Prozess vor dem Landgericht Lingener Messerstecherei offenbar Beziehungstat

Von Norbert Meyer

Sind die blutigen Folgen einer Schlägerei vor einer Lingener Diskothek im Januar 2017 aus Notwehr entstanden oder nicht? Diese Frage hat das Landgericht Osnabrück zu klären. Foto: Norbert MeyerSind die blutigen Folgen einer Schlägerei vor einer Lingener Diskothek im Januar 2017 aus Notwehr entstanden oder nicht? Diese Frage hat das Landgericht Osnabrück zu klären. Foto: Norbert Meyer

mey Lingen. Eifersucht ist offenbar der Hintergrund einer Bluttat in Lingen Anfang 2017. Ein junger Mann muss sich dafür seit gestern vor dem Landgericht Osnabrück verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 24-jährigen gelernten Fahrzeuglackierer unter anderem versuchten Totschlag vor. Er soll am frühen Morgen des 29. Januar 2017 vor einer Lingener Diskothek zunächst selbst mit einem Faustschlag attackiert worden sein und daraufhin aus dem Auto eines Begleiters ein Klappmesser geholt haben. Damit hat er dem Angreifer laut Anklage neun zum Teil tiefe Schnittwunden zugefügt undzwei Zeuginnen an den Händen verletzt.

Laut dem Angeklagten war es aber eine Reihe von Schlägen, die er abbekam, bevor er zum Messer griff. Der Mann schilderte dem Gericht die „Vorgeschichte“. Demnach hatte er zeitweilig eine Beziehung zu einer jungen Frau, mit der zuvor und danach auch sein Kontrahent liiert gewesen sei. Dieser habe ihm unterstellt, weiter Kontakt zu seiner Ex-Freundin zu suchen. „Er hat mich mehrmals spätabends angerufen und nachts sind Leute hinter mir hergefahren“, so der Beschuldigte. Zudem laufe man sich in Lingen „halt immer über den Weg“. Er habe sich von dem neuen Partner der Frau und dessen Bruder verfolgt gefühlt.

Verteidiger macht Notwehr geltend

Zur Tatnacht erklärte der Angeklagte, dass er in Begleitung von Bekannten zunächst in anderen Lokalen und schließlich in der Diskothek gewesen sei.  Dort habe er den Partner seiner Ex-Freundin sowie dessen Bruder erkannt und sich entfernen wollen. Bevor er ins Auto eines Freundes steigen konnte, habe er zunächst von schräg hinten einen heftigen Hieb und danach weitere Schläge an den Kopf bekommen. Seine Augen seien zugeschwollen und er habe kaum noch etwas gesehen. Im Auto, in das er sich nach eigener Aussage nicht flüchten konnte, weil er „irgendwie herausgezogen“ wurde, habe er das Messer ertastet und sich damit zur Wehr gesetzt. Der Verteidiger machte im Gespräch mit unserer Redaktion Notwehr für seinen Mandanten geltend und will auf Freispruch plädieren.

Als erste Zeuginnen sagten zwei Polizistinnen aus. Beide waren nach der Bluttat vor der Diskothek im Einsatz und ermittelten danach auch im Lingener Bonifatius-Hospital, in das sowohl der durch die Schnittwunden Verletzte als auch der an der Hand schwer verletzte Angeklagte gebracht worden waren. Letzterer war vom Sicherheitsdienst der Diskothek überwältigt worden.

Millimeter am Tod vorbei?

Die jüngere Beamtin sagte aus, sie habe Aufnahmen vom Gesicht des Geschädigten gemacht. Dabei sei ihr besonders eine tiefe Schnittwunde aufgefallen, die „vom Kehlkopf bis zum Ohr reichte“. Der Arzt habe ihr gesagt, dass diese hätte tödlich sein können, wenn sie einige Millimeter tiefer gewesen wäre. Das bestätigte die ältere Kollegin der Polizistin. Sie habe in 25 Dienstjahren schon manche Verletzung gesehen, „aber diese sah mega-heftig aus“, sagte sie. Auch der Angeklagte hat durch den Vorfall einen bleibenden Schaden erlitten: Seine Hand ist trotz mehrerer Operationen stark beeinträchtigt. Der Prozess wird fortgesetzt.


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