Interview mit Andreas Scheck Neptune-Chef in Lingen: Das Öl hat einen langen Atem

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Seit dem 1. Juni ist Andreas Scheck als Geschäftsführer für Neptune Energy in Deutschland mit der Zentrale in Lingen unterwegs. Foto: Schöning/NeptuneSeit dem 1. Juni ist Andreas Scheck als Geschäftsführer für Neptune Energy in Deutschland mit der Zentrale in Lingen unterwegs. Foto: Schöning/Neptune

Lingen. Seit dem 1. Juni 2018 ist Andreas Scheck neuer Geschäftsführer bei Neptune Energy (ehemals Engie bzw. GDF Suez) in Deutschland mit Sitz in der Waldstraße in Lingen. Im Interview mit der Redaktion äußert sich der Österreicher über die Aktivitäten und die Strategie des Unternehmens, das auf die Erkundung und Förderung von Öl und Gas fokussiert ist – auch in dieser Region.

Herr Scheck, seit Februar 2018 steuert das britische Unternehmen Neptune Energy seine Deutschlandaktivitäten vom Standort Lingen aus, der eine jahrzehntelange Tradition in der Erdöl- und Erdgasförderung hat. In Lingen selbst hat es im Vorfeld des Verkaufs der französischen Engie E&P an Neptune auch Unruhe unter den Mitarbeitern gegeben. Hat sich diese nun gelegt?

Ja, mit dem Wechsel zu Neptune ist Ruhe in das Unternehmen gekommen. Neptune konzentriert sich auf das Kerngeschäft Exploration und Produktion, also die Erkundung und Förderung von Erdöl und Erdgas. Auf dieses Kerngeschäft sind wir fokussiert. Dass es aber diese Unruhe gegeben hat, kann man nicht verhehlen. Mit dem Übergang zu Neptune im Februar haben wir nun einen ganz klaren Neustart.

Wie viele Beschäftigte arbeiten zurzeit an der Waldstraße?

Zurzeit sind es 230, an allen unseren Standorten in Deutschland aktuell 550.

Bei Neptune in Lingen arbeiten zum Teil hoch spezialisierte Fachkräfte. Ist der Fachkräftemangel bei Ihnen auch ein Thema?

Vom demografischen Wandel ist natürlich auch unser Unternehmen betroffen. Bei uns sind langjährige Mitarbeiter beschäftigt, die im Laufe ihrer Berufsjahre viel Fachwissen angesammelt haben und in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Wir müssen uns um den Erhalt dieses Fachwissens bemühen, indem der Nachwuchs frühzeitig in die Aufgaben eingebunden wird und Verantwortung übernimmt. Wir sind mit unseren verschiedenen, technisch anspruchsvollen Berufsfeldern ein attraktiver Arbeitgeber. In Zeiten von Vollbeschäftigung kommen allerdings weniger Bewerbungen, als in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten. Dass diese gegenwärtig gut sind, ist aber natürlich kein Grund zur Klage.

Was die Wirtschaftlichkeit in Ihrem Kerngeschäft anbelangt, spielt der Ölpreis eine große Rolle. Wie laufen die Geschäfte aktuell bei Neptune?

Zurzeit liegt der Ölpreis bei rund 70 Dollar pro Barrel (159 Liter), da kann man in der deutschen Ölförderung sein Auskommen finden. Wir hatten aber auch schon Zeiten, da war der Preis unter 30 Dollar pro Barrel gesunken, das war hart. Wir können den Ölpreis nicht beeinflussen, wir sind kein Saudi-Arabien. Was die Förderdauer beim Öl anbelangt, hängt diese also in erster Linie von der Wirtschaftlichkeit ab. Es ist eine Frage des Preises und der Kosten. Das Öl ist da. Wenn wir die Technik nutzen und der Preis passt, dann können wir in der Region auch noch in den nächsten 25 Jahren fördern.

Wie lohnend ist die Förderung in vergleichsweise kleinen Lagerstätten?

