Vorwürfe im „Spiegel“ BP Lingen: Rohöl wird rückstandsfrei verarbeitet

Von Thomas Pertz

Die BP-Raffinerie im Lingener Ortsteil Holthausen-Biene. Foto: BPDie BP-Raffinerie im Lingener Ortsteil Holthausen-Biene. Foto: BP

pe Die Grünen im Lingener Stadtrat haben im Zusammenhang mit einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ über den Umgang mit Raffinerierückständen beim Ölkonzern BP eine Anfrage an Oberbürgermeister Dieter Krone gestellt.

Die Stadt hatte die Anfrage der Grünen an die Raffinerie weitergeleitet. Nach Angaben des Spiegels hatte der BP-Konzern über Jahre hinweg giftige Raffinerierückstände als vermeintlich harmlose Rußpellets deklariert. Die zuständige Aufsichtsbehörde habe dies durchgehen lassen. Grünen-Fraktionsvorsitzender Michael Fuest wollte deshalb Antworten auf diese Fragen haben:

1.Treffen die Beschreibungen des Spiegels auch auf die Raffinerie in Lingen zu?

2.In dem Artikel wird behauptet, dass allein in der Raffinerie in Gelsenkirchen jährlich 30.000 Tonnen Ruß-Öl-Pellets anfallen. Fallen vergleichbare Pellets bzw. Abfälle in Lingen an, wenn ja, welche, in welchen Mengen?

3.Wohin werden diese „entsorgt“?

BP-Geschäftsführer Bernhard Niemeyer-Pilgrim verwies zunächst darauf, dass er die Fragen und Bedenken der Grünen sehr ernst nehme. Die Beschreibungen des Spiegels träfen weder auf die Raffinerie der BP in Gelsenkirchen zu, noch auf die in Lingen. „Vielmehr ist richtig, dass die sogenannten Pellets (Rußpellets) im Werk Gelsenkirchen-Scholven der Ruhr Oel GmbH seit Jahrzehnten als Nebenprodukt - und nicht als Abfall – bei der Schwerölvergasung produziert werden“, schrieb Niemeyer-Pilgrim.

Wegen ihres hohen Heizwertes würden sie entsprechend der Genehmigung der Bezirksregierung ordnungsgemäß zur Energieerzeugung genutzt, insbesondere auch heute noch im benachbarten Uniper-Kraftwerk in Gelsenkirchen. „Bei BP Lingen werden diese Rußpellets nicht produziert, da BP Lingen keine vergleichbare Prozessanlage betreibt“, betonte der Geschäftsführer.

Rückstände werden verarbeitet

Zum Thema Raffinerierückstände erläuterte Niemeyer-Pilgrim, dass das eingesetzte Rohöl in der Lingener Raffinerie aufgrund ihrer Anlagenstruktur grundsätzlich rückstandsfrei verarbeitet werde. Im Laufe des Raffinerieprozesses entstehende Rückstände wie zum Beispiel bei der Rohöldestillation würden nämlich als Einsatzprodukte für eine Konversionsanlage, den sogenannten Coker, genutzt.

„Der Coker wandelt die schweren Rückstände in höherwertige, leichte Produkte wie Gase, Benzine und Mitteldestillate um“, so der Geschäftsführer. Darüber hinaus produziere er vor allem Grünkoks, der entweder direkt oder nach Weiterveredelung vorrangig an die Aluminiumindustrie als Anodenmaterial weiterverkauft werde.

Zur Frage der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, ob „vergleichbare Pellets bzw. Abfälle in Lingen“ anfallen,antwortete Niemeyer-Pilgrim, dass in der betriebseigenen Abfallverbrennungsanlage derzeit lediglich die Schlämme aus der betriebseigenen Kläranlage verbrannt würden. Darüber hinaus fallen nach seinen Angaben bei BP in Lingen ölhaltige Abfälle in Form von ölhaltigen Schlämmen zum Beispiel aus der Reinigung von Rohöltanks an.

Diese würden entsprechend der Vorgaben im Abfallrecht als sogenannter gefährlicher Abfall über ein zertifiziertes Entsorgungsunternehmen entsorgt. Die Menge ist unterschiedlich. „2017 beispielsweise wurden ca. 500 Tonnen ölhaltige Schlämme ordnungsgemäß entsorgt, da wir in dem Jahr eine Gesamtrevision mit erhöhtem Abfallaufkommen hatten“, erklärte der Lingener Raffinerieleiter.

„Als Abfallerzeuger sind wir verpflichtet, in regelmäßigen Abständen den gesamten Entsorgungsweg zu verifizieren. Dabei werden wir als BP Lingen wiederum von der zuständigen Behörde überwacht.“

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