Nach dem Studium folgt der Beruf Kevin Grewe aus Lingen trotzt Krankheit mit Bravour

Von Thomas Pertz

Sehr gut gefiel Kevin Grewe das Praktikum bei Rosen in Lingen. Vorne von links: Rosen-Mitarbeiter Dennis Richter, Kevin Grewe und seine Assistentin Heike Rassmann-Thien. Hinten von links: Ansgar Bojer, Johannes Stolte und Miriam Fuest (Rosen). Foto: Thomas PertzSehr gut gefiel Kevin Grewe das Praktikum bei Rosen in Lingen. Vorne von links: Rosen-Mitarbeiter Dennis Richter, Kevin Grewe und seine Assistentin Heike Rassmann-Thien. Hinten von links: Ansgar Bojer, Johannes Stolte und Miriam Fuest (Rosen). Foto: Thomas Pertz

Lingen.  Nach einem erfolgreichen dreimonatigen Praktikum beim Technologiekonzern Rosen bereitet sich der Lingener BWL-Student Kevin Grewe nun auf seine Bachelorarbeit in dem Unternehmen vor. Was sich wie der normale Werdegang eines Studierenden liest, ist bei näherem Betrachten alles andere als selbstverständlich. Die Lebensumstände des 22-Jährigen sind besonders.

Grewe leidet seit seiner Kindheit an einer derzeit nicht heilbaren Muskelkrankheit. Er kann seinen Kopf bewegen und mit den Fingern der rechten Hand über einen Joystick den Rollstuhl. Der gebürtige Emsbürener, der inzwischen mit seiner Familie in Lingen wohnt, studiert nach dem Besuch der Liudger-Realschule in Emsbüren und des Gymnasiums Georgianum in Lingen Betriebswirtschaft im sechsten Semester auf dem Campus Lingen.

Bei Rosen hatte Kevin freiwillig bereits im Sommer 2016 ein Praktikum absolviert und dabei offensichtlich einen guten Eindruck hinterlassen. Schwerpunkte seines Studiums im vierten und fünften Semester waren Controlling und Logistik. Vor allem Letzteres hatte den Studenten stark interessiert. Zusammengefasst wird diese unter dem Begriff „Supply Chain“.

Kevin war beim Praktikum ein Teil des Teams

Das Supply Chain-Management beschreibt die Koordination von Logistikprozessen in einem Unternehmen. Gemeint seien damit drei Sachabteilungen: Einkauf, Lager und Transport, erläuterte Supply Chain-Manager Ansgar Bojer im Gespräch mit unserer Redaktion. Weitere Teilnehmer waren Bojers Kollege Johannes Stolte, Einkaufsleiter bei Rosen, Unternehmenssprecher Jörn Wunderlich und Heike Rassmann-Thien. Sie begleitet Kevin seit drei Jahren als Assistentin und hilft ihm in vielen Alltagsdingen.

Was ihm während des dreimonatigen Praktikums bei Rosen besonders gefallen hat: Der Student war Teil eines Teams dort und fühlte sich von Anfang an gut aufgenommen. Bestellungen, Auftragsbearbeitung und Gespräche mit Lieferanten, von denen ihn einige aufgrund seines vorangegangenen Praktikums noch kannten, waren Bestandteile seiner Arbeit. Kevins Bachelorarbeit, die Supply Chain-Manager Bojer begleitet und im Juli abgeschlossen sein soll, wird sich mit dem Kennzahlensystem in der Logistik befassen. Die Kennzahlen dienen dazu, strategische Ziele und die Wege dorthin im Unternehmen messbar zu machen.

Bachelorarbeit ist praxisorientiert

 „Die Bachelorarbeit ist sehr praxisorientiert und ist für beide Seiten ein Gewinn: für den Studierenden und das Unternehmen“, betonte Bojer. An Kevin würden die gleichen Anforderungen gestellt wie an andere Bachelor-Studenten auch, sagte der Manager. Menschen aus 25 Nationen seien bei Rosen in Lingen beschäftigt, erläuterte Sprecher Jörn Wunderlich. Jeder sei unterschiedlich, aber das Ziel eines gemeinsamen Unternehmenserfolges verbinde sie. Kevins Behinderung spielte deshalb keine hervorgehobene Rolle – außer in Form eines höhenverstellbaren Schreibtisches. „Je mehr so etwas Normalität wird, umso einfacher ist es für alle“, fasste Wunderlich die Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Handicaps zusammen.

„Der offene Umgang hier hat mir gutgetan“, resümierte der 22-Jährige. Das gebe Kraft für alles Weitere. Nach dem Ziel ist vor dem Ziel: Als Nächstes peilt er den Einstieg ins Berufsleben an.

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