Interview nach 30 Jahren Partnerschaft Viele Freundschaften zwischen Emsländern und Tansaniern

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Wie kann sich die Partnerschaft künftig weiter entwickeln? Diese und andere Fragen erörterten hier (v.l.) der Partnerschaftsbeauftragter für die Stadt Kondoa Manase Msechu, Kerstin Buck-Emden, Distriktpastor Humphrey Sam und Kirchenvorsteher Ole Mushanga. Foto: Archiv Kerstin Buck-EmdenWie kann sich die Partnerschaft künftig weiter entwickeln? Diese und andere Fragen erörterten hier (v.l.) der Partnerschaftsbeauftragter für die Stadt Kondoa Manase Msechu, Kerstin Buck-Emden, Distriktpastor Humphrey Sam und Kirchenvorsteher Ole Mushanga. Foto: Archiv Kerstin Buck-Emden

Lingen. Seit 30 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen den Kirchenkreisen Emsland-Bentheim und Kondoa. Was hat sich in dieser Zeit geändert, welche Aufgaben stehen an? Zu diesen und weiteren Fragen äußerte sich die Partnerschaftsbeauftragte Kerstin Buck-Emden im Interview.

Frau Buck-Emden, was konnte in den vergangenen 30 Jahren erreicht werden?

Der persönliche Kontakt zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen steht bei unserer Partnerschaft im Vordergrund. Viele Menschen konnten seitdem erleben, dass wir mit dem Glauben etwas Wichtiges gemeinsam haben, auch wenn wir diesen Glauben unterschiedlich leben. Es ist gut, zu sehen, wie das in einer ganz anderen Kultur geht. Und wir merken: Wir sind nicht allein auf dieser Welt. Leben geht auch anders. Darum sind diese Delegationsreisen so wichtig.

Konnte schon oft konkret geholfen werden?

Ja, den Bau von Kirchen, Schulen und Evangelistenhäusern haben wir immer wieder unterstützt. Bei Dürren halfen Nahrungsmittelspenden. Und im März konnten unsere Partner einen neuen Landcruiser bekommen. Das alte Fahrzeug musste nach zwölf Jahren dringend ersetzt werden. Ohne so ein robustes Fahrzeug wäre vieles an kirchlicher Arbeit in den weit verstreut liegenden Kirchengemeinden nicht möglich und selbst hätten unsere Partner es nie finanzieren können. Auch Aus- und Weiterbildungen waren erst dank zahlreicher Sponsoren möglich und vielen Kindern und Jugendlichen konnte ein Schulbesuch ermöglicht werden.

Haben Sie ein aktuelles Beispiel?

Die gibt es immer wieder und viele gehen einem sehr nahe. Mariam zum Beispiel ist heute eine junge selbstbewusste Frau. Sie ist eine Waise mit christlich-muslimischer Herkunft, die schon längst verheiratet werden sollte. Dank mehrerer Sponsoren und auch gegen den Willen ihrer Familie konnte sie aber weiter zur Schule gehen. Jetzt hat sie ihr Diplom als Grundschullehrerin erhalten.

Und wie ist die wirtschaftliche Lage vor Ort?

Trotz einem Wirtschaftswachstum von sechs bis sieben Prozent pro Jahr ist Tansania immer noch eins der ärmsten Länder der Welt. Das trifft besonders die von der Landwirtschaft abhängigen Menschen im Distrikt Kondoa. Ein Klimawechsel ist dabei deutlich spürbar – es gibt keine verlässlichen Regenzeiten und damit auch keine verlässlichen Ernten mehr. Ganz so schlimm wie im Sudan oder Nordkenia ist es zwar bisher nicht, aber die Anzeichen sind sichtbar. Es fehlt häufig auch immer noch ein sicherer Zugang zu sauberem Wasser und Strom, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen. Kondoa selbst profitiert zwar von der neuen Teerstraße, Industrie siedelt sich an, Dörfer entstehen, die Stadt selbst wächst und blüht auf. Aber jenseits der Hauptstraße hat sich wenig verändert.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN