E-Trolleys für Zusteller mit Handicap Post setzt auf Elektromobilität in Lingen

Von Ludger Jungeblut


Lingen. Die Deutsche Post in Lingen weiß die Elektromobilität zum Wohl ihrer Beschäftigten zu nutzen. Wolfgang Brockhaus (48) und Claudia Albrink (43) verwenden seit dem Frühjahr 2017 E-Trolleys für die Briefzustellung in der Lingener Innenstadt.

„Die Trolleys geben wir nicht mehr her“, betonen sie übereinstimmend in einem Gespräch mit der Redaktion im DHL-Zustellstützpunkt an der Alten Haselünner Straße am Rande der Innenstadt.

Jeden Werktag treffen die beiden gegen 6.45 Uhr beim Zustellstützpunkt ein, um die Briefe, die für die 1200 Haushalte in der Innenstadt bestimmt sind, in die am E-Trolley angebrachten Packtaschen zu verstauen. Brockhaus ist seit 1986 bei der Post, Albrink seit 1991.

Bedienstete müssen mit Handicaps klarkommen

Nicht nur die gemeinsame Aufgabe verbindet sie, beide müssen auch mit einem Handicap klarkommen. Während Claudia Albrink seit der Geburt die linke Hand fehlt, muss Wolfgang Brockhaus – ebenfalls seit der Geburt – ohne seinen rechten Arm leben. Aus diesem Grund trägt er eine Prothese.

Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h

Gegen 9 Uhr machen sich die beiden mit den E-Trolleys, die von einem 500 Watt starken Elektromotor angetrieben werden, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h auf den Weg in die City. Das sehr wendige Gefährt, mit dem man auch rückwärts fahren kann, bewegt sich aus Sicherheitsgründen aber nur dann, wenn die Briefzusteller eine Taste (Brockhaus ist mit einem moderneren Typ als seine Kollegin unterwegs) beziehungsweise einen Hebel gedrückt halten.

Kinder würden gerne mit dem Trolley fahren

Brockhaus: „Vor allem die Kinder möchten gerne mit dem Trolley fahren, was natürlich aus Sicherheitsgründen nicht geht, auch wenn ich scherzhaft den Kindern sage, dass sie dann die Post austragen müssten.“

Viel Kontakt mit den Bürgern

Je nach Aufkommen ist die Briefzustellung bis etwa 15.30 Uhr abgeschlossen. Dann kehren die beiden Bediensteten mit den E-Trolleys zum Zustellstützpunkt zurück und schließen die E-Trolleys an die Ladestation an. Bisher haben die Wägelchen nach ihren Worten noch nie ihren Dienst versagt. „Die Benutzung des Trolleys schont den Rücken“, hebt Albrink den gesundheitlichen Aspekt hervor. An ihrem Job lieben die beiden vor allem den Kontakt mit den Bürgern. Man kennt sich.

Paketzustellung erfolgt gesondert

„Meistens erfolgt die Zustellung in der Stadt Lingen im Verbundsystem, das heißt, die Bediensteten befördern sowohl Pakete als auch Briefe mit herkömmlichen Transportfahrzeugen“, erläutert der Leiter des Zustellstützpunktes, Manfred Denningmann und fügt hinzu: „Um auf die körperliche Beeinträchtigung von Brockhaus und Albrink Rücksicht zu nehmen, sind diese aber nur mit der Briefzustellung beauftragt. Die Paketzustellung erfolgt gesondert.“

Werbeträger für die Stadt

Denningmann lobt den Einsatz der Kollegin und des Kollegen mit den Worten: „Sie sind ein absoluter Werbeträger für die Post.“ Die Bitte der beiden um Anschaffung der Trolleys habe er gerne unterstützt. Die vom Schweizer Unternehmen Kyburz gefertigten E-Trolleys schlugen nach Denningmanns Angaben jeweils mit einem hohen vierstelligen Betrag zu Buche. Früher waren Brockhaus und Albrink zu Fuß unterwegs und mussten eine Handkarre schieben.

„Unternehmen setzt Inklusionsgedanken konsequent in die Tat um“

„E-Trolleys sind ideale Gefährte, um Kollegen mit Handicaps die Arbeit zu erleichtern“, betont Maike Wintjen von der Pressestelle Hamburg der Deutschen Post AG. Das Unternehmen setze den Inklusionsgedanken konsequent in die Praxis um. Nach Angaben von Wintjen beschäftigte die Post im Jahr 2014 insgesamt 14.741 Mitarbeiter mit Behinderungen und damit 571 mehr als ein Jahr zuvor. „Die Beschäftigungsquote von 9,1 Prozent ist mehr als doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt in der privaten Wirtschaft“, unterstreicht Wintjen.

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