Einladung zu Meditation und Reflexion Psalmen als gestaltete Lebensräume im LWH Lingen

Von Margrit Lehmkuhl-Wiese

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Studienleiterinnen Sonja Hillebrand und Agnes Kläsener erläutern, warum in den Psalmen unser ganzes Leben Platz hat. Foto: Margrit Lehmkuhl-WieseStudienleiterinnen Sonja Hillebrand und Agnes Kläsener erläutern, warum in den Psalmen unser ganzes Leben Platz hat. Foto: Margrit Lehmkuhl-Wiese

Lingen. „Lebens. Raum Psalmen“, unter diesem Titel sind im Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) in Lingen noch bis zum 8. Juli fünf sogenannte „Räume“ aus Ausstellungstafeln, die im „Psalmen Haus“ verortet sind, zu sehen.

Erarbeitet von Theologen und Mitarbeitenden der Katholischen Erwachsenenbildung sind die „Räume“ so gestaltet, dass sie zur Auseinandersetzung und Begegnung durch Psalmen, lyrische Texte, Bilder und Fotografien einladen, ohne bereits endgültige Antworten vorzugeben. „Die Tafeln laden ein, zu meditieren, auch über das eigene Leben“, sagten die Studienleiterinnen des LWH Sonja Hillebrand und Agnes Kläsener, die zur Eröffnung eine Begleitung durch die „Räume“ anboten.

Weite, Gesetze und Grenzen

Im „Welten.Raum“ geht es um Weite und Geborgenheit sowie Schöpfungserzählungen. In allen Kulturen ist es den Menschen wichtig, zu klären, in welche Situation und an welchen Platz sie gestellt wurden und wie ihre Lebensumstände entstanden sind. So geben sie ihrer oft unübersichtlichen Welt einen Ordnungsrahmen, ringen aber auch immer weiter um Gesetze und Grenzen. Der Psalm 104 gibt den Menschen Einsicht in seine Grenzen und erläutert das Lebensrecht aller unter der Sonne.

Gesungene Psalmen

Der „Klang.Raum“ zeigt die Bedeutung der 150 Psalmen der hebräischen Bibel, die David als Lieder zur Harfe zugesprochen werden. Aus dieser jüdischen gesungenen Gebetspraxis entwickelten sich die gesprochenen Texte im Christentum und auch der Koran kennt die David zugesprochenen Offenbarungen Gottes als Zabur. Verwunderlich ist es auch nicht, dass die Lyrik in der Kirchenmusik am häufigsten vertont wurde als Erinnerung an die gesungenen Psalmen.

Freiheit und Vereinsamung

Im „Frei.Raum“ wird die geistige Verfasserschaft Davids noch einmal betont und nimmt Bezug auf sein Leben. Verglichen mit heute, unserem individualisierten Lebensstil mit Selbstbestimmung, Durchhaltevermögen, Konkurrenz und Ellenbogengesellschaft wirkt sein Bild des guten Hirten nicht mehr aktuell. Dennoch stellt sich die Frage, ob nicht die andere Seite unserer Freiheit die Vereinsamung im selbst geschaffenen Freiraum ist.

Gefühlsausbrüche

Der „Dunkel.Raum“ zeigt mit dem Bild „Schrei“ von Edvard Munch Hilflosigkeit, Wut und Zorn eines Menschen, der eine Lebenssituation nicht passiv hinnehmen möchte, sondern herausschreit. „Fluchpsalmen“ lassen Gefühlsausbrüche zu und sorgen für in Worte gefasste dunkle Gefühle dafür, dass es möglichst nicht zu Affekthandlungen kommt.

Möglichkeiten des Scheiterns

Schließlich der „Sozial.Raum“, der eröffnet, dass es nicht nur mehr Möglichkeiten, soziale Netzwerke, Zusammenhalt gibt, sondern auch mehr Möglichkeiten des Scheiterns. Wir brauchen soziale Räume, in denen wir als ganze Personen mit Lebensgeschichten wahrgenommen werden. Räume, in denen Menschen anderen helfen, sie da sind bei Problemen, helfen und Probleme aushalten.

Lyrische Ausdruckskraft

Fünf Räume, die viel Raum lassen für Fragen und Diskurse, die lyrische Ausdruckskraft der Psalmen und Gedichte namhafter Poeten, Befragung von Bilder und Fotografien und dem Versuch der Beantwortung der Frage „Wer bin ich“. Die Antworten liegen in uns.


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