Versuch vorgeschlagen Soll Lingener Fußgängerzone für Radfahrer freigegeben werden?

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Soll das Radfahren in der Lingener Innenstadt erlaubt werden? Das wurde nun bei einem Termin in der Burgstraße diskutiert. Foto: Wilfried RoggendorfSoll das Radfahren in der Lingener Innenstadt erlaubt werden? Das wurde nun bei einem Termin in der Burgstraße diskutiert. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Sich von der Situation in der Lingener Burgstraße selbst ein Bild machen: Dazu hatte Anwohner Franz-Heinrich Schmitz in einem Leserbrief den Vorsitzenden des Verkehrsausschusses, Marc Riße (Bürgernahe), und Theresia Debeerst vom ADFC eingeladen. Hintergrund war der Vorschlag der Bürgernahen, die Fußgängerzone in der Burgstraße teilweise für den Radverkehr freizugeben.

Neben Riße und Debeerst waren Ratsmitglieder der CDU, Anwohner, Geschäftsleute und weitere interessierte Bürger dieser Einladung gefolgt. Es begann ein reger Austausch von Argumenten für und gegen eine Öffnung für Radfahrer – nicht nur eines Teilstücks der Burgstraße, sondern der ganzen Fußgängerzone.

Nottbeck: Radfahrer sind erhebliches Gefahrenpotenzial

Stefan Nottbeck vom gleichnamigen Schreibwarengeschäft sah in Radfahrern ein „erhebliches Gefahrenpotenzial“. Beim Verlassen eines benachbarten Geschäftes sei eine Verkäuferin dort von einem direkt entlang des Hauses fahrenden Radfahrer so schwer verletzt worden, dass sie vier Wochen lang krank gewesen sei. „Die meisten Radfahrer nutzen die Fußgängerzone als Durchgangsverkehr“, klagte Nottbeck. Ihm erschließe sich das Argument, mit einer Öffnung der Burgstraße diese zu beleben, nicht. „Wir können nicht das in der Fußgängerzone verbotene Radfahren legitimieren und so noch mehr Verkehr bekommen“, lehnte Nottbeck eine Öffnung ab. Auch Anwohner Schmitz blieb bei seiner ablehnenden Haltung.

Versuchsweise Öffnung nimmt Luft aus Diskussion

Doch es gab auch Befürworter einer Öffnung. Helmut Reimann vom ADFC erinnerte daran, dass das Klimaschutzteilkonzept der Stadt Lingen eine versuchsweise Öffnung der Fußgängerzone für Radfahrer vorsehe. „Das Miteinander von Fußgängern und Radfahrern klappt auch auf wesentlichen engeren Räumen als der Fußgängerzone, nämlich dort, wo diese sich einen kombinierten Geh- und Radweg teilen“, sagte Reimann. Eine Bürgerin meinte: „Mit einer versuchsweisen Öffnung nimmt man die Luft aus der ganzen Diskussion.“ Eine Meinung, die auch weitere Bürger teilten.

Fahrradspur könnte zur „Autobahn“ werden

Auf wenig Zustimmung stieß hingegen der Vorschlag, mitten durch die Fußgängerzone eine Fahrradspur zu markieren. „Dann würden die Radfahrer nicht kreuz und quer fahren“, begründete eine Bürgerin ihre Idee. Debeerst sprach sich gegen eine solche optische Trennung der Bereiche für Radfahrer und Fußgänger aus: „Dann rasen die Radfahrer wieder.“ Ein anderer Bürger befürchtete, dass eine solche Fahrradspur zur „Autobahn“ werden könnte.

Gesellschaft nicht an Rüpeln ausrichten

Das unangemessene Tempo einiger Radfahrer wurde allgemein als Problem gesehen. „Unser Vorschlag war, bei einer Öffnung der Fußgängerzone für Radfahrer das Tempo auf zehn Stundenkilometer zu begrenzen“, sagte Riße. 25 Stundenkilometer seien in der Fußgängerzone definitiv zu schnell. Ratsherr Thomas Wilbers (CDU) befürchtete, wegen der steigenden Zahl von Pedelecs würden die Radfahrer immer schneller fahren. Dem hielt eine Bürgerin entgegen, dass die Mehrheit der Radfahrer sich vernünftig verhalte. „Kein Radfahrer fährt absichtlich einen Fußgänger um“, erklärte die Frau. Ein anderer Bürger sagte zu den zu schnell fahrenden Radlern: „Wir dürfen die Gesellschaft nicht an den Rüpeln ausrichten.“ Auch er sprach sich für eine Öffnung der Fußgängerzone für Radfahrer aus.

Teilweise Öffnung nicht Halbes und nichts Ganzes

CDU-Ratsherr Georg Lohmann erklärte zum ursprünglichen Antrag der Bürgernahen auf teilweise Öffnung der Burgstraße für Radfahrer: „Die bis zur Karolinenstraße oder Baccumer Straße zu öffnen, ist nichts Halbes und nichts Ganzes – wenn, dann konsequent überall in der Fußgängerzone.“ Ein weiteres Thema waren Paketdienste, die bis 11 Uhr die Fußgängerzone befahren dürfen, während Radfahrern dies derzeit nur bis 10 Uhr morgens erlaubt ist. Hier solle eine Angleichung erfolgen, war die überwiegende Meinung.


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