Diese lohnt sich nach wie vor. Das Emsland und die Grafschaft Bentheim haben eine lange Tradition in der Erdöl- und Erdgasförderung. Regionale Felder wie in Rühlermoor, Bramberge und weitere in der Grafschaft gehören zu den Top 10 in Deutschland – und das nach einem Förderzeitraum von über 70 Jahren. Uns kommt hier eine Besonderheit bei der Förderung zugute: Das Öl hat, anders als Gas, einen langen Atem. Ungefähr 70 Prozent der Menge, die wir fördern können, befindet sich noch im Boden. Beim Gas wird 80 bis 90 Prozent der vorhandenen Menge gefördert. Das heißt: Je nach technologischem Fortschritt kann das Öl über einen viel längeren Zeitraum weiter gefördert werden. Übrigens: Das Feld Rühlermoor, an dem wir auch beteiligt sind, ist das größte, an Land befindliche Ölfeld in Deutschland.

Wie viel Öl und Gas haben Sie im vergangenen Jahr in der Region gefördert?

Es waren 1,6 Terawattstunden Erdgas und 153.000 Tonnen Erdöl. Damit bilden das Emsland und die Grafschaft eine sehr starke Förderregion in unserem Portfolio.

Sie erwähnten das Fördergebiet Bramberge bei Geeste. Vor vier Jahren hat es dort eine Explosion mit vier Schwerstverletzten gegeben, einer von ihnen starb. Betreiberfirma war damals Vorgänger GDF SUEZ. Welchen Stellenwert nimmt für Sie das Thema Sicherheit ein?

Dieses Ereignis hat bei uns eine große Betroffenheit ausgelöst und beschäftigt uns immer noch sehr. Öl und Gas sind brennbar, es können explosionsfähige Gemische entstehen. Wir gehen jeden Tag mit diesen Stoffen um. In unserer Branche muss die Sicherheit absolute Priorität haben. Dieser Anspruch gilt für jeden von uns. Jeder von uns muss alles dafür tun, dass Sicherheitsvorschriften penibel eingehalten werden. Dies hat Vorrang vor allem anderen.

Eine private Frage: Kann sich ein gebürtiger Österreicher im flachen Emsland wohlfühlen?

Auf jeden Fall, zumal mir die Region auch gar nicht fremd ist. Ich war 22 Jahre lang bei der Wintershall tätig und habe 1996 meine berufliche Laufbahn in der Grafschaft angefangen. Deshalb kenne ich auch Nordhorn und Lingen und andere Regionen in Deutschland, aber auch weit entfernte Standorte im Ausland wie Sibirien und die Wüste in Libyen. Ich habe mir einen Beruf ausgesucht, der mich in viele interessante Gegenden führt – aber nicht, um sie zu bereisen, sondern um dort zu arbeiten. Mir hat es gefallen, dass Neptune das Deutschlandgeschäft und seine Öl- und Gasprojekte hier voranbringen möchte. Das interessiert mich, das ist meine Leidenschaft.


Andreas Scheck und Neptune

In den vergangenen vier Jahren hat Andreas Scheck als Leiter von Wintershall Deutschland den gesamten Bereich der Explorations- und Produktionsaktivitäten von Erdöl und Erdgas für die Wintershall in Deutschland verantwortet. Insgesamt war der 49-jährige Österreicher nach Angaben von Neptune Energy 22 Jahre bei Wintershall in unterschiedlichen Funktionen tätig – sowohl im internationalen als auch im deutschen Geschäft. Als Lagerstätten- und Produktionsingenieur promovierte Scheck an der Montanuniversität von Leoben.

Neptune Energy wurde eigenen Angaben zufolge im Juni 2015 als Investmentunternehmen gegründet, das sich auf große Öl- und Gasportfolios spezialisiert hat. Das Management-Team von Neptune Energy wird den weiteren Angaben des Unternehmens zufolge vom Branchenexperten Sam Laidlaw geleitet, der auf über 30 Jahre Erfahrung im Energiesektor zurückblicken kann.

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