Schüsse auf Flüchtlinge Bewährung widerrufen — Lingener in Haft

Von Sven Lampe

Für ein Jahr und zehn Monate in Haft sitzt jetzt ein 24-jähriger Mann aus Lingen, nachdem dessen Bewährung widerrufen worden ist. Der Mann hatte im Sommer 2016 in Lingen mit einem Luftgewehr auf Flüchtlinge geschossen. Symbolfoto: ColourboxFür ein Jahr und zehn Monate in Haft sitzt jetzt ein 24-jähriger Mann aus Lingen, nachdem dessen Bewährung widerrufen worden ist. Der Mann hatte im Sommer 2016 in Lingen mit einem Luftgewehr auf Flüchtlinge geschossen. Symbolfoto: Colourbox

Osnabrück. Der junge Mann, der im Juni 2016 in Lingen drei Flüchtlinge durch Schüsse mit einem Luftgewehr verletzt hatte, sitzt nun doch seine Haftstrafe ab. Die Justiz hat die vom Amtsgericht Lingen gewährte Aussetzung der Strafe in Höhe von einem Jahr und zehn Monaten widerrufen. Bekannt geworden ist der Bewährungswiderruf am Donnerstag zum Auftakt eines Berufungsprozesses des 24-jährigen Lingener wegen einer anderen Strafsache vor dem Landgericht Osnabrück.

Aufgehoben worden war die Bewährung aus mehreren Gründen. Zum einen hatte eine Therapeutin eine dem Angeklagten als Bewährungsauflage angeordnete ambulante Therapie abgebrochen, nachdem sie das Vertrauen in ihn verloren hatte. Den Justizunterlagen zufolge hat er verschiedenen Therapeuten unterschiedliche Geschichten erzählt. Das war aufgeflogen. Zum anderen waren bei einer Hausdurchsuchung ein Messer und eine größere Menge einer Chemikalie gefunden, die erfahrungsgemäß als Mittel zum Suizid geeignet ist.

Urkundenfälschung

Eigentlich sollte es in der für Donnerstag anberaumten Sitzung des Landgerichtes Osnabrück um etwas ganz anders gehen. Dort sollte nämlich über die von dem 24-Jährigen angestoßene Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichtes Lingen aus dem März dieses Jahres verhandelt werden. Das Lingener Gericht hatte den Mann wegen Urkundenfälschung zu einer Haftstrafe von sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt, nachdem er einem potenziellen Arbeitgeber einen gefälschten Auszug aus einem Strafregister vorgelegt hatte. Die fingierte Kopie wies ihn als unbeschriebenes Blatt aus. In Wirklichkeit kündete es jedoch von fünf weiteren — teil einschlägigen — Straftaten. Als der Betrug aufflog, war er den Job sofort los und landete außerdem erneut in den Armen der Justiz.

Therapie statt Haft

Der Wahlverteidiger des Lingeners möchte in der Berufungsverhandlung erreichen, dass diesem die sechs Monate Haft erlassen werden und er eine von ihm selbst auch angestrebte stationäre Therapie antreten kann, um unter anderem seine dissozialen Persönlichkeitsstörungen in den Griff zu bekommen. Dazu ist nach Auffassung des Gerichtes ein weiteres psychiatrisches Gutachten notwendig. Dieses soll nun erstellt werden. Bis zum Vorliegen des Ergebnisses wird der Prozess ausgesetzt.

Keine gute Kommunikation

Offensichtlich wurde vor Gericht, dass es um die Kommunikation zwischen dem Angeklagten und seinen beiden aktuellen Verteidigern nicht zum Besten bestellt ist. Den Wahlverteidiger des Mannes traf die Erkenntnis, dass sein Mandant seit Kurzem in der JVA Vechta einsitzt, nach eigenen Worten völlig überraschend. Davon habe er erst erfahren, als der 24-Jährige in Handschellen in den Gerichtssaal geführt wurde. Damit nicht genug, auch das Verhältnis des Wahlverteidigers und der ebenfalls anwesenden Pflichtverteidigerin erschien nicht problemlos. Mehrfach fuhr der Wahlverteidiger seiner Kollegin über den Mund, kündigte gar einen noch schärferen Ton dieser gegenüber an.