49 Prozent ändern Verhalten nicht Alkohol im Emsland: Ernüchternde Bilanz beim Präventionsprojekt

Von Wilfried Roggendorf

Auch im Emsland ist der Alkoholkonsum von Jugendlichen und dessen Auswirkungen ein Problem. Symbolfoto: Tobias Hase/dpaAuch im Emsland ist der Alkoholkonsum von Jugendlichen und dessen Auswirkungen ein Problem. Symbolfoto: Tobias Hase/dpa

Meppen. Seit 2007 gibt es im Landkreis Emsland das Präventionsangebot „Kontrollierter Umgang mit Alkohol“ („KomA“). Die Auswertung der im Schuljahr 2016/2017 durchgeführten Aktionen in Schulen hat jetzt eine eher ernüchternde Bilanz ergeben.

Ulrich Engling vom Fachbereich Jugend des Landkreises stellte die von der Ostfalia-Hochschule ermittelten Zahlen aus der Befragung von knapp 900 Schülern im Alter von 14 bis 17 Jahren jetzt im Kreisausschuss für Jugendhilfe und Sport vor. Knapp 500 gaben an, vor der Teilnahme an dem fünf Stunden dauernden „KomA“-Angebot Selten oder nie Alkohol zu konsumieren. Knapp 400 tranken ein- bis zweimal im Monat oder öfter alkoholische Getränke. Unter diesen standen hochprozentige Getränke bei den Jugendlichen hoch im Kurs, während Wein und Sekt eine eher geringere Rolle spielten.

Besser aufeinander aufpassen

Die Frage nach der Änderung des Trinkverhaltens nach der Teilnahme an dem Präventionsangebot ergab, das 49 Prozent der Befragten keine Verhaltensänderung vornehmen würden. Bei den Verhaltensänderungen, die durch „KomA“ hervorgerufen wurden, ragten „Wenn ich mit Freunden trinke, passen wir nun besser aufeinander auf“ (212 Nennungen), „Ich greife nun eher ein /hole Hilfe, wenn ich jemanden sehe, der stark betrunken ist“ (158) und „Ich beobachte Freunde/Familie nun genauer, ob sie betrunken sind“ (155) heraus.

464 Jugendschutzkontrollen durch den Landkreis

Engling erläuterte, dass es bis 2012 im Landkreis einen stetigen Anstieg bei Kindern und Jugendlichen gegeben habe, die mit der Diagnose Alkoholvergiftung in einem Krankenhaus aufgenommen worden seien. Danach habe sich die Zahl deutlich reduziert. Erst 2016 sei sie wieder angestiegen. Die Zahlen seien auf jeden Fall zu hoch, betonte Engling. Daher würden nach wie vor Jugendschutzkontrollen durch den Landkreis durchgeführt. 2017 seien es 464 in verschiedenen gewerblichen Einrichtungen und an Treffpunkten von Jugendlichen gewesen. Hinzu kämen die durch die Stadt Lingen, die über ein eigenes Jugendamt verfüge, erfolgten Kontrollen, erklärte Engling auf Nachfrage unserer Redaktion.

Jugendliche sensibilisieren

Kinder und Jugendliche im Emsland wegen Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Quelle: Landkreis Emsland, Foto: dpa/Tobias Hase, Grafik: NOZ/Heiner Wittwer

Er erklärte, dass mit dem Präventionsangebot „KomA“ auf jeden Fall die richtige Zielgruppe erreicht werde. „Wir erwarten nicht, dass alle Abstinenzler werden, aber die Jugendlichen sollen sensibilisiert werden und ihr Verhalten ändern“, sagte der Jugendschützer.