„Wir machen weiter!“ Interreligiöses Friedensgebet im Kulturforum Lingen

Von Sebastian von Melle

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Lingen. „Nehmt alle den Frieden an!“ Eindringlich hat der Imam aus der zweiten Sure des Korans den Appell des Propheten in arabischer Sprache deklamiert. Sein Gesang drang unmittelbar in die Ohren und Herzen der 150 Menschen, die zum zweiten interreligiösen Friedensgebet ins Lingener Kulturforum St. Michael gekommen waren. Texte, Gebete und Musik der drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam taten ihre berührende Wirkung.

Dekanatsreferent Holger Berentzen hatte das Treffen auf Anregung des Forums Juden-Christen arrangiert und darauf geachtet, dass die Beiträge ausgewogen und gleichberechtigt nacheinander zu hören waren. Seine ordnende Hand im Hintergrund half allen Beteiligten, sich auf die Stunde einzulassen, so unterschiedlich die Erwartungen und Erfahrungen mit religiöser Praxis gewesen sein dürften. Der Applaus am Schluss gab Berentzen und dem Forum jedenfalls Recht, dessen Vorsitzender Heribert Lange mit Nachdruck versprach: „Wir werden weitermachen, und das Ziel des Dialogs, der Verständigung und des befriedeten Miteinanders wird uns weder loslassen noch aus dem Sinn und aus dem Blick kommen.“

„Frieden schafft Raum zum Leben“

In seiner Einführung nannte Lange das Friedensgebet „ein Zeichen für unsere Entschlossenheit, den wohlfeilen, aber eher billigen populistischen Heilungsformeln selbsternannter Gesellschaftsapostel mitsamt der ebenso empörenden wie unerträglichen und fortdauernden antisemitischen, antiislamischen und neonazistischen Hetze hier und überall sonst zu widerstehen“. Den Weg der Versöhnung und des Friedens bezeichnete Lange als einzige Weise des gesellschaftlichen Miteinanders, die Raum, Luft und Atem schaffe zum Leben auf dieser Welt.

Gegenseitige Bestärkung

Frieden ist nach Auffassung des Vorsitzenden des Forums die Umsetzung des gemeinsamen Gebots der Nächstenliebe in den Verfassungen der Gesellschaften und ihrer Staaten. Von der Wirkkraft dieser Idee gebe es aber „nicht genug, um davon ermutigt zu sein, für den Frieden einzustehen oder gar für ihn zu streiten“. Das gemeinsame Gebet diene der gegenseitigen Bestärkung im dafür nötigen unerschütterlichen Willen, in der ebenso nötigen Geduld und der hoffentlich nicht erlahmenden Zuversicht, so Lange.

Musik ganz anderer Art

Sätze aus Triosonaten der Barockkomponisten Quantz, Pepusch, Bach und Telemann wurden von Elisabeth Groth (Flöte), Ulrike Seiling (Violine) und Peter Müller (Klavier) absolut überzeugend interpretiert und gaben den liturgischen Texten einen eindrucksvollen Rahmen. Musik ganz anderer Art präsentierte der Kantor der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, Baruch Chauskin, der zwei Psalmen in hebräischer Sprache sang und sich dabei auf der Gitarre begleitete. „Der Herr ist mein Hirte“, das kam vielen bekannt vor. Pastor Paul-Gerhard Meißner von der Lingener Kreuzkirche las aus dem zwölften Kapitel des Römerbriefs, und Kaplan Michael Schockmann von der Pfarreiengemeinschaft Lingen-Süd sprach ein längeres Gebet.

Beredtes Schweigen und fröhliche Begegnung

Beredtes Schweigen entstand, als Pastor Gernot Wilke-Ewert als stellvertretender Vorsitzender des Forums zu einer Zeit der Stille aufrief und alle sich dafür erhoben. Nach dem gemeinsamen Gesang „Wir wünschen Frieden euch allen“ gab es Gelegenheit zur fröhlichen Begegnung bei Getränken und frischem Brot.


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