„Offener Brief“ von Stüting Lingens OB Krone: Die meisten Bewohner des Alloheims fühlen sich wohl

Von Thomas Pertz

In der Diskussion: Das Alloheim in Lingen. Foto: Julia MauschIn der Diskussion: Das Alloheim in Lingen. Foto: Julia Mausch

Lingen. Lingen. Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone hat „keine Zweifel daran, dass die meisten Bewohner des Alloheims sich dort wohlfühlen und man sich dort ebenso wie in anderen Heimen in Lingen sehr um das Wohlergehen der Bewohnerinnen und Bewohner kümmert“. Dies geht aus einem Antwortschreiben Krones an Sabine Stüting, Fraktionsmitglied der Bürgernahen im Stadtrat hervor.

Stüting hatte sich in einem „Offenen Brief“ an Krone im Zusammenhang mit der in die Kritik geratenen Pflegeeinrichtung im Emsauenpark gewandt. Im Februar hatte unsere Redaktion über schwere Vorwürfe von Angehörigen von Pflegebedürftigen gegen die Alloheim-Residenz berichtet. Die Unternehmensgruppe wies die Vorwürfe zurück. Die Stadt Lingen übt die Heimaufsicht über die Lingener Alten- und Pflegeheime aus.

In ihrem Brief an den Oberbürgermeister verweist Stüting darauf, dass sie sich als Mitglied des Rates und des Fachausschusses intensiver mit dem Lingener Alloheim beschäftigt habe. „Ohne in die Details gehen zu wollen, muss ich leider sagen, dass schwere Mängel beschrieben wurden“, so Stüting.

Akteneinsicht

Zusammen mit dem BN-Fraktionsvorsitzenden Robert Koop habe sie deshalb Akteneinsicht genommen. „Dabei konnten wir uns davon überzeugen, dass die zuständigen Mitarbeiter der Heimaufsicht mit enormer Akribie und hohem Aufwand ihrer Aufgabe weitestmöglich nachgekommen sind“, schrieb Stüting. Wegen der Schwere der Mängel drohe die Stadt dem Heim mit juristischen Konsequenzen, heißt es in ihrem Brief weiter.

„Über Äußerung überrascht“

Die BN-Politikerin bezieht sich in dem Schreiben auch auf die Sitzung des Fachausschusses am 8. März, in der sich die zuständige Dezernentin Monika Schwegmann informiert und betroffen von der Schilderung von Bürgern über erlebte Mängel geäußert habe. Sie, Stüting, sei deshalb überrascht gewesen von einer Äußerung Krones bei einer Veranstaltung der FDP. Ende März hatte der Oberbürgermeister als Kandidat im Wahlkampf dazu erklärt, dass das Alloheim „zu Unrecht in Verruf geraten ist“. Es sei nicht besser und nicht schlechter als alle anderen auch, habe ihm ein Arzt gesagt. Stüting bat Krone um eine Erklärung für „die erhebliche Diskrepanz Ihrer Aussagen zu den Erkenntnissen der Fachleute“.

Fachkräftemangel in der Pflege

In seinem Antwortschreiben weist Oberbürgermeister Krone darauf hin, dass das Alloheim in Lingen im Mai 2016 gestartet und der Aufnahmeprozess von Pflegebedürftigen engmaschig von der Heimaufsicht der Stadt Lingen begleitet worden sei. Bereits damals sei erkennbar gewesen, dass der Fachkräftemangel in der Pflege bei der Besetzung der entsprechenden Stellen Probleme bereiten werde. Deshalb habe das Heim vermehrt auf Leiharbeitskräfte bzw. auf selbstständige Pflegekräfte gesetzt. „Da hier eine größere Fluktuation entsteht, war und ist dieser Prozess aufwendiger als es in Einrichtungen der Fall ist, die mit einem eigenen Personalstamm arbeiten“, so Krone.

