Sambia beim WKT in Lingen Kinder klagen Doppelmoral an

Von Sebastian von Melle

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Lingen. Wenn eine Gruppe beim Welt-Kindertheater-Fest (WKT) aus Sambia kommt, erwartet man afrikanische Vitalität und Fröhlichkeit. Sehr überzeugend und engagiert verbreiteten die Kinder des „Child Exposure in Zambian Arts Trust“ (Chieza) lebendiges Flair in der Lingener Halle IV, aber auch Ernst und Nachdenklichkeit.

Die Großstadt Kabwe gilt als Wiege der sambischen Demokratie, ist durch den Abbau von Blei und Cadmium, aber auch einer der schmutzigsten Orte der Welt. Zehn Kinder und Jugendliche von dort zeigten das Drama um Kultur und Tradition, Verwahrlosung und Aufrichtigkeit. In unterschiedlichen Szenen und Tänzen konfrontierten sie die Erwachsenen mit deren Ambivalenz und Doppelmoral. Dabei beklagten sie vor allem den Verlust traditioneller Sitten und Werte und warben für eine selbstkritische Betrachtung der Wirklichkeit.

Sensationelle Bauchtanzakrobatik

Die ausverkaufte Vorstellung vor begeistertem Publikum begann mit einem Formationstanz in Schwarzweiß und der Frage „Who I am“. Es folgten Trommelrhythmen und afrikanischer Gesang in traditioneller Kleidung. Plötzlich durchbrechen Furcht einflößende Gewehrsalven die Idylle, und Soldaten versuchen, die Kinder zu rekrutieren. Während sie die Heuchelei ihrer Umgebung wahrnehmen, schleudern die Jungdarsteller in afrikanischem Englisch ebenso heftige Wortsalven zurück und unterstreichen ihre Wut mit sensationeller Bauchtanzakrobatik und weiteren Tänzen. „Wir sind krank und müde von eurer Lebensweise“, so die leidenschaftlich agierenden Sambier. Identität und Selbstvertrauen durch Übernahme von Verantwortung: der Chieza-Trust aus Kabwe ist auf dem richtigen Weg.


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