Jahreskonzert des Lingener Chores Männerquartett zeigt große musikalische Bandbreite

Von Margrit Lehmkuhl-Wiese

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Das Lingener Männerquartetts unter neuer Leitung von Altistin und Dirigentin Eline Harbers hat unter dem Thema „Berliner Luft und Wiener Melange“ vielfältigen Anlass geboten, sich musikalisch den Trägern von Erinnerungen zu widmen. Foto: Margrit Lehrmkuhl-WieseDas Lingener Männerquartetts unter neuer Leitung von Altistin und Dirigentin Eline Harbers hat unter dem Thema „Berliner Luft und Wiener Melange“ vielfältigen Anlass geboten, sich musikalisch den Trägern von Erinnerungen zu widmen. Foto: Margrit Lehrmkuhl-Wiese

Lingen. Das traditionelle Jahreskonzert des 1952 gegründeten Lingener Männerquartetts unter neuer Leitung von Altistin und Dirigentin Eline Harbers hat unter dem Thema „Berliner Luft und Wiener Melange“ vielfältigen Anlass geboten, sich musikalisch den Trägern von Erinnerungen zu widmen.

Unterstützt wurden sie dabei von niederländischen Musikern. Peter Nijland sorgte am Klavier für klangvolle Unterstützung und zeichnet für die Arrangements der Chorliteratur Verantwortung, Bennie Waanders am Saxofon und Koen Edeling am Akkordeon begleiteten einfühlsam und sorgten für klangvolle Intermezzi.

Pariser Flair im „Wiener Café“

„Wiener Melange“ ist kräftiger Kaffee mit geschäumter Milch, im ersten Programmteil in unterschiedlichen Variationen dargeboten. Das Harry Lime Thema aus dem Film „Der Dritte Mann“, ursprünglich mit der prägnanten Zither eingespielte Filmmusik von Anton Karas, wurde zum Auftakt umgesetzt in nostalgischen Klang mit Text und versetzte die Zuhörenden ins Wiener Kaffeehaus. Schuberts „Nacht und Träume“ gab der präsentierten Melange ein bisschen Süße, Haydns „An die Frauen“ einen Schuss Geschlechterschwärmerei, um dann vor lauter Sehnsucht die halbe Nacht wach zu liegen. Georg Kreislers „Lied für den Kärntner Männerchor“ goss ein bisschen Frechheit, Frivolität und Widerständigkeit in die Melange. Ein Intermezzo des Saxofonisten Bennie Waanders und Koen Edeling am Akkordeon brachte Pariser Flair ins Wiener Café und erinnerte daran, dass auch Café au lait gut schmeckt.

Temperamentvolle Dirigentin

Im Kaffeehaus liegt natürlich auch Liebe in der Luft. Ob Sieczynski „Wien, du Stadt meiner Träume“ sich verortet als „dort, wo ich glücklich und selig bin“, Robert Stolz „Mein Lieblingslied muss ein Walzer sein“ kurz zum Tanz ins Weiße Rößl entführt und „Im Salzkammergut“ Gelegenheiten, Zufall und Situatives in Poesie und Klang zu finden sind, das Lingener Männerquartett und seine temperamentvolle Dirigentin leuchten alle Facetten aus und ermuntern zum Mut für Gefühle auch bis zur Grenze der Sentimentalität.

Stehende Ovationen

Sprung in die „Berliner Luft“ und die Frage, ob dies auch ein warmer und vertrauter Ort ist. Mit dem Kampschen „Heimweh nach dem Kurfürstendamm“ positiv beantwortet. Doch das romantische Interieur hat Sprünge. Mit Pete Seegers Antikriegslied „Sag mit wo die Blumen sind“ und die Erinnerung an Interpretin und Berlinerin Marlene Dietrich wird die zerstörerische Kraft des Krieges von den Musikern thematisiert, fortgesetzt durch die Suche nach Wahrheit und weiteren Perspektiven zur Betrachtung der Welt durch Weills „Die alten Weisen“, Heymanns „Irgendwo auf der Welt“ und Meys „Über den Wolken“.

Doch grenzenlos ist die Freiheit nicht, denn Weills „Mackie Messer“ ist als Haifisch mit seinen scharfen Zähnen unterwegs. Aber zum guten Schluss löst sich in der „Berliner Luft“ im Kulturforum St. Michael alles in Wohlbefinden, gemeinsamem Gesang, stehenden Ovationen und Rufen nach Zugabe auf. Dem kamen die Sänger mit der großen musikalischen Bandbreite gerne nach und luden noch zum gemütlichen Zusammensein ein.


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