„Keine Auffälligkeiten“

Bis einschließlich Dezember 2017 hätten die Prüfungen im Auftrag der Pflegeversicherung zu keinen Auffälligkeiten geführt, die eine fachgerechte Pflege der Bewohner infrage gestellt hätten, so der Oberbürgermeister. In seinem Antwortschreiben erklärte Krone weiter, dass „besonders im Frühjahr 2018“ die Beschwerden von Bewohnern, Angehörigen und Beschäftigten zugenommen hätten. Allen Informationen sei nachgegangen worden. Krone: „Eine fach- und sachgerechte Begleitung durch die Heimaufsicht war zu jeder Zeit gegeben. Die Heimaufsicht ist stets durch eine hohe Präsenz - angemeldet und unangemeldet zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten - beteiligt gewesen. Eine ordnungsgemäße Aufgabenerledigung war auf allen Verantwortungsebenen sichergestellt.“

„Intensiv informiert“

Er sei aufgrund der Wichtigkeit und Bedeutung der Aufgaben der Heimaufsicht insbesondere in den letzten Monaten von den Mitarbeitern und auch von der zuständigen Dezernentin über die Vorkommnisse und Verfahrensschritte intensiv informiert worden, unterstrich Krone. Umfassend sei dies auch für die Bürger in öffentlicher und für die Ratsmitglieder in nichtöffentlicher Sitzung des Ausschusses für Familie, Soziales und Integration geschehen.

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Der Brief von Sabine Stüting im Wortlaut:

„Sehr geehrter Oberbürgermeister Krone,

als Bürgerin der Stadt Lingen, Mitglied des Rates und des Fachausschusses habe ich mich intensiver mit den Zuständen im Lingener Alloheim beschäftigt. Ohne in die Details gehen zu wollen, muss ich leider sagen, dass schwere Mängel beschrieben wurden.

Mit meinem Ratskollegen Herrn Robert Koop habe ich wegen der Dringlichkeit des Themas für alle Menschen in Lingen Akteneinsicht genommen. Dabei konnten wir uns davon überzeugen, dass die zuständigen Mitarbeiter der Heimaufsicht mit enormer Akribie und hohem Aufwand ihrer Aufgabe weitestmöglich nachgekommen sind. Mir wurde persönlich bestätigt, dass der Arbeitsaufwand zur Kontrolle und Sicherung von Standards im Alloheim mindestens 20-mal so hoch wie bei anderen Einrichtungen in der Stadt sei.

Wegen der Schwere der Mängel droht die Stadt dem Heim mit juristischen Konsequenzen.

Die zuständige Dezernentin zeigte sich in der Ausschussitzung am 08.03. informiert und betroffen von der Schilderung der Bürgerinnen und Bürger über erlebte Mängel.

Am 12.03. wurde das Thema und das mögliche weitere juristische Vorgehen im Verwaltungsvorstand der Stadt Lingen besprochen.

Ich war daher sehr überrascht von Ihren Äußerungen im Rahmen des Kandidatengesprächs in der gleichen Woche mit dem FDP-Vorsitzenden Dirk Meyer in den Räumen des Seniorenvereins „Gelingen“ . Laut dem Bericht der Lingener Tagespost in der gleichen Woche haben Sie gesagt, „dass dieses (das Alloheim) zu Unrecht in Verruf geraten sei. Das Alloheim sei nicht besser und nicht schlechter als alle anderen auch, habe Ihnen ein Arzt gesagt.“

Bitte erklären Sie die erhebliche Diskrepanz Ihrer Aussagen zu den Erkenntnissen der Fachleute. Ich finde nur beunruhigende Erklärungen.

Was kann also zur diesen Diskrepanzen geführt haben?

Es mag sein, dass Ihre Fachmitarbeiter und Ihre Dezernentin Sie nicht informiert, weil sie a) das Thema für unbedeutend oder b) Ihre Meinung dazu für unbedeutend gehalten haben.

