Totschlagsvorwurf nicht haltbar Taxifahrer aus Lingen zu 1500 Euro Geldstrafe verurteilt

Von Horst Troiza

Das Landgericht Osnabrück verurteilte einen Lingener Taxifahrer wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort zu einer Geldstrafe. Foto: Michael GründelDas Landgericht Osnabrück verurteilte einen Lingener Taxifahrer wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort zu einer Geldstrafe. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Im Prozess gegen einen Taxifahrer aus Lingen, der nach einer Kollision mit einem Fußgänger diesen schwerverletzt liegen ließ und davongefahren war, hat das Landgericht den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilt.

Das Schwurgericht wertete das Verhalten des 69-Jährigen als unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, Ursache dafür sei ein posttraumatisches Belastungssyndrom. Der ursprünglich angeklagte Vorwurf des versuchten Totschlags durch Unterlassen ließ sich nach Darstellung der Kammer nach durchgeführter Beweisausnahme nicht mehr halten. Die Staatsanwaltschaft hatte den 69-Jährigen beschuldigt, Ende Januar 2017 auf der B213 bei Brögbern nachts gegen 4.30 Uhr in einen Unfall verwickelt gewesen zu sein. Dabei sei er mit seinem Taxi mit einem auf der Fahrbahn befindlichen 22-jährigen Mann kollidiert, wobei dieser schwerstverletzt worden war. Nach einer Anhaltpause von einigen Minuten, in der er unter anderem mit der Taxizentrale telefoniert und diese davon unterrichtet hatte, wahrscheinlich gegen eine Verkehrsinsel gefahren zu sein, hatte er seine Fahrt fortgesetzt und war zum Betriebshof gefahren.

Leben nur knapp gerettet

Der Verletzte war von anderen Verkehrsteilnehmern aufgefunden worden, die die Rettungskräfte alarmierten. Sein Leben war nur knapp gerettet worden, der junge Mann war ein halbes Jahr im Krankenhaus und leidet noch heute unter den schwerwiegenden Unfallfolgen.

Selbst unverschuldet Opfer von Verkehrsunfällen

Dass es zu keinem härteren Strafmaß kam, ist auf das Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen zurückzuführen, auf das sich die Kammer stützte. Demzufolge wies der Angeklagte, der in seiner Vergangenheit selbst zweimal Opfer von, unverschuldeten, Verkehrsunfällen gewesen war, in den Minuten nach der Kollision mit dem 22-Jährigen alle Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung auf. „Das hat zu einer Handlungsunfähigkeit geführt, begleitet von einer Amnesie“, zitierte der Kammervorsitzende den Gutachter. Er habe in jenem Moment nicht damit gerechnet, einen Menschen verletzt haben zu können, weshalb die Kammer von einer verminderten Schuldfähigkeit ausging.

Unfall war unvermeidbar

Auch wenn der Unfall nach ihrer Ansicht unvermeidbar gewesen war, was sich durch die Lichtverhältnisse, die dunkle Kleidung des Opfers und dessen jähes Auftauchen vor dem Taxi erklärte, hätte sich der Angeklagte nicht vom Unfallort entfernen dürfen, ohne die Polizei zu benachrichtigen. Deshalb verhängte die Kammer eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 30 Euro und wies in ihrem Urteil die Verkehrsbehörde an, dem Angeklagten vor Ablauf von sechs Monaten keine neue Fahrerlaubnis auszustellen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.