Richter schlägt Geldbuße vor Wird Prozess gegen Taxifahrer nach Unfall in Lingen eingestellt?

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In dem Prozess gegen einen 69-jährigen angeklagten Taxifahrer vor der Schwurgerichtskammer wurde auch ein  psycholgisches Gutachten vorgelegt. Das Urteil wird am Mittwoch erwartet. Foto: Friso Gentsch/dpaIn dem Prozess gegen einen 69-jährigen angeklagten Taxifahrer vor der Schwurgerichtskammer wurde auch ein psycholgisches Gutachten vorgelegt. Das Urteil wird am Mittwoch erwartet. Foto: Friso Gentsch/dpa

Osnabrück. Gibt es im Prozess gegen einen Taxifahrer, dem wegen seines Verhaltens nach einem Unfall in Lingen versuchter Totschlag vorgeworfen wird, eine Wendung? Der Richter brachte am fünften Verhandlungstag eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldbuße ins Spiel. Die Staatsanwaltschaft stellte sich dagegen.

Es besteht wohl kein Zweifel, dass der Angeklagte Ende Januar vergangenen Jahres auf der B213 in Brögbern gegen 4.30 Uhr mit einem Fußgänger zusammenstieß und ihn dabei lebensgefährlich verletzt hat. Nach kurzem Halt setzte der Taxifahrer seine Fahrt fort, ohne sich um das Unfallopfer zu kümmern.

„Totschlag durch Unterlassen“

Die Staatsanwaltschaft hat den 69-Jährigen deshalb wegen des versuchten Totschlags durch Unterlassen angeklagt. Er habe sich unerlaubt vom Unfallort entfernt. Es habe dem Angeklagten klar sein müssen, dass es sich nach einem so schweren Zusammenstoß nicht um das schlichte Überfahren einer Verkehrsinsel gehandelt haben könne wie vom Angeklagten vorgegeben. Ein Verkehrsgutachter hatte die Geschwindigkeit des Fahrzeuges zum Zeitpunkt des Unfalls auf mindestens 60 km/h festgelegt, das Körpergewicht des Opfers auf etwa 160 Kilogramm. „Da hätte der Angeklagte wissen müssen, etwas Großes angefahren zu haben.“

Vermindert steuerungsfähig?

Das psychologische Gutachten spricht von einer verminderten Steuerungsfähigkeit des Angeklagten in der Zeit nach dem Zusammenstoß. Nach zwei schweren Verkehrsunfällen des Mannes in der Vergangenheit liege bei ihm eine posttraumatische Belastungsstörung vor, die zu einer Amnesie geführt haben könnte. Die Weiterfahrt zur Taxizentrale trotz massiv beschädigten Fahrzeugs sei im Rahmen eines „Notfallprogramms“ geschehen, ohne dass sich der Angeklagte dessen bewusst gewesen sei. „Das Hirn funktioniert so, das sind elementare Steuerungen. Wie schon der Steinzeitmensch bei höchster Gefahr den Schutz der Höhle suchte“, versuchte der Sachverständige zu erklären.

Unfallgeschehen unklar

Nach einer Beratungspause stellte die Kammer die Möglichkeit einer Verfahrenseinstellung gegen eine Geldbuße in den Raum. Das Unfallgeschehen selbst blieb unklar, weil nicht festzustellen war, ob sich das Opfer auf der Straße oder so nah an deren Rand aufgehalten habe, dass es für den Taxifahrer unmöglich gewesen war, zu reagieren. Die Überlegung des Gerichts war, „das unerlaubte Entfernen vom Unfallort gegen eine Geldbuße einzustellen, unabhängig von Zahlungen an den Geschädigten“.

Sechs Monate im Krankenhaus

Das mittlerweile 22 Jahre alte Unfallopfer war schwer verletzt von einem anderen Verkehrsteilnehmer aufgefunden worden. Die Verletzungen waren so gravierend, dass der junge Mann ein halbes Jahr im Krankenhaus behandelt werden musste und noch heute an den Folgen leidet.

Urteil am Mittwoch?

Der Staatsanwalt machte dem Angeklagten wegen des Unfalls keinen Vorwurf, dafür jedoch aus seinem Verhalten danach: „Er hat angehalten, mit der Taxizentrale telefoniert und ist weitergefahren, ohne Hilfe geleistet zu haben.“ Mit einer Verfahrenseinstellung würde er „besser gestellt als jemand, der sich in einem solchen Fall um das Unfallopfer kümmert“. Er beantragte eine Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnten sowie eine Geldauflage von 2000 Euro und die Einziehung der Fahrerlaubnis für ein Jahr.

Das Urteil im Prozess wird am 16. Mai 2018 erwartet.


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