Auftritt im Lingener Theater Horst Evers – absurd, gehaltvoll und unterhaltsam

Von Peter Löning

„Der Zeitpunkt des Nachdenkens ist häufig sehr entscheidend.“ Horst Evers begeistert im Theater mit seinem Programm: „Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex“. Foto: Peter Löning„Der Zeitpunkt des Nachdenkens ist häufig sehr entscheidend.“ Horst Evers begeistert im Theater mit seinem Programm: „Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex“. Foto: Peter Löning

Lingen. Welch ein spaßiges Erlebnis es sein kann, seine Sachen, wenn nicht mehr benötigt, einfach in einem Laden abzustellen, erfuhren die Besucher beim Gastspiel von Horst Evers im Lingener Theater an der Wilhelmshöhe.

Evers beschrieb in bestechender Lebhaftigkeit, wie er einmal ein ausrangiertes Weinregal im nächsten „Saturn“ direkt neben den CDs abstellte, um Zeuge zu werden, wie flugs ein Kunde mit ebendiesem an der Kasse stand. Indes es war hier wohl nicht möglich einen Preis festzustellen, was in diesem Fall dem Kunden einen Gutschein einbrachte.

Diskussion mit Flaschen

Evers Texte machen sehr schnell süchtig und so klebt man ihm an den Lippen. Seine Texte, gern mit verblüffend absurden Wendungen geschmückt, klingen wie gerade eben erlebt. So beispielsweise die Diskussion, die Evers mit den Flaschen in seiner Wohnung führte, um herauszustellen, dass besagtes Weinregal tatsächlich nicht von Interesse sei. „Meine Flaschen können alle von selbst stehen, die brauchen kein solches Drahtgestell“.

Alltagstipps für Baustellen

Versprochen für diesen anregenden Abend waren so einige Alltagstipps, sich in ihrer Qualität steigernd. So gab es hier den ultimativen Tipp im Umgang mit unerwünschten Telefonumfragen.

Ein Tipp für die Betreiber von Problembaustellen wie Berlin, Stuttgart oder Hamburg (Letztere sind in diesem Kreis allerdings nicht ernst zu nehmen, hatten sie für das endlose Verschleppen der Bauzeit dann doch nicht die Nerven und stellten ihre Elbphilharmonie tatsächlich fertig). Sein Rat war es, vorher nicht zu verraten, was man da bauen wolle, sodass eine Umwidmung jederzeit möglich sei. BER wäre jetzt schon der modernste Friedhof weltweit. „Welcher Friedhof hat schon zwei Landebahnen.“ Oder man baue gar erst einmal etwas Überschaubares, beispielsweise eine Brücke. Eine Brücke ohne Funktion, damit die Welt sehe, dass es sich hier um eine tatsächlich gewollte, eine Wunschbrücke handele, nicht um eine, die etwa notwendig wäre - „Bauen einfach, weil man es kann.“

Verabredung ohne Handy

Nach einem kleinen Umweg in die Politik zu Trump und Waffenlobby („In Berlin nennen wir das ‚Weiße mit Schuss‘!“) kam Evers aber bald wieder zu den wichtigen Dingen des Lebens. Wie erkläre ich meiner Tochter, wie man sich verabreden konnte, bevor es Handys gab: „Gar nicht. Wir haben uns nicht verabredet. Man ging aus dem Haus, und der Erste, den man traf, mit dem hat man dann etwas unternommen. Das waren tolle Zeiten.“

Kurzweiliger Abend

Auch der Sport kam nicht zu kurz, denn Horst Evers liebt den Sport, „nur eben mein Körper nicht. Und in unseren Diskussionen hat er einfach die besseren Argumente“.

Ein toller, ein kurzweiliger und doch gehaltvoller Abend, der obgleich das Wort „Sex“ im Titel stand, leider nicht ganz das Theater füllen konnte. Wer aber da war, wird lange davon zehren können.

Danke Horst Evers.