Disco Opera nicht betroffen Nach acht Jahren: Aus diesem Grund schließt das Palacio in Lingen

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Seit 2010 gibt es das Palacio in Lingen. Ende August 2018 schließt das Restaurant. Foto: Julia MauschSeit 2010 gibt es das Palacio in Lingen. Ende August 2018 schließt das Restaurant. Foto: Julia Mausch

Lingen. Dieser Samstag wird Palacio-Chef Mustafa Sahinkus in Erinnerung bleiben: Im Restaurant an der Schlachterstraße in Lingen findet eine türkische Nacht statt. Ihm zu Ehren – es ist seine Abschiedsfeier. Das Ende des Palacios.

Mustafa Sahinkus sitzt auf einem Ledersofa im Palacio. Es ist Donnerstagnachmittag. Entspannt rührt der 48-Jährige in seinem Kaffee. Das Restaurant öffnet erst Stunden später. An diesem Abend könnte es wieder voller werden, die heißen Tage der vergangenen Wochen sind vorbei. „Das ist gut für uns“, sagt Sahinkus. In jüngster Zeit hatten er und seine Ehefrau Hülya zu kämpfen, Gäste ins Palacio zu locken. Die Lingener wollten ihren Feierabend im Freien verbringen. „Die Terrasse hat bei uns gefehlt“, sagt Hülya Sahinkus. Die Gäste blieben aus, Einnahmen fehlten. Eine Erkenntnis, die für die Sahinkus nicht neu war. Doch waren die vergangenen Wochen für sie ausschlaggebend, das Handtuch zu werfen. Die Umsätze seien nicht rentabel genug gewesen, um das Palacio weiterzuführen.

Spitzenzeiten: 1500 Gäste am Tag

2010, als er die Gastronomie, an der Schlachterstraße in Lingen eröffnet hatte, sah das noch anders aus. Sahinkus hatte damals das Ziel, den Gästen auf zwei Ebenen die Möglichkeit zu bieten, à la Carte zu essen und im Anschluss den Abend auf der Tanzfläche ausklingen zu lassen.

Drei Jahre lang musste er kämpfen, bis er nach eigenen Angaben von der Stadt die Genehmigung erhielt, einen Club in der Gastronomie integrieren zu können. 2013 war es soweit, und das Geschäft lief gut. „In Spitzenzeiten hatten wir 1500 Gäste am Tag“, sagt Sahinkus.

Konkurrenz: Emslandarena in Lingen

Doch es war auch das Jahr, in dem die Emslandarena in Lingen eröffnet wurde. Eine große Konkurrenz für das Palacio, sagt Mustafa Sahinkus. Das Ausgehverhalten der Lingener hätte sich verändert. Ein Konzert in der Arena besuchen, oder einen Abend mit Freunden im Palacio verbringen – zwischen diesen beiden Optionen mussten sich die Gäste entscheiden. „Denn beides konnten sich die Wenigsten leisten“, sagt der Sahinkus. Hinzu kamen andere Gastronomen, die sich ebenfalls in Lingen und Umgebung niederließen. Die Konkurrenz war groß. (Weiterlesen: Wenn es Köche, Musiker und Zauberer nach Lingen zieht)

Die Besucherzahlen gingen zurück und beim Blick in die Kassen am Ende des Monats folgte vor allem in den vergangenen zwei Jahren Ernüchterung. „Gema-Gebühren, Tanzvergnügungssteuer, Ausgaben für die DJs – da ist einiges zusammengekommen“, erklärt Sahinkus. Ausgaben, die trotz vieler Gäste nicht aufgefangen werden konnten. „Es war ein Kampf gegen Windmühlen“, sagt er.

250.000 Euro für neuen Clubbereich

Ende Mai vergangenen Jahres schloss er deshalb den Clubbereich. (Weiterlesen: Club des Palacios in Lingen schließt Ende Mai 2017) Mit seinem Sohn Ulday Sahinkus überlegte er sich ein neues Konzept, um die Gastronomie und den Clubbereich wieder zu verbinden. 250.000 Euro wurden nach eigenen Angaben in die Hand genommen für die Neugestaltung der oberen Etage. Das Opera entstand – ein Club, in dem aber auch täglich kleinere Gerichte wie Burger, Sushi oder Fingerfood mit frischen Zutaten angeboten wurden. (Weiterlesen: Aus Palacio-Club wird Opera) Die Hoffnung, dass durch den Club auch das Restaurant wieder belebt wird, erfüllte sich aber nicht. Jetzt hat Sahinkus die Reißleine gezogen.

Opera von Palacio-Schließung nicht betroffen

Die Eingangstür zum Palacio öffnet sich zur Verabschiedung an diesem Samstag zur türkischen Nacht. Ein weiteres Mal am 30. Juni. Bis Ende August können Gäste im Palacio-Restaurant noch brunchen, nur halt nicht mehr abends essen. Diejenigen, die noch einen Gutschein von dem Restaurant besitzen, müssen sich laut Sahinkus nicht sorgen. Sie können in dieser Zeit im Palacio noch eingelöst werden, nach der Schließung dann in dem Restaurant Täglich in Meppen, das der zweite Sohn des 48-Jährigen führt.

Auch im Opera ist das möglich. Denn: Das Opera wird von Ulday Sahinkus geführt und ist nicht von der Schließung des Palacios betroffen, betont Mustafa Sahinkus. Die Gäste können weiterhin in der oberen Etage feiern. Möglich ist das, weil das Opera über einen separaten Eingang verfügt.

Urlaub zu kurz gekommen

Für Mustafa Sahinkus und seine Ehefrau beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Einen Nachmieter für das Palacio haben sie bereits gefunden. Ebenfalls ein Gastronom. Das Ehepaar will nun erst einmal Urlaub machen. Etwas, das während der 18-jährigen Gastronomietätigkeit zu kurz gekommen ist. Dennoch sagt Mustafa Sahinkus: „Ich würde es immer wieder machen.“


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