Kurse der Verkehrswacht Lingener Senioren trainieren sicheren Umgang mit E-Bikes

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Lingen. E-Bikes und Pedelecs erfreuen sich großer Beliebtheit, insbesondere bei der Generation 50 plus. Doch die zweirädrigen Gefährte bergen auch Gefahren. Den richtigen Umgang vermittelt unter anderem die Lingener Verkehrswacht in Kursen und Sicherheitstrainings.

„Wer rastet, der rostet“, heißt es. „Deshalb ist es wichtig, dass wir auch im Alter fit und körperlich aktiv bleiben“, sagt Franz Kleene. Seit den 1970er-Jahren ist er bei der Lingener Verkehrswacht tätig und vermittelt Kursteilnehmern ein möglichst bewusstes Handeln im Straßenverkehr. Zu den Angeboten der Verkehrswacht zählen beispielsweise Fahrradprüfungen, die Jugendverkehrsschule oder auch Verkehrssimulationen. Im Kurs „sicher-mobil“, der für Senioren unter dem Motto „Mobil bleiben bis ins Alter“ steht, beschäftigt sich Kleene unter anderem mit älteren Verkehrsteilnehmern die regelmäßig auf E-Bikes unterwegs sind.

Gefahren im Straßenverkehr

Unter den Kursteilnehmern, die von erfahren bis unerfahren im Umgang mit E-Fahrrädern reichen, wurde am vergangenen Dienstag schnell ein Thema zum Schwerpunkt: die Gefahren auf dem Rad, vor allem in und rund um die Lingener Innenstadt. Kreisverkehre, Überquerungen an den Bundesstraßen, unebene Wege und insbesondere unachtsame Verkehrsteilnehmer kennt Kleene, der bis 2012 für das Straßenbauamt gearbeitet hat, selbst zu gut. Vorausschauend und berechnend solle man deshalb auf seinem Rad unterwegs sein.

Steigende Unfallzahlen

Achtsamkeit gilt zunehmend für Senioren; mit E-Bikes und Co. sind nämlich auch die Unfallzahlen in Deutschland in den vergangenen Jahren gestiegen. Bundesweit verunglückten Statistiken zufolge im Jahr 2016 rund 3900, im Jahr darauf 5100 Elektrofahrradfahrer. In einer Präsentation machte Kleene zudem deutlich, dass rund die Hälfte der getöteten Radfahrer im deutschen Straßenverkehr älter als 65 Jahre alt sind – Tendenz, aufgrund des demografischen Wandels, steigend.

Erst testen

Der Experte weiß: „Durch eine positive Mund-zu-Mund-Propaganda erhöht sich die Akzeptanz bezüglich E-Bikes.“ Deshalb würden sich einige ein Rad mit Elektroantrieb kaufen und mit diesem, ohne jegliches Training, direkt am Straßenverkehr teilnehmen. Anders ist es bei Kursteilnehmerin Marie Luise Kappen. Sie hat noch keine Erfahrung mit E-Bikes, könnte sich aber vorstellen, eines zu kaufen – doch nicht, ohne es vorab auf dem Verkehrsübungsplatz ausprobiert zu haben. „Ich möchte erst einmal wissen, wie ich es handhaben muss. Viele meinen, sie können damit direkt los düsen, aber für mich ist es, als würde ich Autofahren lernen“, sagt die 70-Jährige.

Fehleinschätzungen

Nicht nur Sicherheitstrainings helfen beim sicheren Umgang mit einem Elektrorad: Kleene hat noch weitere Tipps für die Kursteilnehmer, um folgenschwere Unfälle möglichst zu vermeiden. „Wichtig ist es, sich als Radfahrer für Pkw-Fahrer sichtbar zu machen, zum Beispiel durch eine Weste“, meint er. Ebenso seien Protektoren und natürlich ein Helm angebracht. Und: „Rechnen Sie immer mit den Fehlern anderer“, mahnt Kleene. Autofahrer können nämlich nicht zwischen einem elektrobetriebenen und einen normalen Rad unterscheiden. Deshalb würde die Geschwindigkeit eines Radfahrers oft falsch eingeschätzt.

Verkürzte Wege

Auch Reinhold Rolfes vom Geschäft Fahrrad Reiter macht den Senioren deutlich: „Ihr dürft nicht vergessen: Früher musste man für ein Mofa mit 25 Kilometern pro Stunde einen Führerschein machen. Heute darf sich jeder auf ein E-Bike setzen – und die sind oft sogar schneller.“ Er rät Anfängern, zunächst auf das Fahren in Gruppen zu verzichten und sich eher einen erfahrenen Partner zu suchen. Zunächst muss ein Gefühl für das neue Rad entwickelt werden, denn: „Mit einem E-Bike verkürzen sich die Wege aufgrund der höheren Geschwindigkeit etwa um die Hälfte“, erklärt Rolfes weiter. Wer sich ein E-Bike oder Pedelec anschaffen möchte, sollte damit im Alter nicht zu lange warten, rät der Fachmann.


Was sind die Unterschiede?

Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums sind mehr als 98 Prozent der hierzulande verkauften Elektrofahrräder Pedelecs. Der Name steht für „Pedal Electric Cycle“. Nur diese sind rechtlich dem Fahrrad gleichgestellt. Ihr Elektromotor arbeitet nur bei gleichzeitigem Treten der Pedale und nur bis höchstens 25 Kilometer pro Stunde. Die schnelleren S-Pedelecs fahren bis zu 45 km/h, bevor sich die elektronische Unterstützung abschaltet. E-Bikes wiederum sind eigentlich eine Art Elektromofa und fahren auch ohne Muskelkraft. Sie gelten ebenso wie die S-Pedelecs als Kleinkraftrad.

Pedelecs lassen sich auch tunen – das aber ist illegal. Die Polizei kann solche am E-Motor vorgenommenen Veränderungen nicht unbedingt sofort erkennen. „Wir vermuten hier deshalb eine hohe Dunkelziffer“, erklärt Experte Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV). dpa

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN