Steffen Hirsch im Interview „Das WKT in Lingen ist einmalig in Deutschland“

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Steffen Hirsch nimmt tolle Eindrücke und Erinnerungen vom diesjährigen Welt-Kindertheater-Fest in Lingen mit. Für den Bund Deutscher Amamteurtheater war er zum ersten mal vor Ort dabei. Foto: Jessica LehbrinkSteffen Hirsch nimmt tolle Eindrücke und Erinnerungen vom diesjährigen Welt-Kindertheater-Fest in Lingen mit. Für den Bund Deutscher Amamteurtheater war er zum ersten mal vor Ort dabei. Foto: Jessica Lehbrink

Lingen. Steffen Hirsch vom Arbeitskreis Kinder und Jugend des Bunds Deutscher Amateurtheater (BDAT) ist zum ersten Mal vor Ort beim Welt-Kindertheater-Fest (WKT) dabei. Im Interview, kurz vor seiner Abreise am Dienstag, zeigt er sich beeindruckt von der kulturellen Vielfalt, die sich derzeit in Lingen bietet.

Es ist Ihr erstes Mal beim WKT und Sie waren auch bei der Eröffnung dabei. Wie hat sie Ihnen gefallen?

Großartig. Man liest Informationen zu den Gruppen zwar vorher immer, aber was dann wirklich alles dahinter steckt, das hat man dann sehr eindrucksvoll in der Emslandarena gesehen. Erst dann, wenn alle zusammenkommen, sieht man überhaupt den Umfang des ganzen, alleine die japanische Gruppe mit rund 50 Kindern und diese gemischte Vielfalt sind einfach umwerfend. Allein das machte schon viel Freude auf das, was da kommt.

Sie sind Sachbearbeiter – ein vielleicht eher trockener Beruf. Wie ist es, beim WKT in eine ganz andere Welt abzutauchen und den Kontrast zu erleben?

Das ist natürlich etwas ganz Besonderes. Auch wenn man im Büro natürlich mehr mit anderen Tätigkeiten beschäftigt ist, kann man aber immer wieder an solche Momente anknüpfen. Man erinnert sich an diese strahlenden Kinderaugen, an deren Lächeln und intensiven Begegnungen und den Austausch. Das nehme ich dann auch in meine alltägliche Büroarbeit mit.

Welche Stücke konnten Sie selbst besuchen?

Eigentlich alle. Und ich bin erschlagen von der Vielfalt, die hier geboten wurde. In der Zeit, in der es dann keine Aufführungen zu sehen gab, gab es aber auch noch eine Sitzung zu organisieren, bei der ein neuer Sprecher für unseren Arbeitskreis gewählt wurde. Das ist auch der eigentliche Grund, aus dem ich hier bin – aber natürlich auch, weil wir vom BDAT selbst Festivals organisieren. Das WKT ist das größte Festival im Bereich Kinder- und Jugendtheater, das ich nun kennenlernen durfte. Unser Ehrenpräsident, Norbert Radermacher, hat dieses Festival 1990 gegründet und wir versuchen, ständig auch daran anzuknüpfen. Doch was hier organisatorisch hinter steckt, davor ziehe ich meinen Hut. Die Strukturen mit den vielen Gastfamilien und den ganzen Ehrenamtlichen machen so etwas erst möglich und sind meines Wissens nach einzigartig.

Welches war Ihr schönstes Erlebnis in deinen vier Tagen beim WKT?

Das ist sehr schwer zu sagen, weil es wirklich viele schöne Erfahrungen waren. Insofern ist es dieser Gesamteindruck, mit dem ich heute nach Hause fahre; diese enorme Vielfalt – auch bei den Aufführungen. Gestern haben wir noch die japanische Gruppe gesehen, die in Perfektion gespielt hat; dann gab es aber auch noch die Slowenen, die eigentlich nur ein Schultheaterprojekt haben, aber auch Stücke entwickeln, die auf internationaler Bühne verstanden werden. Das finde ich toll, und das nehme ich auch mit, genauso wie den Austausch, der hier stattfindet. Das macht ein Festival aus. Die Kinder öffnen sich, haben keine Vorurteile, gehen unvoreingenommen aufeinander zu und lassen die Welt so ein bisschen zusammenwachsen.

Hat Sie irgendein Land so beeindruckt, dass Sie dort gerne einmal Urlaub machen möchten?

Urlaub machen würde ich in gerne in Afrika. Das afrikanische Theater, sei es hier aus Sambia oder Benin, ist sehr bewegungs- und rhythmusbetont. In Europa ist das eher selten. Um das zu verstehen, macht es, glaube ich, Sinn, in das Land zu reisen, weil die Tänze und auch das Trommelspiel eine Bedeutung haben, die sich nicht immer auf Anhieb erschließt. Hier halfen aber die Spielleiterforen, um sich diesen Kontext zu erschließen. Aber auch Armenien, Kolumbien, Slowenien oder Kroatien: Ich würde eigentlich in jedes Land reisen – sofort.

Wie beflügelt sind Sie, wenn Sie jetzt wieder in Ihren normalen Alltag zurückkommen?

Ich zehre davon das ganze Jahr. Diese Erfahrungen hier finden wirklich Anknüpfungspunkte in meinem täglichen Leben und bei der Arbeit, woraus man auch Kraft und Energie schöpfen kann. Wenn ich Sorge habe, dass ich ein Theaterstück auf fremder Sprache nicht verstehe, dann aber in Kinderaugen sehe, die es verstehen, von sich aus in Kontakt zueinander treten: Das macht einfach so viel Spaß, damit zu arbeiten, auch wenn sich solche Situationen nicht eins zu eins im Büroalltag wieder finden. Das sind aber auch langfristige Ziele unseres Arbeitskreises, mit denen ich mich dann beschäftigen darf. Und das macht Lust auf mehr davon!


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