Wissenschaft kein Elfenbeinturm Doktorandin Melanie Malczok ist nahe bei den Menschen

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Das anstrengende Bücherstudium in der Bibliothek des Campus Lingen ist für Melanie Malczok bei ihrer Doktorarbeit Pflicht und Passion zugleich. Foto: Wilfried RoggendorfDas anstrengende Bücherstudium in der Bibliothek des Campus Lingen ist für Melanie Malczok bei ihrer Doktorarbeit Pflicht und Passion zugleich. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Melanie Malczok zieht es zurück zu ihren studentischen Wurzeln: Von 2010 bis 2013 hat sie Kommunikationsmanagement auf dem Campus Lingen studiert. Jetzt arbeitet sie dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin an ihrem Doktortitel.

Die 32-Jährige liebt es, nahe an den Menschen zu sein, zugleich auch die Wissenschaft. Die Hochschule bietet ihr dafür die Gelegenheit. „Die Forschung nah am Menschen und seiner Lebenswirklichkeit ist das, was die Hochschulforschung im Gegensatz zur universitären Forschung ausmacht“, begründet die in Münster lebende Malczok, warum sie nach ihrem Masterstudium an der Uni Münster 2016 nach Lingen zurückgekehrt ist.

Informationsüberflutung oder uninformiert?

Das Herzblut von Malczok fließt in die Mitarbeiter- und interne Kommunikation von Organisationen und Unternehmen. „Woher wissen die Leute dort, was sie wissen müssen?“, fragt sich die Doktorandin. Auf der einen Seite seien die Menschen total gestresst von einer Informationsüberflutung per E-Mail und vielen anderen Kanälen. Auf der anderen Seite hätten sie trotzdem das Gefühl, uninformiert zu sein. „Ich möchte wissen, woher das kommt?“, beschreibt Malczok das Untersuchungsziel ihrer Doktorarbeit.

Unterschied zwischen Theorie und Praxis

Dass in der Theorie der Kommunikationswissenschaften oft von klassischen Computerarbeitsplätzen ausgegangen wird, an denen es zu einer Reiz- und Informationsüberflutung kommen kann, gibt die junge Doktorandin zu – und steuert gegen: Zwei Tage lang habe sie Mitarbeiter des Lingener Bauhofes begleitet. „In unserem Fach beschäftigt man sich zu wenig mit denjenigen, die am Kreisverkehr die Blumenbeete pflegen oder die Buden für den Weihnachtsmarkt aufbauen“, sagt Malczok, die ja nahe am Menschen sein möchte.

Gespräche beim Bauhof und mit Busfahrern

„Ist es für die Mitarbeiter dort wirklich wichtig, zu wissen, wo die Stadt Lingen, wo der Bauhof in 30 Jahren stehen möchte?“, hinterfragt die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Campus Lingen beispielsweise. In Osnabrück hat sie sich aus dem gleichen Grund in Linienbusse gesetzt und mit den Fahrern – natürlich nicht während der Fahrt – gesprochen.

Am Fließband gewonnene Erkenntnisse

Auch in der Lingener Stadtverwaltung hat die angehende „Frau Doktor“ viele Gespräche zu ihrem Thema geführt. Und ein Weltkonzern mit mehreren tausend Beschäftigten, dessen Namen sie nicht nennen darf, ist auf die Forschungen von Malczok aufmerksam geworden. Auch die dort, teils am Fließband, gewonnen Erkenntnisse bezieht sie in ihre Promotion ein. Allerdings wird es noch dauern, bis die Ergebnisse aller ihrer Untersuchungen, sei es beim Lingener Bauhof oder im Weltkonzern, vorliegen. Malczok arbeitet hart daran.

Das Beste aus beiden Welten

An einer (ehemaligen) Fachhochschule zu promovieren, obwohl nur Universitäten das Recht haben, Doktortitel zu verleihen, empfindet Malczok nicht als Nachteil. Als Erstgutachterin und „Doktormutter“ hat sie durch die Vermittlung ihrer sie am Campus Lingen betreuenden Professorin Sabine Kirchhoff die an der Uni Bamberg lehrende Professorin Anna Maria Theis-Berglmair gewonnen. „Ich empfinde diese doppelte Betreuungsstruktur als Bereicherung. Da bekomme ich das Beste aus den beiden Welten von Universität und Hochschule mit“, sagt Malczok.

Wissenschaft oder Wirtschaft?

Wo sieht die Doktorandin ihre Zukunft: In der Wissenschaft oder der Wirtschaft? „Wissenschaft“ lautet die klare Antwort der 32-Jährigen. Wobei sie diese gerade am Campus Lingen nicht als „Elfenbeinturm“ empfindet. „Ich arbeite ja in einem ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerk“, macht Malczok deutlich, dass sie auch wegen des Gebäudes tagtäglich gedanklich nahe bei den – einmal dort arbeitenden – Menschen ist.


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