Kein Lebenslänglich-Urteil Ausnahme von der Regel nach Mord in Lingen

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Eine Ausnahme von der Regel ist jetzt beim Prozess um einen Mord am Schwarzen Weg in Lingen vor dem Landgericht Osnabrück zum Tragen gekommen. Symbolfoto: Michael GründelEine Ausnahme von der Regel ist jetzt beim Prozess um einen Mord am Schwarzen Weg in Lingen vor dem Landgericht Osnabrück zum Tragen gekommen. Symbolfoto: Michael Gründel

Lingen/Osnabrück. Für einen Mord sieht das deutsche Strafrecht lebenslange Haft vor — mindestens 15 Jahre. Es gibt aber auch Ausnahmen nach unten, wie das am Dienstag gefällte Urteil des Landgerichts Osnabrück gegen den Mörder eines 19-Jährigen am Schwarzen Weg in Lingen zeigt.

Die Schwurgerichtskammer verurteilte den 37-jährigen Angeklagten wegen Mordes bei eingeschränkter Schuldfähigkeit zu 13 Jahren Haft und wies den schwer von Alkohol und Drogen abhängigen Mann darüber hinaus für drei Jahre in eine geschlossene Entziehungsklinik ein. Im Falle eines erfolgreichen Drogenentzuges ist er möglicherweise bereits nach insgesamt sechseinhalb Jahren wieder auf freiem Fuß. Eine Grundlage der Entscheidung ist laut Sebastian Hohdorf, dem Pressesprecher des Landgerichtes Osnabrück, der Resozialisierungsgedanke im deutschen Strafrecht.

Längere Therapie

Für das Vorgehen der Richter gibt es laut Hohdorf mehrere Gründe. So kann laut Gesetz im Falle einer verminderten Schuldfähigkeit des Angeklagten der Strafrahmen nach unten verschoben werden — wie in diesem Falle auf mindestens drei und höchstens 15 Jahre. Hinzu kommt die Einweisung des seit Jahren HIV-infizierten und schwer drogenabhängigen Mannes für drei Jahre in eine Entziehungsklinik. Normalerweise, so Hohdorf, werden für derartige Entziehungen zwei Jahre angesetzt. In Ausnahmefällen seien aber auch drei Jahre möglich. Und zwar dann, wenn die Sachverständigen davon ausgehen, dass eine längere Therapie mehr Erfolg verspricht.

Überprüfung nach Hälfte der Haftzeit

Nach dem Willen des Gerichtes muss der Angeklagte nun zunächst für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis, um anschließend den dreijährigen stationären Entzug anzutreten. Macht zusammengerechnet einen Freiheitsentzug von sechseinhalb Jahren. Damit hätte er die die Hälfte seiner Haftzeit absolviert. Das Recht sieht vor, dass eine Strafe nach Verbüßung der Hälfte zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Der Angeklagte könnte dann also, einen erfolgreichen Entzug und eine günstige Sozialprognose vorausgesetzt, auf freien Fuß kommen. Sollten die positiven Umstände nicht vorliegen, müsste er im Gefängnis bleiben. Grundsätzlich so Hohdorf, sieht das Gesetz eine verpflichtende erneute Überprüfung durch ein Gericht nach Verbüßung von zwei Dritteln der Haftstrafe vor. Einen auch denkbaren stationären Entzug im Vorfeld der Haftstrafe bezeichnet Hohdorf auf Anfrage der Redaktion als „kontraproduktiv“.

Verfahren gegen Mitangeklagten eingestellt

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft den 37-Jährigen und einen 21-Jährigen wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt. Das Verfahren gegen den Mitangeklagten wurde letztlich eingestellt. Grundlage dafür ist laut Gericht die Erkenntnis, dass der Mann nicht an dem eigentlichen Mord beteiligt war. Auch eine mögliche Beihilfe zum Mord sei nicht nachzuweisen. Der Angeklagte selbst hatte ausgesagt, er habe die Tat gesehen und dann aus lauter Angst davor, das nächste Opfer des 37 Jährigen zu werden, dabei geholfen, die Leiche im Wald zu verscharren. Eine Darstellung, die Gericht und Anklagevertretung schließlich teilten. Letztlich wären zur Überzeugung der am Prozess beteiligten Juristen lediglich Delikte wie beispielsweise Störung der Totenruhe übrig geblieben, die nur milde Strafen nach sich gezogen hätten. Darüber hinaus, so hatte es im Zuge Prozesses geheißen, stünden die dafür möglichen Strafen in keinem Verhältnis zu einer im Raum stehenden dreijährigen Haftstrafe aus einem vorhergegangenen anderen Verfahren.


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