Vertreterversammlung und 125. Geburtstag Raiffeisen hätte wohl seine Freude an der Volksbank Lingen

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Rheinland-Pfalz, Flammersfeld: Eine lebensgroße Puppe steht in dem über 230 Jahre alten Fachwerkhaus, in dem der Sozialreformer und Vater der Genossenschaften in Deutschland, Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 -1888) mit seiner Familie lebte und arbeitete. Foto: Thomas Frey/dpaRheinland-Pfalz, Flammersfeld: Eine lebensgroße Puppe steht in dem über 230 Jahre alten Fachwerkhaus, in dem der Sozialreformer und Vater der Genossenschaften in Deutschland, Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 -1888) mit seiner Familie lebte und arbeitete. Foto: Thomas Frey/dpa

Lingen. Wenn die Volksbank in Lingen an diesem Donnerstag, 21. Juni 2018, zur Vertreterversammlung in die Emslandhallen einlädt, hat sie einen besonderen Grund zur Freude dazu: Exakt vor 125 Jahren, am 21. Juni 1893, begann bei einer Versammlung in der Gaststätte Müter in der Burgstraße die Gründungsgeschichte der Volksbank.

Da trifft es sich ganz gut, dass die Bilanz der Bank im Jubiläumsjahr erstmals den Wert von einer Milliarde Euro übersprungen hat. Von einer solchen Entwicklung hätte der Gründervater des Genossenschaftswesens, Friedrich Wilhelm Raiffeisen, wohl kaum zu träumen gewagt. Vor 200 Jahren, am 30. März 1818, wurde Raiffeisen in Hamm an der Sieg in Rheinland-Pfalz geboren. Seine rheinische Heimat hat er nie verlassen, aber seine Ideen, die auf ein religiös geprägtes Menschenbild basierten, haben sich weltweit verbreitet. Solidarität und Hilfe zur Selbsthilfe, um das Los der armen Landbevölkerung zu verbessern: Darauf setzte der Beamte und Bürgermeister in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die ersten Genossenschaften im heutigen Sinne gründete Raiffeisen im Jahr 1862. Eine Anleitung zur Bildung solcher Kreditgenossenschaften veröffentlichte er 1866 in seinem Buch „Die Darlehnskassen-Vereine“. Aus ihnen entwickelten sich später die Raiffeisenbanken. „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele“, ist ein Zitat von Raiffeisen, das die Idee der Genossenschaft in einem Satz bündelt. Der zweite Vater des Genossenschaftswesens, Hermann Schulze-Delitzsch (1808 bis 1883) gründete damals Vorschuss- und Kreditvereine. Raiffeisen hatte eher die arme Landbevölkerung im Blick, Schulze-Delitzsch die städtischen Handwerker.

Mitgliederversammlung höchstes Organ

Wie funktioniert eine Genossenschaft? Die Mitgliederversammlung ist den Angaben der Volksbank Lingen zufolge das höchste Organ der Genossenschaft. Sie entscheidet über den Jahresabschluss, die Gewinnverwendung, die Besetzung des Aufsichtsrates sowie über wichtige Vorhaben wie Fusionen und satzungsgemäße Zustimmungen. Als Genossenschaftsbanken gehören diese den Mitgliedern, die zugleich auch ihre Kunden sind. Ende 2017 hatte die Volksbank in Lingen 20.260 Mitglieder. Im November 2016 hatte die Bank mit dem sechs Monate alten Kalle Pott den 20.000. „Eigentümer“ begrüßt.

Die Mitgliedschaft ist aber bei den Volks- und Raiffeisenbanken keine Verpflichtung. Es gibt auch Kunden, die keine Mitglieder sind. Mitglieder können maximal fünf Geschäftsanteile zum Gesamtwert von 750 Euro erwerben. Damit verbunden war im Geschäftsjahr 2016 eine Dividende von vier Prozent. Wie hoch sie für das Jahr 2017 ausfällt, wird in der Vertreterversammlung an diesem Donnerstag bekannt gegeben.

Weitere Bestandteile der Genossenschaft sind der Aufsichtsrat, der den Vorstand überwacht und kontrolliert, die Generalversammlung mit den Mitgliedern, in der jeder das gleiche Stimmrecht hat – unabhängig von der Höhe der Beteiligung – und der Vorstand. Er besteht aus mindestens zwei Personen und leitet die Geschäfte. Aktuell sind dies Jürgen Hölscher und Carsten Schmees.

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