„Bildungschancen für alle Kinder“ Bundesprojekt zum Kita-Einstieg in Lingen gestartet

Möglichst alle Kinder sollen von Bildungsangeboten in Kitas profitieren – wie hier bei einem Besuch auf dem Hasefriedhof in Osnabrück. Den Kita-Einstieg soll jetzt das bundesweite Projekt „Brücken bauen in frühe Bildung“ erleichtern.Foto: D. EbenerMöglichst alle Kinder sollen von Bildungsangeboten in Kitas profitieren – wie hier bei einem Besuch auf dem Hasefriedhof in Osnabrück. Den Kita-Einstieg soll jetzt das bundesweite Projekt „Brücken bauen in frühe Bildung“ erleichtern.Foto: D. Ebener

Lingen. Lingen ist eine von bundesweit 150 Kommunen, die am Projekt „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“ teilnehmen. Kindern, die bislang noch keine Kita besuchen, soll dadurch der Einstieg und der weitere Bildungsweg erleichtert werden. Bis 2020 stehen dafür knapp 515.000 Euro zur Verfügung.

„Zugang zu frühkindlicher Bildung ist Voraussetzung für eine Chancengleichheit aller Kinder – egal welcher Herkunft, Religion oder sozialer Situation. Kindertageseinrichtungen bieten Kindern vielfältige Lernerfahrungen und liebevolle Betreuung an. Bisher profitieren in Lingen jedoch nicht alle Kinder von diesen Bildungs- und Betreuungsangeboten.“ Dies erklärte die zuständige Projektkoordinatorin Claudia Plagge jetzt bei der Vorstellung des Projektes auf der jüngsten Sitzung des städtischen Jugendhilfeausschusses.

Viele Kooperationen

Das Projekt des Bundesfamilienministeriums ist im November 2017 gestartet und läuft bis Ende 2020. Für die Stadt Lingen führt das Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) das Projekt durch. Neben der Koordinatorin ist je eine Pädagogin an jedem der fünf Familienzentren der Stadt für das Projekt zuständig. Für Personal, mögliche Qualifizierungsmaßnahmen und Materialkosten stehen im Projektzeitraum insgesamt knapp 515000 Euro zur Verfügung.

Alle Kinder im Blick

„Im Fokus des Projektes stehen Familien, die die Kinderbetreuung bisher aus den verschiedensten Gründen nicht oder kaum nutzen. Diesen Familien soll durch niederschwellige Angebote wie Mutter-Kind- oder Sprachspielgruppen das Angebot in den Kitas und das Bildungssystem nähergebracht werden“, erklärte Plagge.

Denn gerade dort könnten schnell Kontakte zwischen den Eltern geknüpft, Freundschaften unter den Kindern geschlossen oder auch die deutsche Sprache gelernt werden. Wichtig ist dabei laut Plagge die persönliche Ansprache und der Kontaktaufbau zu diesen Eltern. Mittel- bis langfristiges Ziel ist nach Aussage des stellvertretenden LWH-Leiters René Kollai eine spätere Aufnahme in einer Kita.

Aktuell acht Veranstaltungen

„Rund 60 Prozent der durch dieses Projekt angesprochenen Kinder haben einen Migrationshintergrund, und 40 Prozent kommen aus sozial belasteten Verhältnissen“, erklärte Horst Flachmann vom Fachdienst Jugendarbeit der Stadt auf Nachfrage aus dem Ausschuss.

Dafür kooperiert Claudia Plagge in Lingen unter anderem mit dem SkF, SKM, der Volkshochschule, mit den Integrationslotsen, dem Christophoruswerk, dem Landkreis Emsland, den 25 Kitas, der Stadt sowie den Kirchengemeinden vor Ort.

Derzeit finden im ganzen Stadtgebiet acht Veranstaltungen im Rahmen des Kita-Einstiegsprojektes statt, die laut Plagge jeweils von rund zehn Kindern im Krippen- und Kita-Alter besucht werden. Die Angebote finden unter anderem in Gemeinschaftsunterkünften, Gemeindehäusern, auf Spielplätzen, aber auch in Kindertageseinrichtungen statt, damit eine enge Verknüpfung des Projektes mit den Kitas gegeben ist. Als „Anker-Kitas“ fungieren dabei die Lingener Familienzentren in den Kitas Maria Königin, St. Bonifatius, Arche Noah, Christ König und St. Josef.

„Wichtig ist uns auch, dass wir einen vertrauensvollen Kontakt zu den Eltern aufbauen. Wir möchten, dass alle Kinder auf ihrem weiteren Bildungsweg die gleichen Chancen haben“, ergänzte Flachmann.


Bundesweites Förderprojekt

Mit dem im April 2017 gestarteten Bundesprogramm „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“ fördert das Bundesfamilienministerium an bundesweit 150 Standorten niedrigschwellige Angebote, die den Zugang zur Kindertagesbetreuung erleichtern soll.

Diese Angebote sollen erste Einblicke in das System der Kindertagesbetreuung vermitteln und Familien zum Beispiel über die Möglichkeiten der frühen Bildung in Deutschland informieren. Darüber hinaus werden Qualifizierungsmaßnahmen für (pädagogische) Fachkräfte gefördert. Zudem können Maßnahmen gefördert werden, die helfen, Fachkräfte mit Fluchthintergrund beruflich zu integrieren – zum Beispiel über ein Praktikum in einer Kita.

Damit die Angebote in einer Region aufeinander abgestimmt sind und gute Brücken in die reguläre Kindertagesbetreuung bilden, werden sie durch die Träger der öffentlichen Jugendhilfe gesteuert und koordiniert.

Die Teilnehmer erhalten dafür von 2017 bis 2020 eine Förderung für eine Koordinierungs- und Netzwerkstelle, Fachkräfte für die Umsetzung der Angebote sowie zusätzliche Projektmittel.

Das Projekt wird von der Universität Paderborn bewertet, Ergebnisse zeitnah veröffentlicht.

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