Leben teilen – Glauben teilen Lutheraner aus dem Emsland auf dem Weg nach Tansania

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Lingen. Karibu, karibu sana. Diesen Willkommensgruß auf Swahili werden acht Mitglieder des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Emsland-Bentheim vom 13. Juli bis zum 4. August häufiger hören: Unter dem Motto „Glauben teilen, Leben teilen, Gaben teilen“ wird die Delegation in dieser Zeit den Partnerkirchenkreis Kondoa im tansanischen Hochland besuchen.

Seit 30 Jahren gibt es die Partnerschaft zwischen den beiden Kirchenkreisen, kurz „EmBeKo“ genannt. Im Vordergrund dieser Partnerschaft steht dabei nicht unbedingt die Finanzierung teurer Projekte, sondern im zweijährigen Wechsel die persönliche Begegnung von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen in ihren jeweiligen Heimatländern. „Solche Begegnungen schulen den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Es ist gut, fremde Menschen zu treffen, die schnell zu Freunden werden, weil wir im Glauben miteinander verbunden sind“, berichtet die langjährige Delegationsleiterin Kerstin Buck-Emden aus der Lingener Kreuzkirchengemeinde in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

128 Landessprachen

Ein halbes Jahr hat sich die Gruppe vorbereitet, sich mit dem Land, Sitten und Gebräuchen, der Religion oder auch der Sprache beschäftigt – so ist Swahili auch nur eine von 128 Landessprachen. Genaue Vorstellungen, was ihn erwartet, hat dabei Walter Reincke aus der Gustav-Adolf-Gemeinde in Meppen: „Ich freue mich, Freunde wiederzusehen und neue Kontakte aufzubauen. Und mit ihnen das einfache Leben auf dem Land ohne Luxus zu teilen und wertzuschätzen.“ 2010 war er bereits mit einer Delegation und zwei weitere Male privat in Tansania und hat die Entwicklung dort und speziell in der Partnergemeinde Chemchem hautnah verfolgt: „In unserer ländlichen Partnergemeinde unterstützen wir Schüler, die dadurch eine weiterführende Schule besuchen können. Ein Diakoniefonds soll die Not und den Hunger bei Ernteausfällen lindern und Pastor Mgilitwe haben wir aktuell bei der Anschaffung eines notwendigen Motorrads geholfen.“

Unterkunft in Gastfamilien

Die Teilnehmer, die zum ersten Mal nach Tansania reisen, haben zumeist vor zwei oder sechs Jahren in Deutschland schon Delegationsmitglieder aus Tansania kennengelernt. „Wir freuen uns auf die Menschen, die wir vor zwei Jahren in Haselünne getroffen haben“, erklären Antje Helmke-Brümmer und Martina Cordes von der Dreifaltigkeitsgemeinde. Auf die Menschen, auf gemeinsame Gottesdienste und den Austausch freut sich auch die Lehrerin am evangelischen Gymnasium Franziska Hüring von der Christus- und Kreuzkirchengemeinde in Nordhorn: „Und ich bin schon sehr gespannt, aus dem Flughafen zu kommen und die ersten Geräusche und Gerüche aufzunehmen.“

Alltag erleben

Den Bildungsbereich kennenzulernen, darauf freut sich besonders die Erzieherin in der Kita Trinitatis und Gemeindebeiratsvorsitzende Christiane Zaepernick: „Ich bin gespannt, wie dort Bildung vermittelt wird. Ich freue mich, den Alltag in der Kita miterleben sowie Kinder und Erzieher kennenlernen zu können.“ So wird es vor allem privater und beruflicher Alltag sein, den die Delegationsmitglieder aus dem Emsland und der Grafschaft mit ihren Glaubenspartnern und Gasteltern teilen werden, denn wohnen werden die Gäste traditionell in Privathaushalten in der Stadt Kondoa und den meist sehr kleinen und abgelegenen Landgemeinden. Frei nach dem Motto der Partnerschaft eben. „Glauben teilen, Leben teilen, Gaben teilen.“

Besuch im Ngorongoro-Krater

Abgerundet werden wird der Aufenthalt zu Beginn durch den Besuch einer Kaffeeplantage, der ersten lutherischen Stein-Kirche in Old Moshi sowie des Ngorongoro-Nationalparks mit all seinen dort in freier Wildbahn lebenden Tieren. Zum Abschluss wird die Delegation knapp zwei Tage in Bagamoyo am Indischen Ozean verbringen und dabei die erste Hauptstadt der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika kennenlernen können. Und mit vielen neuen Eindrücken und Freundschaften im Gepäck vom benachbarten Daressalam die Heimreise antreten können.


Die Partnerschaft

Seit 30 Jahren gibt es die offizielle Partnerschaft zwischen dem evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Emsland-Bentheim und dem Missionskirchenkreis Kondoa (EmBeKo) im Hochland von Tansania. 1976 ging der damalige Dalumer Pastor Reinhard Riemer nach Tansania, um in der heutigen Hauptstadt Dodoma als Schulpastor zu arbeiten. Nach seiner Rückkehr wurde er Pastor in Emlichheim – und brachte den Wunsch nach einer Partnerschaft mit. Superintendent Hansch, Riemer sowie der Kirchenkreistagsvorsitzende Gottfried Franz besuchten 1984 den Kirchenkreis Dodoma und besiegelten die Partnerschaft.

1988 wird der Kirchenkreis Dodoma zur Diözese mit Bischofssitz – Kondoa als einer der vier Kirchenkreise wird der neue Partner. Der Distrikt befindet sich abgelegen im zentralen Hochland in einem überwiegend muslimisch geprägten Umfeld. Auch Massai-Familien zählen zum dortigen Kirchenkreis.

Die Partnerschaft ist von Anfang an geprägt durch persönliche Kontakte, im zweijährigen Turnus besuchen sich Delegationen der jeweiligen Partner. Geholfen wird aber auch finanziell, so beim Aufbau und dem Betrieb einer Erste-Hilfe-Station sowie weiterführenden Schulen in Aya und Kondoa, beim Kauf und der Unterhaltung eines Landcruisers, durch die Übernahme von Schulgeld und bei akuten Notlagen.

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