Äpfel als „Türöffner“ für Kunst Programm mit großer Nachhaltigkeit für das Emsland

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Lingen. Das Ästhetische Programm fürs Emsland – kurz Äpfel genannt - nähert sich dem Ende. Das Welt-Kindertheater-Fest in Lingen gibt nochmals Gelegenheit mit dem Apfel zu arbeiten. In einem Interview sprechen die Leiterinnen der Kunstschulen Lingen und Papenburg, Annette Sievers und Petra Wendholz, über ein erfolgreiches Programm mit großer Nachhaltigkeit.

Das Projekt Äpfel war jetzt rund ein Jahr in den vier Kunstschulen Papenburg, Meppen, Freren und Lingen präsent. Gibt es jetzt noch einen gemeinsamen Abschluss?

Sievers: Wir haben sehr unterschiedlich in den Kunstschulen zu diesem Thema gearbeitet. Zum Abschluss ist es uns wichtig, nochmal gemeinschaftlich zu agieren - nicht als große Aktion, sondern so, wie das Projekt auch war, als etwas, das sich entwickelt hat. Wir möchten einen Schlusspunkt finden, an dem wir uns nochmals treffen und das Wesentliche von Äpfel herausstellen.

Wendholz: Das Projekt hat große Nachhaltigkeit in den Kunstschulen bewirkt, besonders in Lingen und in Papenburg. Hilfreich war, dass wir Fortbildungen gemacht haben mit einer Kulturwissenschaftlerin und einer Künstlerin. Das hat die Teams der Kunstschulen näher zusammen- und Synergieeffekte gebracht. Wie möchten diese Kontakte gern beibehalten. Dafür bietet sich nun auch das Welt-Kindertheater-Fest (WKT) an, wo wir die Essenz des Äpfel - Projektes zusammen mit den Besuchern teilen können.

Was ist denn die Essenz?

Sievers: Was uns bei der Abschlussveranstaltung am 24. Juni wichtig ist, dass wir gemeinsam gestalterisch tätig werden mit dem Apfel als Symbol und dadurch in einen Austausch kommen. Das ist in den vielfältigen Angeboten und Aktionen, die wir auch als Team erarbeitet haben, immer wieder der Punkt gewesen.

Wendholz: Unser Anliegen ist aber auch, in die Gesellschaft zu wirken und nicht nur die zu erreichen, die kunstaffin sind. Mit dem Apfel hatten wir ein wunderbares Symbol, um ganz „normal“ an Menschen herantreten zu können und sich über den Apfel mit Kunst zu befassen. Es sind sehr viele neue Formate entstanden, die über das Thema Apfel mit unserer Methode der ästhetischen Bildung dann bearbeitet werden konnten und die die Tür geöffnet haben. Es geht in den seltensten Fällen bei unserer Arbeit um das intellektuelle Begreifen, sondern über das Tun, über das Anfassen – von Erde, von Äpfeln, einfach allen Materialien und die Auseinandersetzung, wie und was man damit gestalten kann. Das sind alles Fragen der Ästhetik, die eine große Rolle gespielt haben in dem Projekt. Der Apfel war da ein wunderbarer Mitspieler.

Wie kann man sich das vorstellen?

Sievers: Zunächst einmal war eine gewisse Irritation da: Was will denn Kunstschule mit einem Apfel? So wurde die Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt. Wir wollten, dass man sich intensiv und sensibel nur auf ein Objekt konzentriert und damit nicht nur gestalterisch im Kontext der Kunst tätig ist, sondern auch ganz global gesehen, auch ökologisch oder gesellschaftlich. Und das hat tatsächlich in ganz vielen Formaten funktioniert.

Zum Beispiel?

Sievers: Das Äpfel -Labor: ein Forschungslabor für Kinder als offenes Angebot ohne Voranmeldung für Kinder mit ihren Eltern oder andere Begleiter, die sich mit dem Apfel in der Kunst, aber auch dem Apfel als Frucht und Symbol beschäftigt haben. Es war ein buntes Miteinander verschiedener Generationen rund um ein Thema. Wo gibt es das sonst, dass man als Familie gestalterisch tätig sein kann? Über die Auseinandersetzung mit dem Apfel sind die Teilnehmer dann außerdem in die Apfelausstellung von Antje Majewski in der Kunsthalle gegangen.

Wendholz: Wir haben auch viele Formate gemeinsam entwickelt, wie das „Foto mit Apfel“. Das lief über Facebook. Da haben wir die Bevölkerung aufgefordert: „Schick uns ein Foto mit Apfel“. Ein Foto zu machen, kann ja heutzutage jeder. Und so einfach konnte man sich an einer Kunstaktion beteiligen.

Was nehmen Sie aus dem Programm mit für die weitere Kunstschularbeit?

Wendholz: Jeder Mensch hat so ein enormes kreatives Potenzial, egal, in welchem Alter er ist. Und das wollen die Kunstschulen ja auch befeuern – den Zugang zur eigenen Kreativität immer wieder zu öffnen. Das ist unser eigentliches Ziel.

Sievers: Wir haben sehr gut mit unseren Kooperationspartnern, wie dem Christophorus-Werk zusammen gearbeitet, aber auch neue Kooperationspartner dazu gewonnen. Auch die Nachhaltigkeit im Team ist sichtbar geworden - das Rückbesinnen auf das Wesentliche, was Kunstschulen ausmacht – das prozessorientierte Arbeiten. Und es hat neue Formate und Impulse gegeben, die wir jetzt weiterführen wollen.

Wird es ein vergleichbares Projekt geben?

Sievers: In unserem neuen Semesterprojekt zum Thema „Licht und Klang“ wird es wieder ein Labor geben – ähnlich dem Äpfel -Labor. Das gemeinsame Forschen und Gestalten mit Kindern und Erwachsenen hat sich als positiv und unglaublich fruchtbar erwiesen.

Wendholz: Ein so großes Projekt kann man nicht jedes Jahr machen. Die Kunstschulen des Emslandes haben aber schon in der Vergangenheit mehrere große Gemeinschaftsprojekte zusammen entwickelt. Somit reiht sich das Projekt Äpfel in diese Tradition ein und wird weiter wirken. Eine neue Zusammenarbeit ist bereits daraus entstanden: die Kunstschule Zinnober und die Kunstschule Lingen beteiligen sich an dem bundesweiten Erdfest als Initiativträgerinnen .

Das Ziel der Erdfest Initiative ist es, der Erde-als Boden und als Planet- endlich neu das zu schenken, was derzeit wirklich mangelt: Bewusstheit für eine echte Gegenseitigkeit mit ihr. Hierzu schlägt diese Initiative vor, mit dem Erdfest vom 22. bis 24. Juni ein neues Fest im Jahreslauf zu schaffen.

Aufbauend auf Äpfel wird unser Erdfest in 2018 noch einmal der Apfel prägen. Wir werden Besucher des Internationalen Festes in Papenburg am 23. Juni und des WKT in Lingen am 24. Juni einladen, auf vielfältige Weisen mit Äpfeln zu kommunizieren. Das kann man dann sowohl als Abschluss, als auch als Fortsetzung betrachten.


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