Plötzlicher Abschied Irritationen über Aus des emsländischen Polizeichefs

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Karl-Heinz Brüggemann
              
                Foto: Wilfried RoggendorfKarl-Heinz Brüggemann Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Die Versetzung von Karl-Heinz Brüggemann als Leiter der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim auf ein landesweites Projekt hat Irritationen ausgelöst und Fragen nach dem Warum aufgeworfen.

Die Polizeidirektion Osnabrück beantwortet eine Anfrage der Redaktion nach den Hintergründen für das plötzliche Aus des 57-Jährigen auf seinem jetzigen Posten mit einem Blick nach vorn. Demnach habe sich Brüggemann nach einem Gespräch mit Polizeipräsident Bernhard Witthaut bereit erklärt, ein landesweites Projekt über die Auswirkungen der Digitalisierung auf die zukünftige Arbeit der Polizeibeschäftigten und auf die Bürger zu übernehmen. „Dies wird nicht im Nebenamt erfolgen, sondern direkt angebunden an die Polizeidirektion Osnabrück“, heißt es auf Anfrage. Weit fortgeschritten sind die Planungen zu dem Projekt offensichtlich noch nicht, jedenfalls nicht im Hinblick auf den jetzigen Zeitpunkt des Abschieds des gebürtigen Emsländers: „Entsprechende Details und Modalitäten zum Projekt befinden sich zurzeit in der internen Abstimmung“, heißt es aus Osnabrück offiziell weiter.

Emsländisch-direkte Art

In gut unterrichteten Kreisen wird davon ausgegangen, dass der Abschied Brüggemanns eher mit der emsländisch-direkten Art zu tun hat, mit der er seine Aufgabe stets angegangen hatte. Brüggemanns Art, Probleme auch öffentlich unumwunden beim Namen zu nennen, seien bei vorgesetzter Stelle nicht immer gut angekommen, heißt es. Brüggemann, der der rund 700 Mitarbeiter zählenden Inspektion 14 Jahre lang vorstand, hatte seinen Schreibtisch an der Wilhelm-Berning-Straße in Lingen Anfang vergangener Woche von einem Tag auf den anderen geräumt. Noch nicht geklärt ist laut Polizeidirektion auch die Nachfolge des Polizeichefs. Die Nachbesetzung werde im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens erfolgen, heißt es. Die Ausschreibung kann erst dann auf den Weg gebracht werden, wenn Brüggemann auch offiziell nicht mehr im Amt ist.

„Großes Bedauern für diesen Schritt“

Rückendeckung bekommt Brüggemann unter anderem aus den eigenen Reihen: „Der Personalrat bedauert diesen Schritt sehr. Er legt Wert auf die Feststellung, dass die Zusammenarbeit zwischen Personalrat und Inspektionsleitung stets von einem vertrauensvollen und respektvollen Umgang miteinander geprägt war“, heißt es in einer Stellungnahme des Personalratsvorsitzenden Klaus Herbers. Dafür spreche die Mitarbeitervertretung Brüggemann „ausdrücklich Dank“ aus. Auch die Rückmeldungen vieler Kollegen und Kolleginnen aus der Inspektion zeigten großes Bedauern über diesen Schritt, so der Personalrat weiter.

„Herber Verlust für die Region“

Bedauern äußert auch Spelles Samtgemeindebürgermeister Bernhard Hummeldorf. Die dortige Polizeistation ist im südlichen Emsland die größte Dienststelle neben dem Hauptquartier in Lingen: „Der Weggang von Herrn Brüggemann ist für die Samtgemeinde Spelle, ist für unsere Region ein herber Verlust“, sagt Hummeldorf auf Anfrage der Redaktion. „Sich ergebende Aufgaben und Missstände hat Herr Brüggemann deutlich benannt und ist diese stets mutig angegangen. Bei seiner pflichtbewussten Aufgabenerledigung hat er nicht immer den Weg des geringsten Widerstandes gewählt, sondern hatte das langfristige Wohl der Bürgerinnen und Bürger im Blick“, betont Hummeldorf.

„Verlässlicher Ansprechpartner der Landespolitik“

„Schade und bedauerlich“ nennt der Lingener Landtagsabgeordnete Christian Fühner den Abschied. Brüggemann sei für die Region ein Gewinn und ein verlässlicher Ansprechpartner der Landespolitik gewesen, so der CDU-Politiker.

Neustrukturierung der Inspektion umgesetzt

Der Leiter der PI hatte während seiner Amtszeit unter anderem die Neustrukturierung der Inspektion umgesetzt, den Bau eines landeseigenen Polizei-Trainingszentrums in Wietmarschen vorangetrieben und steht für etliche Neu- und Umbauten von Polizeistationen.

Im Mitarbeiterkreis beliebt

Inspektionsintern stößt das plötzliche Aus des dem Vernehmen nach im Mitarbeiterkreis äußerst beliebten Vorgesetzten auf wenig Verständnis. Das sei unwürdig gewesen, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Brüggemann selbst kommentierte seinen Abschied in einem Gespräch mit der Redaktion mit den Worten: „Ich verlasse die Inspektion eher mit zwei weinenden Augen als mit einem. Das ist mein Lebenswerk“


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