Ausstellung in Lingen Eine Stimme für die Kinder, die keine Lobby haben

Von Elisabeth Tondera

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In das Welt-Kindertheater-Fest eingebunden ist die Ausstellung „Kinder auf der Flucht“, die noch bis zum 26. Juni im Zelt an der Marienstraße zu sehen ist. Foto: Elisabeth TonderaIn das Welt-Kindertheater-Fest eingebunden ist die Ausstellung „Kinder auf der Flucht“, die noch bis zum 26. Juni im Zelt an der Marienstraße zu sehen ist. Foto: Elisabeth Tondera

to Lingen „Kinder auf der Flucht – zwischen Entwurzelung und Heimatsuche“ – die Ausstellung des Kinderhilfswerks „terre des hommes“, die die Kinderkultur- und -hilfsorganisation Arts by Children (ABC) im Rahmen des Welt-Kindertheater-Festes in einem Zelt auf dem Lingener Marktplatz zeigt, hat in diesen Tagen eine erschreckende Realität.

Das stellten im Rahmen der sehr gut besuchten Eröffnung der Ausstellung am Weltflüchtlingstag einmütig der Präsident von ABC Norbert Radermacher, Oberbürgermeister Dieter Krone und Andreas Rister, Referatsleiter von „terre des hommes“, Osnabrück fest.

Krone wies darauf hin, dass dieses Thema in den letzten Tagen eine Aktualität erfahren habe, wie man sie nicht für möglich gehalten hätte. Als Beispiele nannte er die Irrfahrt des Rettungsschiffes „Aquarius“, das Zerwürfnis zwischen CDU und CSU um die Flüchtlingspolitik und Trumps Umgang mit den Flüchtlingen an der mexikanischen Grenze. Deshalb sei die Ausstellung sehr wichtig, denn „Sie erheben hier die Stimme für die Kinder, die keine Lobby haben.“

Eingebettet in das Welt-Kindertheater-Fest

Norbert Radermacher betonte, dass sich die Ausstellung „ganz bewusst und konzeptionell in das Welt-Kindertheater-Fest (WKT) einbindet, das viel dazu beigetragen hat, dass Lingen eine weltoffene, internationale und kulturelle Stadt geworden ist.“ Er erinnerte daran, dass ABC vor zehn Jahren aus dem WKT hervorgegangen ist als eine Einrichtung, die zwischen den Festivals Kindern, die in Not geraten sind, mit künstlerischen Mitteln zu helfen versucht. „Mit dieser ganz besonderen Zielsetzung und Methode ist Arts by Children einzigartig“, zeigte sich Radermacher überzeugt und dankte den ehrenamtlichen Helfern von ABC, insbesondere Angelika Löhr, für die Realisierung der Ausstellung.

Syrischer Flüchtling erzählt sein Schicksal

Er sieht das Projekt nicht als eine klassische Ausstellung, sondern als ein Gesprächsforum zu dem gesellschaftlich wichtigen Thema Flucht. Deshalb sei auch der junge syrische Flüchtling Najem Al-Khalaf eingeladen, während der Ausstellung über seine persönlichen Fluchterlebnisse zu berichten. Radermacher freute sich, dass sich schon einige Schulklassen dazu angemeldet haben.

Während Kinder aus 17 Nationen in Lingen ein Theaterfest des Friedens und der Freude feiern, macht die Ausstellung deutlich, dass weltweit 28 Millionen Kinder und Jugendliche infolge von Krieg und Vertreibung ihr Zuhause verloren haben und unter unwürdigen Umständen leben, bedroht von Missbrauch und Kinderhandel. Zitate von Kindern und Jugendlichen, die beim „terre de hommes“-Projektpartner Refugio-München in Therapie waren, lassen deren Not erahnen. Ein unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aus Somalia schreibt: „Meine Mutter sagte zu mir: Rette du wenigstens dein Leben. Und dann bin ich losgezogen. Die Flucht hat ein Jahr und fünf Monate gedauert.“

Thema vertieft durch Bilder der Kunstschule

Andreas Rister von „terre des hommes“ machte deutlich, dass die Ausstellung auf diese Not aufmerksam machen und zeigen will, wie den Kindern geholfen werden kann, indem sie beispielsweise auf die Hilfsprojekte der Organisation hinweist. Fotos junger Flüchtlinge und von Flüchtlingskindern in der Kunstschule unter der Leitung von Elke Schürhaus und Lisa Gaida gemalte Bilder vertiefen das Thema künstlerisch.

Die Ausstellung im Zelt an der Ecke Lookenstraße/Marienstraße ist bis zum 26. Juni täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.


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