Wahlen im November Bürger geben der Kirche im südlichen Emsland ein Gesicht

Von Thomas Pertz

Engagieren sich in Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen (vorne von links): Marlies Dankelmann und Annette Koop, dahinter von links: Stefan Kerk, Dekanatsreferent Holger Berentzen und Reinhold Siegbert. Foto: Thomas PertzEngagieren sich in Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen (vorne von links): Marlies Dankelmann und Annette Koop, dahinter von links: Stefan Kerk, Dekanatsreferent Holger Berentzen und Reinhold Siegbert. Foto: Thomas Pertz

Lingen. Am 10. und 11. November finden in den Kirchengemeinden in der Region Wahlen zum Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat statt. „Deine Stimme – deine Kirche“ lautet das Motto. Annette Koop aus Brögbern, der Gerstener Stefan Kerk, die Emsbürenerin Marlies Dankelmann und Reinhold Siegbert aus Freren-Suttrup sind solche Stimmen. Sie haben nicht nur gewählt, sondern sich auch in diesen Gremien wählen lassen.

Warum sie das getan haben, erläutern sie in einem Gespräch mit der Redaktion. Wie Stefan Kerk zum Beispiel. Der 46-jährige Gerstener hat vor vier Jahren erstmals für den Pfarrgemeinderat kandidiert. Er kommt aus der kirchlichen Jugendarbeit, hat früher bei der Landjugend mitgemacht, sich aber auch außerhalb der Kirche engagiert, zum Beispiel im Sportverein. Von Beruf ist Kerk kaufmännischer Geschäftsführer beim Christophorus-Werk, kennt sich also mit Zahlen prima aus. Das war aber auch der Grund, warum der 46-Jährige sich nicht für eine Kandidatur im Kirchenvorstand entschieden hatte. Dort geht es nicht nur, aber eben auch um Zahlen und Finanzen. Was Kerk hauptberuflich macht, wollte er nicht auch noch ehrenamtlich. „Ich wollte mehr inhaltlich etwas tun“, erzählt er.

Viele Betätigungsfelder

Da gab und gibt es eine ganze Menge Betätigungsfelder für Kerk und die anderen Mitglieder. Die Gestaltung der Messfeiern, zum Beispiel bei Familiengottesdiensten, das Pfarrfest, das Zusammenspiel mit den anderen Kirchengemeinden in Lengerich, Bawinkel, Langen, Handrup und Wettrup. Die Zusammenarbeit mit Pastor Heiner Mühlhäuser funktioniere gut, sagt Kerk und fügt gleichzeitig selbstbewusst hinzu: „Wir bringen unsere Vorschläge ein, ein ‚Geht gar nicht‘ gibt es nicht.“ Der Gerstener wird im November erneut kandidieren. Es mache ihm Spaß, die Gemeinde mitzugestalten, sagt er und meint damit sowohl die kirchliche, wie auch die politische Gemeinde.

Anders als Kerk ist die Emsbürenerin Marlies Dankelmann im Kirchenvorstand aktiv – in der St. Andreas-Kirchengemeinde Emsbüren. Ein Kirchenvorstand gilt so ein wenig als „Männerdomäne“, geht es dort doch um eher „trockene“ Themen wie finanzielle und verwaltungstechnische Angelegenheiten. Marlies Dinkelmann sorgt als Hauswirtschaftsleiterin für den guten Geschmack im Kolpingbildungshaus in Salzbergen. „Anfangs hab‘ ich gedacht: Oh Gott oh Gott, was kommt denn da auf mich zu“, erinnert sie sich. Vor vier Jahren war sie gefragt worden, ob sie für den Kirchenvorstand kandidieren wolle und hat sich dann darauf eingelassen. Bereut hat sie es nicht. „Ich finde es spannend und man hat viel mit Menschen zu tun“, erzählt sie.

Sie ist nicht die einzige Frau in dem Gremium. Auch Monika Temmen bringt sich ein. Aktuell ist die Umsetzung der Renovierung der St. Andreas-Kirche ein zentrales Thema. Dankelmann möchte im November erneut kandidieren. Eine Wahlperiode sei zu wenig, da schon eine gewisse Einarbeitungszeit notwendig sei, sagt sie.

Die benötigt Reinhold Siegbert schon lange nicht mehr. Der Handwerker im Kundendienst ist seit 2002 Mitglied im Kirchenvorstand in Freren-Suttrup. Ein paar 100 Bürger wohnen da, jeder kennt jeden. „In Suttrup dauert alles etwas länger, aber es kostet nicht viel Geld“, beschreibt er die Vorteile des gemeinsamen Anpackens im Kirchenvorstand und auch im Pfarrgemeinderat. Die erste Wahlperiode hat Siegbert sogar beiden Gremien angehört.

Zeitintensive Aufgabe

Eine durchaus zeitintensive Aufgabe, auch im kleinen Suttrup. Daraus machen die Gesprächsteilnehmer im Übrigen keinen Hehl. Annette Koop, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates in Brögbern, war zwei Wahlperioden dort aktiv, von Anfang an als Vorsitzende. Im November wird die Sparkassenbetriebswirtin nicht mehr für ein drittes Mal kandidieren. „Nie mehr“ sagt sie nicht, aber erst einmal ist eine Auszeit fällig. Diese Arbeit habe ihr viel Spaß gemacht, zu organisieren und auch zu versuchen, für die Kirche zu begeistern, erzählt die 41-Jährige. Familie, Beruf und ehrenamtliches Engagement unter einen Hut zu bringen, ist nach ihren Worten aber eben auch nicht einfach. „Ich brauche jetzt mal eine Pause“, sagt sie und hofft, dass andere einspringen werden.

Dass sich im November wieder genügend Bürger bereit finden, für die Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände zu kandidieren, wünschen sich auch die anderen drei. „Niemand muss alles wissen“, nimmt Stefan Kerk die Sorge davor, sich überfordert fühlen zu können. Jeder bringe Talente mit, betont Dekanatsreferent Holger Berentzen.

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Wahlen

Am 10. und 11. November 2018 werden im Bistum Osnabrück die Mitglieder für die Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte neu gewählt. Hierfür werden engagierte Kandidatinnen und Kandidaten gesucht: Frauen und Männer, Jugendliche und Erwachsene, die bereit sind, ihre Fähigkeiten und Begabungen in die Gestaltung des kirchlichen Lebens einzubringen.

Der Kirchenvorstand vertritt die Kirchengemeinde. Er ist zuständig für ihre finanziellen und verwaltungsmäßigen Angelegenheiten; insbesondere stellt er den Haushalt auf und berät und entscheidet in allen vermögensrechtlichen Angelegenheiten. Auf diese Weise stellt er die Rahmenbedingungen der Seelsorge – insbesondere der pastoralen Arbeit des Pfarrgemeinderates – sicher.

Der Pfarrgemeinderat nimmt teil an der Leitungsaufgabe der Kirchengemeinde. Er stellt die Weichen für ein lebendiges Gemeindeleben und setzt sich dafür ein, möglichst viele zu beteiligen. Er nimmt gesellschaftliche Veränderungen wahr und entwickelt Ideen, wie die Kirche den Menschen heute nahe sein kann. Er arbeitet eng zusammen mit dem Pastoralteam, dem Kirchenvorstand und, wo vorhanden, dem ehrenamtlichen Gemeindeteam.

Weitere Infos:

Wer sich weiter über die Gremienwahlen informieren möchte, findet Infos und Material auf der Internetseite zur Wahl:

www.deinestimme-deinekirche.de

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