Noch bis Dienstag Syrischer Fotograf zeigt in Lingen Fluchterfahrungen in Bildern

Von Elisabeth Tondera

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Der syrische Fotograf Najem Al-Khalaf begleitet die Ausstellung seiner Fotografien „Kinder auf der Flucht“ im Zelt von „Arts by Children“ an der Marienstraße. Foto: Elisabeth TonderaDer syrische Fotograf Najem Al-Khalaf begleitet die Ausstellung seiner Fotografien „Kinder auf der Flucht“ im Zelt von „Arts by Children“ an der Marienstraße. Foto: Elisabeth Tondera

to Lingen. Der junge Syrer Najem Al-Khalaf zeigt noch bis Dienstag, 26. Juni 2018, in einem Zelt an der Marienstraße in Lingen Fotos von „Kindern auf der Flucht“. In einem Gespräch mit der Redaktion berichtet er über sein persönliches Schicksal, das ihn schließlich nach Deutschland gebracht hat.

Angefangen hat es mit zwei kleinen Mädchen, der fünfjährigen Nudem und ihrer dreijährigen Schwester Leyla, die Najem Al-Khalaf im Flüchtlingsheim in Hannover betreut hat. Der junge Syrer ist selbst Flüchtling und studiert zurzeit Fotojournalismus und Dokumentarfotografie in Hannover. Die beiden Mädchen haben Najem auf die Idee gebracht, eine Fotoserie zum Thema „Kinder auf der Flucht“ zu machen. Es sind Porträts von Kindern, deren Augen verraten, was sie gesehen und erlebt haben, die aber trotzdem zuversichtlich in die Zukunft schauen. Die ausdrucksstarken Fotos sind noch bis Dienstag, 26. Juni 2018, in der Ausstellung im Zelt von „Arts by Children“ auf dem Lingener Marktplatz zu sehen, auch der Fotograf ist anwesend.

Eigene Erfahrungen

Najem Al-Khalaf, 1993 in der Nähe von Aleppo geboren, weiß aus eigener Erfahrung, was diese Kinder erlebt und gefühlt haben, und er möchte mit den Fotografien die Menschen berühren, ihnen einen Eindruck davon vermitteln, wie sich die Flucht auf die Kinder auswirkt. Mit 17 Jahren musste er Syrien verlassen, um dem Militärdienst zu entgehen. „Ich hätte gegen meine eigenen Leute kämpfen müssen, und das wollte ich auf keinen Fall“, erzählt er in einwandfreiem Deutsch.

Ein Jahr im Libanon

Zunächst ging er mit seinem älteren Bruder in den Libanon, wo er ein Jahr Politikwissenschaften und Journalismus studierte. Nach dem Ablauf des Visums machte er sich ohne ein klares Ziel alleine auf den Weg nach Europa: „Ich suchte einfach einen Platz, wo man in Ruhe leben kann. Es war für mich klar, dass ich weiter studieren und ein neues Leben beginnen will.“

Flucht-Odyssee durch viele Länder

Bis es so weit war, vergingen zwei Jahre. Seine Flucht-Odyssee führte ihn über die Türkei, Bulgarien, Griechenland, Belgien und Finnland nach Deutschland. Sein Ziel, Journalismus zu studieren, hat er während der ganzen Zeit nicht aus den Augen verloren. Bevor sich Najem an der Hochschule für Fotojournalismus und Dokumentarfotografie in Hannover bewarb, lernte er ein halbes Jahr intensiv Deutsch. Ende 2015 konnte er nach bestandener Aufnahmeprüfung das Studium beginnen. Sein Studium finanziert er selber mit Auftragsarbeiten als Fotojournalist und als Betreuer und Dolmetscher in Flüchtlingsheimen.

Gestresst von der deutschen Bürokratie

Bis zum Ende des Studiums gilt Najems Aufenthaltserlaubnis, aber er hofft, dass er dauerhaft in Deutschland bleiben und von hier aus als Fotojournalist weltweit arbeiten kann, vorzugsweise in Krisengebieten. Warum er bleiben will? „Na ja, weil ich die Sprache gelernt und mich schon angepasst habe. Es ist für mich ein gutes Gefühl, es geschafft und so weit gebracht zu haben. Ich fühle mich hier wohl“, versichert er.

Gibt es etwas, das ihm in Deutschland nicht gefällt? Najem muss lange überlegen. Dann fällt ihm aber etwas ein: „Doch, die Bürokratie. Die ist so krass und so anstrengend und stressig, da kann man manchmal den Mut verlieren.“

Berührende Begegnungen bei der Ausstellung

Doch dann gibt es Begegnungen, wie die während der Ausstellung in Lingen. Besonders angetan hat es ihm eine Schulklasse: „Ich fand es schön, wie offen und interessiert die Kinder Fragen gestellt haben. Sie wollten die Fluchtwege sehen, sind in das Boot eingestiegen. Es macht mich richtig glücklich, das so zu erleben. Die Kinder überraschen die Erwachsenen oft mit ihrer Neugier, Offenheit und mit ihren Fragen.“


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