47 Taten in der Region Emsländischer Schlossknacker räumt Beteiligung an Einbrüchen ein

Von Horst Troiza

Als Schlossknacker ging der Angeklagte mit einer Einbrecherbande auf Diebestour. Symbolfoto: dpaAls Schlossknacker ging der Angeklagte mit einer Einbrecherbande auf Diebestour. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Im Prozess vor dem Landgericht Osnabrück hat ein Angeklagter am 3. Mai 2018 seine Beteiligung an einer Einbruchsserie im mittleren und südlichen Emsland eingeräumt. Bei den 47 Taten hatten die Diebe in Ladengeschäften hochwertige Waren im Gesamtwert von etwa 250.000 Euro gestohlen.

Die Beteiligten hatten sich vorab verständigt: Der Richter hatte ein Strafmaß von fünf Jahren und drei Monaten in Aussicht gestellt, wenn der Angeklagte sein bisheriges Schweigen bricht. Damit hatten sich Staatsanwaltschaft, die sieben Jahre Haft gefordert hatte, und Verteidigung, die vier Jahren in den Raum gestellt hatte, einverstanden erklärt.

Spezialist im Schlösserknacken

Entsprechend brach der 39-Jährige aus dem mittleren Emsland sein Schweigen. Es steht wohl fest, dass er einen Teil der Taten nicht allein verübt hat, sondern in manchen Fällen unbekannten Komplizen „nur die Tür zu den auszuraubenden Objekten geöffnet“ hat. Denn der Angeklagte ist, wie selbst das Gericht feststellen musste, ein Spezialist auf dem Gebiet des Schlösserknackens.

Mehrmals in gleiche Geschäft

Über das Internet hatte sich der Angeklagte Schweißer-Spezialwerkzeuge mit Namen wie „Powerknacker“ und „Ziehfix“ organisiert, mit denen er die Schließzylinder an den Eingangstüren der Geschäfte knackte. So geschehen etwa in Lingen: Aus einem Damenmodengeschäft wurden nicht weniger als 526 Artikel gestohlen – noch zwei weitere Male drangen die Täter in dieses Geschäft ein. Wert der Gesamtbeute: 28.000 Euro. Ähnliches in Meppen: Dort wurde in ein Lederwarengeschäft eingestiegen und Markenartikel wie Taschen, Koffer und Schirme im Gesamtwert von 9100 Euro gestohlen.

Peilsender am Auto

Dass der Angeklagte als Täter ermittelt werden konnte, hatte an einer Fahrzeugkontrolle gelegen, bei der Diebesgut sichergestellt werden konnte. Auf richterliche Anordnung war danach ein Peilsender an dem Fahrzeug angebracht worden, wodurch in den folgenden Wochen in 17 Fällen sein Aufenthalt jeweils in der Nähe von Tatorten festgemacht werden konnte.

Höhere Versicherungsbeiträge

Als Zeugen geladene Geschäftsbesitzer beschrieben die Folgen der Einbrüche als geschäftsschädigend, da sie danach zumeist höhere Versicherungsbeiträge zu tragen hatten. Eine Geschädigte aus dem Raum Rheine musste sogar nach drei Einbrüchen ihr Geschäft für immer schließen.

Tatort „sauber“ verlassen

Kurios ist aber, dass alle Zeugen den äußerst geringen Sachschaden hervorhoben, der bei den Einbrüchen in ihren Geschäften entstanden war. „Da war alles säuberlich hinterlassen worden, die Kleidung von den Bügeln genommen und die leeren Bügel aufeinandergestapelt. Nichts außer dem Türschloss war beschädigt, alles andere lag an seinem Platz“, berichtete eine Geschäftsfrau aus Nordhorn. Ein Inhaber aus Wiesmoor bescheinigte dem Angeklagten indirekt, „der Einbruch war gut gemacht. Es ist kein Vandalismus geschehen“.

Das Verfahren wird fortgesetzt.