Es mag sein, dass Ihre Fachmitarbeiter und Ihre Dezernenten Sie informiert haben, aber Sie haben ihnen nicht zugehört oder Sie glauben ihnen nicht.

Es mag sein, dass Sie einer nicht näher benannten Ärztin mehr als den Fachmitarbeitern und der Dezernentin glauben und annehmen, dass das Alloheim tatsächlich nicht anders als andere Heime sei. Vielleicht glauben Sie wirklich, dass alle gleich gut sind.

Es mag sein, dass Sie einer nicht näher benannten Ärztin mehr als den Fachmitarbeitern und der Dezernentin glauben und annehmen, dass das Alloheim tatsächlich nicht anders als andere Heime sei, und gehen davon aus, dass alle anderen Heime genauso schlecht sind. In diesem Fall frage ich mich, welche Schritte Sie bzgl. der anderen Heime eingeleitet haben oder einleiten werden.

Es mag sein, dass Sie Kenntnis der Angelegenheit haben und die Einschätzung von Fachmitarbeitern und Dezernentin teilen. Warum sollten Sie dann die Öffentlichkeit falsch informieren? Halten Sie Ärger aber lieber allgemein unter der Decke? Trauen Sie gerade den Senioren von Gelingen eine Bewertung des Themas nicht zu?

Ich erwarte gespannt Ihre Erläuterungen und Antworten.

Mit freundlichen Grüßen

Sabine Stüting

(Die BürgerNahen)“

Das Antwortschreiben von Oberbürgermeister Dieter Krone im Wortlaut:

„Sehr geehrte Frau Stüting,

auf Ihren offenen Brief möchte ich Ihnen wie folgt antworten:

Das Alloheim in Lingen ist im Mai 2016 gestartet. Der Aufnahmeprozess von Bewohner/innen ist durch die Heimaufsicht engmaschig begleitet worden. Bereits damals wurde erkennbar, dass der Fachkräftemangel in der Pflege bei der Besetzung der entsprechenden Stellen Probleme bereiten wird. Um der Nachfrage gerecht zu werden, setzte das Heim vermehrt auf Leihmitarbeiterinnen und Leihmitarbeiter bzw. auf selbständige Pflegekräfte. Da hier eine größere Fluktuation entsteht, war und ist dieser Prozess aufwendiger als es in Einrichtungen der Fall ist, die mit einem eigenen Personalstamm arbeiten.

Bis einschließlich Dezember 2017 haben die durchgeführten Prüfungen im Auftrag der Pflegeversicherung zu keinen Auffälligkeiten geführt, die eine fachgerechte Pflege der Bewohnerinnen und Bewohner in Frage stellten.

Besonders im Frühjahr 2018 nahmen die Beschwerden von Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörigen und auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu. Allen dadurch zugetragenen Informationen ist nachgegangen worden. Eine fach- und sachgerechte Begleitung durch die Heimaufsicht war zu jeder Zeit gegeben. Die Heimaufsicht ist stets durch eine hohe Präsenz - angemeldet und unangemeldet zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten - beteiligt gewesen. Eine ordnungsgemäße Aufgabenerledigung war auf allen Verantwortungsebenen sichergestellt.

Aufgrund der Wichtigkeit und Bedeutung der Aufgaben der Heimaufsicht wurde ich insbesondere in den letzten Monaten von den Mitarbeitern und auch von der zuständigen Dezernentin über die Vorkommnisse und Verfahrensschritte intensiv informiert.

Ich habe keine Zweifel daran, dass die meisten Bewohner des Alloheims sich dort wohlfühlen und man sich dort ebenso wie in anderen Heimen in Lingen sehr um das Wohlergehen der Bewohnerinnen und Bewohner bemüht.

Die Bürgerinnen und Bürger wurden in öffentlicher und anschließend die Ratsmitglieder auch in nichtöffentlicher Sitzung des Ausschusses für Familie, Soziales und Integration am 08.03.2018 umfassend informiert.

Mit freundlichem Gruß

Dieter Krone

Oberbürgermeister“

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