Urgestein in Lingen-Damaschke Darum schließt der Bastelladen Stahs nach mehr als 60 Jahren

Von Julia Mausch

Stand über Jahren den Kunden mit Tat und Rat zur Seite: Kerstin Stahs. Foto: Julia MauschStand über Jahren den Kunden mit Tat und Rat zur Seite: Kerstin Stahs. Foto: Julia Mausch

Lingen. Über Jahre war er die Anlaufstelle für Bastelfans in Lingen und Umgebung. Der Bastelladen Stahs für Kreative in Lingen. Tausende Artikel finden sich dort. Noch. Ende Juni schließt das Geschäft nach mehr als 60 Jahren.

Lächelnd stehen Kerstin und Hermann Stahs am Tresen in dem gleichnamigen Bastelgeschäft in Damaschke. Neben ihnen hängt ein Plakat. „Ausverkauf“ steht dort in großen Buchstaben. „Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt“, sagt Kerstin Stahs. 27 Jahren lang hat die mittlerweile 52-jährige Hamburgerin in Damaschke alles verkauft, was Menschen zum Basteln brauchen. Sie wusste, welchen Kleber man nimmt, um Steine auf Stoff zu befestigen und welche Grußkarte für die verschiedenen Anlässe die Richtige ist.

Aus Landhandel wird Bastel-Geschäft

Einige würden wohl Wirrwarr dazu sagen, was sich Kerstin Stahs in dem Ladenlokal aufgebaut hat. Hier ein Regal mit buntem Papier, dort ein Stapel mit Karten und zwischendrin ein paar kleine Puppen mit Kulleraugen oder Kerzen, mit dem Datum der Hochzeit. Kerstin Stahs lacht: „Das hat alles System.“ Die Ladenchefin weiß genau, wo sie welche Ware hat. Schließlich hat sie das Geschäft mit aufgebaut.

Das Geschäft, das einst ein Landhandel war. Hermann Stahs Eltern, Hermann und Elisabeth Stahs, hatten das Geschäft, das sich auf Kohle, Futter- und Düngermittel spezialisiert hatte, in den 1950er-Jahren eröffnet. Nachdem die Nachfrage nach Kohle immer rückläufiger geworden war, machten sie aus dem Landhandel 1982 ein Gartenmarkt. Es wurde umgebaut, durch ein Lager auf der Rückseite des Hauses an der Von-Droste-Hülshoff-Straße erweitert und Sohn Hermann stieg ein. Er übernahm das Geschäft.

Mundpropaganda zahlt sich aus

1989 stieg dann Ehefrau Kerstin Stahs ebenfalls ins Geschäft ein. Drei Jahre wuchtete sie Futter- und Düngemittel von der einen zur anderen Seite. Für die zierliche Frau eine große Belastung. Als sich dann auch noch in der Nachbarschaft ein weiterer Baumarkt ansiedelte, zog Hermann Stahs die Reißleine. Die einstigen Gartenmarkt-Kunden fanden in dem Geschäft nicht mehr Futtermittel vor, sondern Bastel-Artikel. Ein neuer Geschäftszweig war geboren, doch weniger zur Freude einiger Altkunden, die mit Perlen, Farbe, Kleber, Stiften und Kerzen wenig anfangen konnten. Auch war die Lage des Geschäftes nicht optimal, erinnert sich Kertin Stahs an die eher holprigen Anfänge. Zugute kam ihr, dass ein Bastelgeschäft in der Innenstadt schloss. Die damalige Inhaberin war Stahs wohlgesonnen und machte für sie Mundpropaganda. „Da war der Knoten geplatzt.“

Trend zu spät erkannt

Immer mehr Kunden kamen in das Geschäft in Damaschke. Selbst aus Meppen oder Nordhorn, erinnern sich die Inhaber. Mit Anlass-Artikeln, wie Kerzen zur Kommunion, Karten zum Geburtstag, Winterlichter zu Weihnachten oder Osterschmuck machte sich Kerstin Stahs einen Namen. Dabei orientierte sie sich an aktuellen Trends. Und probierte auch mal Neues aus, sprang aber nicht immer direkt auf jeden „Trend-Zug“ auf – was ihr auch mal zum Verhängnis wurde. „Window-Colour war so eine Sache, ich habe zu spät gemerkt, dass das der absolute Trend werden wird“, ist Stahs ehrlich. Doch sie gab nicht auf, bastelte sogar in den Abendstunden und entwarf Neues, während die Ladentüren längst geschlossen waren.

Internet-Handel zu große Konkurrenz

Ihr Engagement war groß, doch wurde es im Laufe der Jahre immer schwerer, gegen den Internet-Handel anzukommen. Großkunden, wie Schulen und Kindergärten, die sie einst belieferten, sprangen ab und bestellten die Artikel online. Genauso wie einige Kunden, die sich zwar von Kerstin Stahs beraten ließen, dann aber doch im Netz bestellten. „Bei mir haben sie dann das gekauft, was sie im Internet zu bestellen vergessen haben.“ Es gab Zeiten, da habe sie mit ihrem Ehemann überlegt, auf diesen Zug ebenfalls aufzuspringen und Ware auch im Internet anzubieten. „Wir standen vor der Entscheidung, noch einmal richtig Gas zu geben – mit allem was dazu gehört – oder die Notbremse zu ziehen.“

Die Entscheidung fiel auf zweiteres. Spätestens Ende Juni will das Ehepaar die Türen des Bastel-Geschäftes für immer abschließen. Bis dahin ist Ausverkauf. „Wir haben auch nach einem Nachfolger gesucht, aber bisher hatten wir keinen Erfolg“, sagt Hermann Stahs. Deswegen überlege man, das Ladenlokal zu verpachten. Interessenten gibt es bereits, doch der „Richtige“ war noch nicht dabei.

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