielfalt auch einen ökonomischen Beitrag zu leisten.

Beitrag für mehr Arten- und Naturschutz

Auf Anregung von Bernhard van der Ahe, Vorsitzender der Naturschutzstiftung Emsland, nutzten Vorstandsmitglieder der Naturschutzstiftung sowie Mitglieder des Ausschusses für Umwelt und Natur jetzt die Möglichkeit, sich bei einer Feldbegehung auf der Blühfläche von Landwirt Josef Schröer, der auch stellvertretender Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen ist, aus der Praxis heraus zu informieren. Aus mehrjähriger Projekterfahrung heraus zeigte sich neben Josef Schröer auch Johann Högemann, Obmann für Naturschutz in der Jägerschaft Lingen, überzeugt: Biogasanlagen können im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energien wie Photovoltaik oder Windkraft einen echten Beitrag für mehr Arten- und Naturschutz in Offenlandschaften liefern, wenn Wildpflanzenmischungen als Ergänzung zu konventionellen Energiepflanzen wie Mais in der landwirtschaftlichen Praxis etabliert werden.

Blühende Landschaften statt Mais-Einöde

Johann Högemann machte keinen Hehl daraus, dass die Biomassengewinnung aus Wildpflanzen nicht ganz an die Spitzenerträge beispielsweise aus dem Maisanbau heranreiche, aber er beeindruckte auch mit einem einfachen Rechenbeispiel: „Wenn die derzeit rund 200 produzierenden Biogasanlagen im Emsland und der Grafschaft jeweils nur fünf Hektar Wildpflanzenmischung zur alternativen Energiegewinnung nutzen würden, so wären dies schon 1000 Hektar blühender Landschaft in der Feldflur für den Natur- und Artenschutz.“

Wie Josef Schröer erläuterte, werde im Rahmen des Projekts derzeit in einem zweiten Ansatz untersucht, ob die Wildpflanzenmischung auch einen positiven Effekt auf den Gewässerschutz habe. Am 20. Juli erwarte man in Lingen-Mundersum zudem die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast, der man anhand der bisherigen Projektergebnisse darlegen möchte, dass intensive Landwirtschaft und nachhaltiger Naturschutz kein Widerspruch sein müssen.


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